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„Reli-Stunden“ erholen sich

Religionsunterricht an Volksschulen ist großteils jung, weiblich und gut ausgebildet.
Religionsunterricht an Volksschulen ist großteils jung, weiblich und gut ausgebildet. ©L. Feider
Feldkirch (VN-Matt) - Ist das Tief schon überwunden? Abmeldungen vom Religionsunterricht nehmen ab.

Wer die Statistik der vergangenen acht Jahre bemüht, findet den Religionsunterricht zwar im Wandel, aber keineswegs am Ende. Theo Lang, der das Schulamt der katholischen Kirche Vorarlbergs leitet, spricht von einer „gewissen Erholung“. Hoffnung geben ihm vor allem die Volksschulen. „Dort gehen die Abmeldungen über die Jahre zurück.“ Auch bei den Hauptschulen ist das so. Im Herbst 2003 meldeten sich 5,14 Prozent vom Religionsunterricht ab, 2010 waren es 4,31 Prozent. Bei allen Pflichtschulen gemeinsam sank die Zahl der Abmeldungen von 3,46 Prozent 2003 auf 2,58 im Jahr 2010. Und warum? Lang sieht den wachsenden Wunsch der Eltern, „ihren Kindern eine religiöse Erziehung angedeihen zu lassen“. Die Eltern selber „können das nicht mehr leisten“. Außerdem habe sich im Pflichtschulunterricht die Qualität „erheblich verbessert“. Schon heute sehe man: „Die Kinder, die in die weiterführenden Schulen kommen, hatten an den Volksschulen sehr guten Religionsunterricht.“ Ein Generationswechsel zeigt Wirkung. Religionsunterricht erteilen heute Frauen zwischen 40 bis 55. „In bis zu 85 Prozent der Fälle gestalten wir den Religionsunterricht mit Klassenvorständinnen, die auch andere Fächer unterrichten, das wirkt sich auch aus.“ Die sind methodisch gut ausgebildet. „Wir stellen heute gar keine Religionslehrerinnen ohne Ausbildung mehr an.“ In den 1980er-Jahren war das anders. Heute geht die Rechnung der Qualitätsoffensive auf.

Eine Generation abseits

Sorgen bereiten Lang noch „die pubertierenden Klassen der 13- bis 14-Jährigen“. In den höheren Schulen ist die Abmeldequote insgesamt um ein Prozent auf 24,35 Prozent gesunken. Ein Viertel der Schüler lehnt Religionsunterricht ab. Außer am BORG Egg und am Gymnasium in Lustenau müssen diese Schüler Ethikunterricht besuchen. „Der ist zu einer echten Alternative geworden“, betont Theo Lang. Im Augenblick durchlaufe die Oberstufe „eine ganze Generation, die kirchlicherseits Schwierigkeiten hat“. Und doch verblüfft, dass sich weder Missbrauchsskandale noch umstrittene Bischofsbestellungen in den Abmeldezahlen niederschlagen. „Religionslehrer werden nicht mit Kirche identifiziert“, erklärt das Theo Lang, der im Übrigen froh ist, dass die 1990er-Jahre der Gleichgültigkeit vorüber sind. Lang rechnet damit, dass sich der Religionsunterricht, der schon oft um seine Existenz rang, „in den kommenden fünf Jahren weitgehend erholt haben wird“. Der heutige kompetenzorientierte Religionsunterricht lehre die Kinder, „fürs eigene Leben Sinnfragen zu stellen“: Gibt es Gott? Was hat er mit mir zu tun? „Erstes Ziel ist der Dienst an der Jugend.“ Die sollen vor allem kritisch denken lernen in Bezug auf Religion. Auswendiglernen war gestern.

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