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„Kommen an Kennzeichnung nicht vorbei“

Vergangenes Wochenende wurde bekannt, dass mit Antibiotika stark kontaminiertes Putenfleisch aus Rumänien über Deutschland nach Österreich gelangte.
Vergangenes Wochenende wurde bekannt, dass mit Antibiotika stark kontaminiertes Putenfleisch aus Rumänien über Deutschland nach Österreich gelangte. ©APA
War der Pferdefleischskandal nur die Spitze des Eisberges? Aktuelle Lebensmittelkontrollen lassen diesen Schluss jedenfalls zu.
Antibiotika-Pute in Österreich
Der große Lebensmittelschwindel
"Man wurde einfach beschissen"
Fleischer verwendete Pferdefleisch

Erst vor wenigen Wochen sorgte Pferdefleisch in Rindfleischprodukten für Entrüstungswellen in ganz Europa. Die damit einhergehenden Lebensmittelkontrollen brachten nun weitere Manipulationen ans Tageslicht: Anfang März wurde in Polen Gammelfleisch in Würsten festgestellt. Am Wochenende meldeten Medien, dass mit Antibiotika kontaminiertes Putenfleisch aus Rumänien nach Österreich gelangte. Als Konsument kann man sich dieser Tage offenbar nicht mehr sicher sein, was zuhause auf den Teller kommt.

Immer schlechtere Produkte kommen ins Land

Fleischexperte Werner Riedmann, der bereits zum Thema „Pferdefleisch“ Stellung bezog, sieht nach den neuen Zwischenfällen dringenden Handlungsbedarf: „Mit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahre 1995 sind die Grenzen in den Westen und Süden Europas geöffnet worden. Somit hat der freie Warenverkehr be­­­gonnen. Für einige österreichische Betriebe war dies eine riesige Chance, qualitativ hochwertige Produkte in andere EU Länder zu liefern. Wohlgemerkt ist das österreichische Lebensmittelgesetz nach wie vor eines der strengsten der Welt. Umgekehrt hat jedoch der Warenverkehr qualitativ schlechter Produkte nach Österreich begonnen. Wenn wir auf die Frage, wie antibiotikaverseuchtes Putenfleisch aus Rumänien über Deutschland nach Österreich gelangt, eine Antwort finden wollen, dann kommen wir bei diesen offenen Grenzen an einer verpflichtenden Kennzeichnung im Handel und in der Gastronomie nicht vorbei.“

Verlorengegangene Moral

Bernhard Zainer, Leiter der amtlichen Lebensmittelkontrolle des Landes Vorarlbergs, ortet ein Sinken von Moral und Werten: „Wie es aussieht, sind die momentanen Trends der Lebensmittelproduktion eine immer stärkere Anonymisierung, Konzentrierung und ein verschärfter Überlebenskampf auf dem Markt. In manchen Sparten der Lebensmittelproduktion scheinen sowohl Moral als auch das Verständnis für die Werte verlorengegangen zu sein. Als Gefahr kommt hinzu, dass auf Grund laufender Schreckensmeldungen das Interesse der Konsumenten sinkt und teilweise einem ungerechtfertigten Fatalismus Platz macht. Gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten ist die Voraussetzung, wieder zu einem fairen und respektvollen Umgang miteinander zu kommen. Entscheidend ist, dass sich die Konsumentenerwartung mit dem Kaufverhalten deckt. Durch seine Entscheidung kann der Konsument dazu beitragen, dass seine Wünsche bestmöglich erfüllt werden.“

„Geflügelhalter fordern Angleichung nach unten – die falsche Strategie!“

Tobias Giesinger, Verein gegen Tierfabriken:
„Der VgT kritisiert seit vielen Jahren die österreichische Puten- und Masthühner- haltung. Aber in anderen Ländern sind die Tierschutzkriterien noch weitaus niedriger als bei uns und der Medikamenteneinsatz um einiges höher! Die heimischen Geflügelhalter fordern akt uell eine Angleichung nach unten, wegen des angeblichen Wettbe- werbsnachteils. Das ist aber offensichtlich nicht nur aus Tiers chutzgründen die falsche Strategie, wie der aktuelle Skandal beweist.

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