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„Kaiserliche Hoheiten in Vorarlberg“

EHZ Eugen im Gespräch mit dem Hörbranzer Schützenhauptmann Sohler
EHZ Eugen im Gespräch mit dem Hörbranzer Schützenhauptmann Sohler ©wru / GAH
Vor 75 Jahren statteten zwei Mitglieder des ehemaligen Herrscherhauses dem „Ländle“ einen Besuch ab und besuchten mehrere Städte und Gemeinden. Eugen, Erzherzog von Österreich wurde am 21.
"Kaiserlicher Besuch" in Hörbranz - 1937

Mai 1863 in Groß Seelowitz (heute: Židlochovice, Tschechische Republik) bei Brünn als Sohn des Erzherzogs Carl Ferdinand geboren und starb am 30. Dezember 1954 in Meran (Südtirol). 1914 wurde er Kommandant der 5. Armee am Balkan, 1915 und 1917/1918 Kommandant der Südwestfront, zuvor war er  1916/1917 Kommandant der Heeresgruppe Tirol. Erzherzog Eugen lebte nach dem Ersten Weltkrieg von 1919 bis 1934 in der Schweiz, dann in Gumpoldskirchen, Wien und Innsbruck.

 

Adelheid, Erzherzogin von Österreich wurde am 3. Jänner 1914 in Hetzendorf geboren und starb am 3. Oktober 1971 in Genf. Gemeinsam mit ihren Eltern Kaiser Karl I und Kaiserin Zita sowie ihren Geschwistern verließ sie 1919 Österreich.

Vom 17. bis 20. Juni 1937 statteten zwei „kaiserliche Hoheiten“ – Erzherzog Eugen und Erzherzogin Adelheid – dem „Ländle“ einen Besuch ab. Begleitet wurden sie von Adjutant Oberst Baron Reichlin-Meldegg und von der langjährigen Kinderfrau der kaiserlichen Familie Gräfin Maria Theresia Sidonia von Korff genannt Schmising-Kerssenbrock (*1888 †1973)

Das „offizielle Vorarlberg“ distanzierte sich und gab folgende Weisung aus: „Mit Rücksicht auf den augenscheinlich politischen Charakter der Empfänge und Kundgebungen werden sich die Landesregierung und die Landesführung der Vaterländischen Front, die auf dem Boden der Verfassung stehen, an diesen Veranstaltungen nicht teilnehmen. Die Herren Bürgermeister, die gleichfalls auf die Bundes- und Landesverfassung das Gelöbnis abgelegt haben, werden angewiesen, sich dem Vorgehen der Landesregierung anzuschließen. Dasselbe gilt für die Mitglieder der Gemeindetage.“ (LH Vorarlberg an Gemeinden, 11.6.1937) Dagegen stand es den Amtswaltern der Gemeinden frei, sich als Privatpersonen – etwa als Mitglieder von Vereinen – sich an den Empfängen zu beteiligen.

Beim Erscheinen der kaiserlichen Hoheiten kam es immer wieder zu Sympathiekundgebungen, so auch in Feldkirch: „ Als der Zug in den Bahnhof einfuhr und die hohe Gestalt des Feldmarschalls Erzherzog Eugen am Wagenfenster sichtbar wurde, intonierte die Musik die Haydnhymne; ein vielhundertfaches Heil ging durch die versammelte Menge. (…) Unter lebhaften Hoch- und Heilrufen der großen Versammlung zogen die hohen Gäste (in die Volkshalle) ein. (…) Ein Prolog, begeistert gesprochen, gab der Treue zum Hause Oesterreich Ausdruck. (…)“ Im St. Josefs Institut gab es einen Reigen der Mädchen, der „den Wunsch zum Ausdruck brachte, dass der Sohn Kaiser Karls bald die Krone seiner Väter tragen könne.“ (…) Der Reichsbund der Oesterreicher gab in der Presse bekannt: „(…) auch schwarz-gelbe Fahnen sind erlaubt.“  Auch in Bregenz zeigten sich viele Menschen „kaisertreu“. Beim Festabend im ‚Deutschen Haus’ hielt Pfarrer Schuchter von Au die Festrede: „Die mehrfach von Beifall unterbrochene Festrede gipfelte im Wunsche nach Rückkehr Ottos auf den Thron seiner Väter. Der Marsch ‚Hoch Habsburg’ bildete den Auftakt zu herzlichen und begeisterten Ovationen  für Habsburg (…) Als die hohen Gäste unter den Klängen der unsterblichen Kaiserhymne den Saal verließen, wollte ihnen alles die Hand schütteln (…).“ (Vorarlberger Volksblatt 18. und 21. Juni 1937)

Das Vorarlberger Volksblatt (21.6.1937) berichtet über den „hohen Besuch“ in Hörbranz: „Den ganzen Sonntagvormittag widmeten Erzherzog Eugen und Erzherzogin Adelheid einem Besuche in Hörbranz. Auf der Fahrt dorthin machten die hohen Gäste auch in Lochau halt, wo sie mit Musik von den Schulkindern, Vereinen und viel Volk auf dem Dollfußplatz empfangen wurden. Nach Überreichung eines Handschreibens an den Kameradschaftsbund setzten die Hoheiten ihre Fahrt nach Hörbranz fort.

Hörbranz war gestern früh das Ziel vieler Wanderer aus der näheren Umgebung. So war, als um ½ 9 Uhr Kanonenschüsse die Ankunft der Gäste verkündeten, der große Dollfußplatz (Kirchplatz) auf dem die Fronleichnamsschützenkompanie, die Schützengilden von Hörbranz und Hohenweiler, die Kameradschaftsbünde, die Feuerwehren und der Jugendbund Aufstellung genommen hatten, dicht von Menschen umsäumt. Durch Kindermund wurden die illustren Gäste bei einer Triumphpforte beim Gasthaus ‚Krone’ begrüßt und mit  Musik von der Ehreneskorte der Chorschützen zum Feldaltar geleitet. HH Stadtpfarrer i. R. Msgr. Düringer las darauf die heilige Messe, während der Musikverein Hörbranz unter Leitung von Herrn Musikdirektor Mennel eine deutsche Messe spielte. In einer kurzen Ansprache betonte der Zelebrant die Pflicht des Gehorsames gegen die Obrigkeit und bat um Gebet für das Vaterland und das Haus Oesterreich.

Nach der Messe gaben die Fronleichnamsschützen in ihren malerischen, historischen Uniformen aus den alten Vorderladergewehren zwei Ehrensalven ab, in die auch die alten Kanonen, die etwas abseits auf freiem Felde aufgestellt waren, miteinstimmten. Nachdem Feldmarschall Erzherzog Eugen mit Erzherzogin Adelheid die Front der ausgerückten Vereine – man zählte insgesamt 14 Fahnen und sogar der Feldkircher Bezirk war mit Kriegsveteranen vertreten – abgeschritten hatte, legte er unter den Klängen der Heldenglocke am Kriegerdenkmal einen prächtigen Kranz nieder. Es folgte ein gemeinsam gebetetes Vaterunser für die Gefallenen und das Lied vom guten Kameraden. Erzherzog Eugen verlas nun die fünf Handschreiben, die der Kaisersohn Otto an die Vereine von Hörbranz und Möggers richtete, die ihn durch Ernennung zum Ehrenvorstand oder Protektor geehrt haben und übergab dieselben den Vereinsvorständen, in deren Namen Herr Andreas Rupp (Hörbranz) dankte. Mit einem Vorbeimarsch der Vereine – auch der Artilleriezug und die alten Kanonen waren dabei – der von den hohen Gästen beim Gemeindehaus abgenommen wurde, war die Feier beendet.

Erzherzogin Adelheid mischte sich dann noch unter das Volk und zog in leutseliger Weise die Leute, die sie immer wieder umdrängten, in ein kurzes Gespräch und wurde nicht müde, durch Händedruck den Getreuen zu danken, die sie mit solcher Begeisterung und Herzlichkeit empfingen und umgaben. Die Herren der Begleitung hatten Mühe, die Erzherzogin aus dem sich immer wieder herandrängenden Volk zu ‚retten’ und sie in die ‚Krone’ zu bringen, wo bereits das Mittagessen stattfinden sollte, da die hohen Gäste am Nachmittag noch ein ziemlich umfangreiches Programm abzuwickeln hatten und Hörbranz zeitgerecht verlassen mussten.

Am Nachmittag ging die Fahrt in den Bregenzerwald, wo in Großdorf die historischen und jetzigen Wäldertrachten in ihren verschiedenen Formen den Hoheiten vorgeführt wurden und besonders bei Erzherzogin Adelheid lebhaftes Interesse hervorriefen. (…)“ (Weitere “Stationen”: Krumbach, Satteins, Thüringerberg, Haselstauden … etc.)

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