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„Integration Frage sozialer Rangordnung!“

Deutsch lernen sei nicht alleiniger Schlüssel zur Integration.
Deutsch lernen sei nicht alleiniger Schlüssel zur Integration. ©Bilderbox
Bregenz - In der Integrationsdebatte werde von linken und rechten Parteien zuviel Augenmerk auf „Kultur“ gelegt. Ausschlaggebend wären jedoch andere Faktoren, sagen die Autoren des Buches „Die Integrationslüge“.

„Die Integrationslüge verschluckt die wichtigen Fragen, die hinter den Konflikten stecken: Bildung, Arbeitsmarkt, Wohnen, soziale Rangordnungen, Ohn­­­macht, Anerkennung. Alles ist ‚Kultur‘. Wir sind kulturversessen und verhältnisvergessen“, so Martin Schenk, Co-Autor und stellvertretender Direktor der Diakonie Österreich. Wenn es um Integration gehe, würde zu wenig über vorherrschende Verhältnisse gesprochen. Nicht der Migrationshintergrund sei der prägende Faktor, sondern die ökonomische und soziale Situation. Schenk: „Integration ist auch eine Frage sozialer Rangordnungen. Zum ‚Ausländer‘ wird, wer auf Distanz gehalten werden soll. Je weniger sozialer Aufstieg, desto befremdender.“

Sachliche Diskussion

Um die Debatte von einer emotionalen Ebene auf einen sachlichen Level zu bringen, brauche es einen multidimensionalen Ansatz. Deutsch lernen alleine sei nicht der Schlüssel zur Integrationsfrage. „Die Sache ist komplizierter, sonst müssten die Jugendlichen in den Pariser Vorstädten ja auch bestens integriert sein, sprechen diese doch tadellos französisch. Es fehlt aber an Jobs, Aufstiegsmöglichkeiten, Wohnraum und guten Schulen – auch bei uns. Ein Schlüssel braucht immer auch ein Schloss. Die einen investieren nur in Schlüssel, die anderen nur in Schlösser, und dann wundern sich alle, dass die Türen nicht aufgehen“, so Schenk weiter. Für Selvi Alkan, Frauensprecherin des Vereins Türkisch-Islamische Union in Österreich ATIB mit Sitz in Bezau, steht dennoch die Sprachbarriere an erster Stelle: „Deutsch ist eine sehr schwierige Sprache, wenn man sie von Grund auf lernen muss. Diese Erfahrung habe ich selbst gemacht. Wenn die nötige Sprachkenntnis fehlt, kommt es natürlich auch zu Schwierigkeiten. Leider ist es auch so, dass beide Seiten, also In- und Ausländer, auf Distanz voreinander gehen. Es braucht Respekt voreinander, unabhängig von Religion, Herkunft oder sonstigen Dingen. Man wirft den MigrantInnen noch immer vor, geldgierig zu sein, anderen die Arbeit wegzunehmen und das Geld ins Ausland zu bringen. Dem ist aber nicht so. Wir haben uns hier unsere Existenz aufgebaut, zahlen hier unsere Abgaben und Rechnungen. Und wer arbeiten will, findet auch einen Job. Zudem ärgert mich der Begriff ‚Gastarbeiter‘. Die Generation vor mir kam als Gastarbeiter ins Land, wir sind jedoch mittlerweile im Bregenzerwald zuhause und ich liebe es, hier zu leben“.

Situation auf dem Land

Elisabeth Wicke, Bürgermeisterin der Gemeinde Mellau sieht Integration nicht als vorherrschendes Thema in ländlichen Regionen wie dem Bregenzerwald: „Die Zahl der Migranten in den Wälder Gemeinden ist höchst unterschiedlich. Aus diesem Grund muss auch differenziert werden zwischen den Tourismusgemeinden und den Vorderwälder Gemeinden. Allgemein habe ich das Gefühl, dass man in der Region mit dem Begriff Integration immer Personen mit türkischem Hintergrund verbindet, obwohl viele Menschen aus anderen Ländern als Arbeitnehmer tätig sind. In Mellau beispielsweise leben 32 türkische MitbürgerInnen. Bei rund 1300 Einwohnern ist das ein schwindend geringer Anteil. Grundvoraussetzung für eine funktionierende Integration ist meiner Meinung nach jedenfalls der Wille der Betroffenen, sich zu integrieren und die nötige Beherrschung der Sprache.“

Diversitätsexperte Attila Dincer über das Thema Integration

WANN & WO: Wo sehen Sie die größten Probleme beim Thema Integration?
Attila Dincer: Meines Erachtens läuft die Integrationsdebatte immer noch zu einseitig. Es gibt keine klare Definition, was unter Integration gemeint ist. Daher wird das Thema zu einer Forderliste für MigrantInnen degradiert. Aber von „Integration als Geben und Nehmen, annehmen und akzeptieren beiderseits“ spricht nahezu niemand. Die MigrantInnen werden daher langsam integrationsmüde, aber sind noch lange nicht integrationsunwillig.

WANN & WO: Wie könnte man die Integrationsdiskussion auf eine sachliche Ebene bringen?
Attila Dincer: ImmigrantInnen sollten dieses Land als Heimat annehmen und respektieren. Die Mehrheitsgesellschaft sollte sie aber auch als Wahlvorarlberger­Innen akzeptieren.

WANN & WO: Mit welchen Problemen werden MigrantInnen bei uns am häufigsten konfrontiert?
Attila Dincer: Wenn wir von Integrationsproblemen sprechen, meinen wir doch ehrlich gesagt die Türken. Diese scheinen immer der Störfaktor zu sein. Sie wollen aber zweifellos Vorarl­berger sein. Es fehlt einfach an Respekt und Anerkennung. Es muss noch viel getan werden, damit das Ländle unser aller Land wird – insofern die Einheimischen das wollen.

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