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„Ich habe mich gefragt ‚Warum ich?‘“

MS hat Tina Orteca und ihren Mann Walter noch mehr zusammengeschweißt.
MS hat Tina Orteca und ihren Mann Walter noch mehr zusammengeschweißt. ©W&W
Tina Orteca (34) aus Lustenau leidet an Multipler Sklerose – kurz MS. Wie sich ihr Leben seit der Diagnose verändert hat, erzählt sie im Interview mit WANN & WO.

WANN & WO: Wann hast du das erste Mal bemerkt, dass mit dir etwas nicht stimmt?

Tina Orteca: 1999 bekam ich den ersten Schub. Damals litt ich an einer Gefühlsstörung im Bauchbereich und in den Beinen. Anfangs habe ich natürlich länger gewartet, bis ich schlussendlich dann doch zum Arzt ging. Dieser schickte mich sofort weiter, u.a. zur Magnetresonanztomografie. Da stellte man fest, dass es ein Problem mit dem Rückenmark gibt. Ich wurde weiter nach Innsbruck überwiesen, bekam aber keine Diagnose. Die Ärzte meinten, es sei eine Entzündung, was ich natürlich auch glaubte.

WANN & WO: Wann stellte man fest, dass du MS hast?

Tina Orteca: Vier Jahre später. Ich bekam einen zweiten Schub, bei dem ich wiederum Gefühlsstörungen hatte, das Laufen schlechter wurde und ich auch ab einer Sehnerventzündung erkrankte. Da erhielt ich schließlich die Diagnose MS.

WANN & WO: Was waren deine ersten Gedanken, als du es erfahren hast?

Tina Orteca: Eigentlich nichts. Ich habe die Diagnose einfach komplett ignoriert und mir gedacht, MS kann mir nichts anhaben. Ich sah es auch nicht als Krankheit.

WANN & WO: Wie ging es dann weiter?

Tina Orteca: 2006 suchte ich um Frühpension an. Zuvor hatte ich immer mehr als 100 Prozent gearbeitet und war gleichzeitig freiwillig beim Roten Kreuz tätig. Als ich dann aufhörte zu arbeiten, fiel ich in ein tiefes Loch. Zu der Zeit habe ich mich dann schon gefragt „Warum ich?“ und mir auch Gedanken darüber gemacht, was ich alles aufgrund meines Handicaps nicht mehr machen kann.

WANN & WO: Wer hat dich in dieser schweren Zeit unterstützt?

Tina Orteca: Mein Mann Walter, den ich seit 13 Jahren kenne, meine Familie, Freunde und Kollegen vom Roten Kreuz. Denn dort arbeitete ich auch danach weiter und tue es noch heute. Die Ablenkung war wichtig. Schlecht ging es mir eigentlich nur, wenn ich alleine war. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich krank bin oder gar eine Belastung.

WANN & WO: Wie hat MS dein Leben verändert?

Tina Orteca: Mein Mann und ich sind in diese „Krankheit“ hineingewachsen. Es hat uns sogar noch mehr zusammengeschweißt. Wir beide leben jetzt viel bewusster und nützen jeden Tag. Wir sprechen offen über alles und streiten uns nicht mehr über Kleinigkeiten.

WANN & WO: Fühlst du dich durch die Krankheit eingeschränkt?

Tina Orteca: Nein, nicht wirklich. Klar gibt es Dinge, wie z.B. Wandern, die ich nicht mehr machen kann, aber gerne würde. Aber ich bin mobil. Das Auto ließ ich umbauen und vor kurzem haben wir uns ein Liegefahrrad mit Motor gekauft.

WANN & WO: Du sagst, du fühlst dich nicht eingeschränkt: Wie sieht es mit der Familienplanung aus?

Tina Orteca: Wir haben lange darüber gesprochen und nachgedacht, ob wir Kinder wollen oder nicht, uns aber aufgrund meines Handicaps dagegen entschieden. Hätten wir einen intensiven Kinderwunsch gehabt, wäre es kein Problem gewesen, welche zu bekommen. Ich kenne auch Leute mit MS, die Nachwuchs haben.

WANN & WO: Wie geht es dir heute?

Tina Orteca: Ich hatte seit sieben Jahren keinen Schub mehr, dank guter Medikamente. Einmal in der Woche bin ich bei der Physiotherapie, die vom AKS angeboten wird. Zusätzlich habe ich da auch die Möglichkeit, einmal im Jahr an Hippo- und Wassertherapie teilzunehmen. Aber auch in Fragen Frühpension und dergleichen bietet das AKS eine gute Anlaufstelle.

WANN & WO: Gibt es eine Prognose, wie deine Krankheit weiter verlaufen wird?

Tina Orteca: Nein, das kann niemand sagen. Mir geht es momentan sehr gut. Aber ich glaube fest daran, dass es irgendwann eine Heilung oder zumindest eine Besserung geben wird und ich eines Tages wieder mit meinem Mann und Hund wandern kann.

WANN & WO: Was rätst du anderen Betroffenen?

Tina Orteca: Jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit MS umzugehen. Positiv denken, ist das Wichtigste. Die Medizin ist zum Glück schon sehr weit. MS heißt nicht zwingend, an den Rollstuhl gefesselt zu sein. Ich kenne selbst einen Mann, der ebenso lange wie ich an MS leidet und dem man nichts anmerkt.

Multiple Sklerose:

Multiple Sklerose (MS) ist eine bis heute unheilbare, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zunächst schleichend verläuft und im späteren Verlauf zu immer belastenderen körperlichen Behinderungen führt. Anzeichen können Zittrigkeit, Gefühlsstörungen, Seh- oder Sprachstörungen sein, aber auch Gangunsicherheit und Gehstörungen bis hin zu Lähmungen einer oder mehrerer Extremitäten, uvm.

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