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„Ich bin stabiler geworden“

Ines (39) - im Gespräch mit VN-Redakteurin Marlies Mohr - über ihren Kampf gegen die Magersucht.
Ines (39) - im Gespräch mit VN-Redakteurin Marlies Mohr - über ihren Kampf gegen die Magersucht. ©VOL.AT/ Bernd Hofmeister
Schwarzach - Ines leidet an Magersucht. Ihr dringender Rat an Betroffene: sich Hilfe holen.

Sie will kein Mitleid. Nur ihre Geschichte erzählen. Hinausrufen, dass es Hilfe gibt. Für Menschen wie sie. Ines, heute 39, leidet seit ihrem 14. Lebensjahr an Essstörungen. Die Bulimie hat sie laut eigenem Bekunden im Griff. Gegen die Magersucht führt sie einen leidenschaftlichen Kampf. Der Familie zuliebe. „Ich kann ihn nicht gewinnen“, weiß Ines, „aber irgendwann vielleicht ohne Belastung damit leben.“ Ein großes Stück dahin hat sie schon geschafft. Auch dank mitfühlender Therapeuten. „Wir müssen das nicht alleine tragen“, betont sie. In der Hoffnung, dass viele es hören, um dann „aufzustehen und sich Unterstützung zu holen“.

Hin- und hergerissen

Ines ist eine hübsche Frau mit einer anmutigen Figur. Viele würden sie wohl darum beneiden. Selbst hadert sie jedoch mit ihrem Gewicht. Die „verantwortungsvolle Ines“, wie sie ihr zweites Ich nennt, sagt zwar, dass es passt. Doch da gibt es noch die „magersüchtige Ines“, die sich „viel zu fett“ findet und bei jeder Apfelhälfte mehr aufbegehren will. Hin- und hergerissen zwischen diesen Stimmungen bewältigt die junge Frau den Alltag. Schließlich gibt es da noch ihren Sohn, „ein Wunschkind“, wie sie betont, dem sie in der Verantwortung steht. Und sie ist auch gewillt, diese zu übernehmen. Ines versucht, ihn nichts von ihrer Erkrankung spüren zu lassen. „Er wächst gesund auf“, versichert sie.

Missbrauch als Auslöser

Ihre eigene Kindheit prägten hingegen Schläge und Missbrauch. Jahrelang verging sich der Vater an seiner Tochter. Sollte sie reden, würde der Mutter etwas passieren, drohte er. Also schwieg das Mädchen. Flüchtete sich stattdessen langsam in die Magersucht. Konnte auf diese Weise wenigstens etwas kontrollieren. Dass die Übergriffe ursächlich für den Ausbruch der Essstörung waren, wusste Ines damals nicht. „Die Schläge habe ich vergessen, den Missbrauch verdrängt“, sagt sie.

Erst in der Therapie ergaben die Mosaiksteinchen ein ganzes Bild. Es war ein langer Weg dorthin. Bis auf 43 Kilo magerte Ines ab. Weder die Ermahnungen der Mutter noch die des Hausarztes nützten. Irgendwann komme das im Kopf nicht mehr an. Dafür nehme der Ehrgeiz, noch dünner zu werden, zu. Schließlich drohte der Arzt mit Zwangsernährung, wenn sie nicht wenigstens zwei Kilo zunehme. „Widerwillig“ schaffte die 19-Jährige eineinhalb Kilo.

Aufwühlende Frage

Doch der Körper machte nicht mehr mit. Ines konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Nicht einmal mehr alleine gehen. Da endlich entschloss sie sich zu einer Behandlung. Sie wurde in die Uniklinik nach Innsbruck gebracht. „Dort fragte mich eine Ärztin geradeheraus, ob ich missbraucht worden bin“, erzählt sie. Tränen rinnen über ihr schmales Gesicht. Das Empfinden, das dieser Satz auslöste, wühlt sie immer noch auf. „Es zog mir buchstäblich den Boden unter den Füßen weg“, erinnert sich Ines. Um gleich darauf vom „großen Glück“ zu reden, „die richtige Hilfe“ bekommen zu haben.

Immer für sie da

Seit 1998 ist sie beim Institut für Sozialdienste (IfS) in Betreuung. Als „kompetent und mitfühlend“ beschreibt sie die drei Frauen, von denen sie bislang begleitet wurde. Auch ihre jetzige Therapeutin ist jederzeit für sie da. „Ich bin stabiler geworden durch die Therapie, habe einen anderen Umgang mit der Essstörung gefunden“, merkt sie hoffnungsfroh an. So ignoriert sie die Signale einer aufkeimenden Magersuchtattacke nicht mehr sondern holt frühzeitig Unterstützung. Sie wehrte sich, wie viele ihrer Schicksalsgenossinnen, lange dagegen. Heute weiß Ines: „Jeder muss den Punkt, an dem er Hilfe annimmt, selbst finden. Sonst fruchtet sie nicht.“ Angst vor dem „fett sein“ hat sie immer noch, aber auch gelernt, damit zu leben. „Es geht“, lautet ihre eindringliche Botschaft. Nicht leiten lässt sich Ines von Hass auf ihren „Erzeuger“. „Sonst wäre er ständig in einem Leben.“ Das will sie nicht mehr. Zumindest damit konnte sie endgültig abschließen.

Hilfsangebote

  • Institut für Sozialdienste: Alle Beratungsstellen in den Städten sowie in Egg bieten ein leicht zugängliches, professionelles Unterstützungs- und Therapieangebot für Betroffene, Angehörige und andere Personen, die mit diesem Thema konfrontiert sind, an. Infos kostenlos und anonym unter ifs.at/internetberatung.html
  • Caritas: Kontaktstelle bei Essstörungen, Reichsstraße 173, Feldkirch, Tel. 05522/200-1739 und caritas-vorarlberg.at
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