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„Hege keinen Hass gegen Fuchs“

Theo Kelz (59) vor dem Sternenhotel Wolfurt, gestern hielt er einen Vortrag mit dem Titel „Mein Leben mit meinen neuen Händen“.
Theo Kelz (59) vor dem Sternenhotel Wolfurt, gestern hielt er einen Vortrag mit dem Titel „Mein Leben mit meinen neuen Händen“. ©W&W
Bei einem Bombenanschlag wurden Theo Kelz beide Hände abgerissen, durch eine Transplantation erhielt er zwei neue. Gestern war der Kärntner zu Gast in Wolfurt und sprach mit W&W über seine neuen Hände, Vorarlberg und den Bombenleger Franz Fuchs.

Theo Kelz: (schlägt das W&W auf) Tolle Sache, auch das Format. Große Zeitungen sind ja für mich nix, aber die ist wirklich HANDlich … (lacht)

WANN & WO: Waren Sie schon in Vor­­­arlberg?

Theo Kelz: Sehr oft schon! Früher bereits viel – schon seit einer Motorradreise im Jahre 1972 – und jetzt noch mehr. Die Leute hier sind sehr nett und zugänglich, an den Dialekt muss ich mich immer erst gewöhnen. Ich habe Verwandte in Rankweil und Dornbirn, von daher ha­­be ich auch enge Beziehungen hierher. Diesmal bin ich für den Vortrag bei der Firma Doppelmayr hier.

WANN & WO: Mittlerweile können Sie die Hände fast normal benutzen – Ihr Begrüßungshandschlag ist fester als meiner …

Theo Kelz: Alles ist nicht möglich, man muss sich schon einschränken. Gewichtheben oder extreme Dinge sind tabu. Im Winter sollte ich mich nicht längere Zeit ohne Handschuhe in der Kälte aufhalten. Da ziehen sich die Blutgefäße zusammen und die Durchblutung leidet.

WANN & WO: Wenn Sie über das Erlebte ins Ihren Vorträgen sprechen – was wollen Sie damit erreichen?

Theo Kelz: Wesentlich sind das Mo­­­­­­tivationsvorträge – ich spreche über das Leben mit meinen neuen Händen. Es geht darum, nach einer Situation, bei der man wirklich am Boden liegt, wieder aufzustehen, eine Vision zu haben und dieser zu folgen. Ich hatte nach dem Bombenanschlag wirklich die Vision, dass ich mit zwei neuen Händen aufwache. Das war für mich damals der Anlass, mich an Prof. Raimund Margreiter wegen einer Handtransplantation zu wenden. Damals war das nicht machbar, er ließ aber die Möglichkeit offen, es in in Zukunft zu versuchen, wenn die Technik sich weiter entwickelt hätte. Sechs Jahre danach war es soweit.

WANN & WO: Sie haben rund 5000 Therapiestunden absolviert – gab es nie einen Zeitpunkt, wo Sie aufgeben und alles hinschmeißen wollten?

Theo Kelz: Nein, überhaupt nicht! Wir, die Therapeuten und ich im Besonderen, wollten das beste Ergebnis erreichen. Und es hat funktioniert.

WANN & WO: Auch in Vorarlberg gibt es viele, die nach einem Unglück bzw. Unfall eingeschränkt oder behindert sind, die aber wie Sie nicht aufgeben wollen …

Theo Kelz: Es gibt im Leben für jeden – egal, ob er eingeschränkt ist oder nicht – die Möglichkeit, vieles zu machen. Das spielt sich wesentlich im Kopf ab. Genau das musste ich auch lernen, mit meiner Vorstellung meine Hände neu zu bewegen. Es war ja eigentlich alles weg!

WANN & WO: Verfolgen Sie die Transplantations-Neuigkeiten der Medizin?

Theo Kelz: Ja, immer wieder. Ich durfte auch selbst dazu beitragen, dass in Österreich bzw. Innsbruck weitere Transplantationen durchgeführt wurden. Zum Beispiel schrieb mir ein junger Bursche aus der Ukraine per Mail, dass er durch eine Explosion beim Hantieren mit Sprengstoff seine Hände und sein Augenlicht verloren hat. Ich sprach dann mit dem Professor und letztendlich wurde er in Innsbruck erfolgreich operiert.

WANN & WO: Wenn Sie zurückdenken – welche Gefühle verbinden Sie heute mit dem Bombenleger?

Theo Kelz: Ich habe für mich mit der Sache abgeschlossen, ich hege keinen Hass oder Rachegefühle ge­­­gen Franz Fuchs. Das ist auch der Punkt. Hass würde meine ganze Energie aufwenden – und die brauche ich für mich selbst. Ich hatte mit seiner Familie Kontakt, wollte auch mit ihm in Verbindung treten, aber er lehnte jeden Kontakt ab. Man sieht aber: Am Ende musste Fuchs dasselbe Schicksal wie ich erleiden.

WANN & WO: Polizist, Vortragen­­der, Mediator, Autor und nicht zu­­letzt Motorradfahrer – Sie sind ein Multitalent. Wie geht es nach dem Vortrag für Sie weiter?

Theo Kelz: Erstmal zurück in den Polizeidienst in der Einsatzleitstelle – die Kollegen vermissen mich schon. Pension steht aktuell nicht zur Diskussion. Weitere Vorträge sind auch geplant. 2014 steht für mich und meinen in Vorarlberg lebenden Freund Franz Stelzl ein Großprojekt mit dem Motorrad an, eine vertikale Weltumrundung. Mit der Aktion „Vertical around the World“ wollen wir auf den Welthunger hinweisen!

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