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„Gute alte oder gute neue Zeit?“

Die "Schtuobiaßar" erzählten Geschichten aus alter Zeit.
Die "Schtuobiaßar" erzählten Geschichten aus alter Zeit.
Diese Frage stellten sich die „Schtuobißar“ bei der alljährlichen „Jasserrunde“ in Andelsbuch.
"Schtuobißar" begeisterten das Publikum

Andelsbuch. (ak) Am vergangenen Samstag gestaltete die Seniorentheatergruppe „Schtuobießar Andelsbuch“ im Rathaussaal in Andelsbuch einen Nachmittag ganz im Zeichen der Menschlichkeit. Wie jedes Jahr um diese Zeit, luden die betagten Schauspieler und Schauspielerinnen unter ihrem Regisseur Stefan Pohl zur „Jasserrunde“ ein. Jedoch gespielt wurde nicht mit Karten, sondern mit Geschichten.

Über 700 Jahre

Seit 2009 begeistern die „Schtuobießar“, die gemeinsam mehr als 700 Jahre auf die Bühne bringen, ihr Publikum mit persönlichen Erlebnissen. Katharina Greber aus Andelsbuch, die Initiatorin der Gruppe, war es von Anfang an wichtig, wahre Begebenheiten aus dem Leben zu erzählen: „Ich hatte früher nicht die Möglichkeit, Theater zu spielen“, so die über 80ig-Jährige. „Dies hole ich jetzt nach. Mit unseren Geschichten möchten wir den Besuchern die damaligen Verhältnisse schildern und aufzeigen, wie gut wir es heute eigentlich haben.“

Kriegserlebnisse

Vor rund 120 aufmerksamen Zuschauern wurden diesmal in offenen und ehrlichen Worten abenteuerliche, tragische aber auch humorvolle Geschichten aus dem 2. Weltkrieg vorgetragen. Katharina Greber konnte sich noch gut an jenen Moment erinnern, als ihre Mutter bei Kriegsbeginn zu weinen begann und sie ihrem Bruder Lebewohl sagen musste. Hans-Peter Steurer aus Langenegg (88 Jahre) schilderte anhand genauer Datumsangaben seine Reise per Eisenbahn ins 3000 Kilometer entfernte Taganrog am Schwarzen Meer und den anschließenden, 800 Kilometer langen Fußmarsch an die Front. Weiters erinnerte er sich an seine Inhaftierung in Italien und schlussendlich an die langersehnte Heimkehr.

Neue Heimat

Ihre Heimat hingegen für immer verlassen musste Sylvia Tamerl aus Doren, die 1940 als Fünfjährige gemeinsam mit ihrer Familie Rumänien verlassen musste und unter dem Motto „Heim ins Reich“ eingebürgert wurde. Über Umwege und einen krankheitsbedingten Aufenthalt in der Lungenheilstätte Gaisbühel bei Bludesch fand sie bei Freunden in Egg eine neue Heimat. „Wir wurden in Egg sehr freundlich und hilfsbereit aufgenommen und ich durfte mich das erste Mal so richtig daheim fühlen. Noch heute bin ich den Menschen dankbar“.

Rettende Eisscholle

Ebenfalls von zu Hause fliehen musste die aus Ostpreußen stammende Anni Fenkart aus Bregenz. Die heute 85jährige schilderte mit zitternder Stimme ihre Flucht über das zugefrorene Haff bei Königsberg an der Ostsee – unter andauerndem Beschuss durch die Russen – und ihr glückliches Überleben, durch eine rettende Eisscholle. Was zur selben Zeit in Andelsbuch geschah erzählte Irmgard Von der Thannen, deren Vater fast alle Wiesen im Ort bewirtschaften musste. Franz Kohler und Georg Berlinger waren zu jener Zeit als „Pfisterbuaba“ auf der Alpe und sie erzählten, wie täglich über ihren Köpfen die Bomber nach Innsbruck donnerten.

Bereicherung

Unterstützung erhielten die „Schtuobießar“ von Wilma Fink, die für die musikalische Umrahmung sorgte sowie von Stefan Pohl, einem jungen Schauspieler, der die Leitung der Gruppe vor einem Jahr ehrenamtlich übernommen hatte: „die Schtuobißar sind für mich eine große Bereicherung und sie geben mir Gelegenheit nachzuholen, was ich bei meinen Großeltern versäumt habe“, so Pohl. „Die Zeit vergeht und mir ihr auch die Geschichten. Auf der Bühne können wir diese weitererzählen und andere motivieren, dasselbe zu tun.“

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