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„Es lebe das Laster“

Der mittlerweile 68-jährige Schlagerstar Udo Jürgens hat gestern, Donnerstag, in der Wiener Eden-Bar seine brandneue CD präsentiert. „Es lebe das Laster“ heißt sie.

15 neue – meist heitere aber auch bissig kritische – Lieder über Genuss, Lebensfreude, Macht, Liebe und das neue Selbstverständnis von Männern und Frauen sind auf der CD zu hören. „Ich habe noch nie eine Platte gemacht, auf der so viel von meiner Person und meinen Einstellungen zum Leben in die Musik eingeflossen ist“, sagte Jürgens zur APA.´

In mitreißender Spiellaune präsentierte Jürgens gestern Abend sich selbst und seine neue Einspielung, die er keinesfalls als Aufforderung zu einem unmäßigen und ausschweifenden Leben oder gar dem Konsum von Drogen jeder Art verstanden wissen will, sondern als Appell an das Genießen im Hier und Jetzt. „Bürgerliche Moralvorstellungen setzten uns Grenzen, die wir öfter übergehen sollten“, sagte der blendend aussehende Sänger aus Kärnten mit Weinglas und Zigarette in der Hand. In dem Lied „Weichei“ belächelt Jürgens die „neuen Männer“ und nennt sie „die im Dunklen Liebe-Macher, die Draussen-Raucher, die heimlich Porno-Schauer und Talkshowgucker“. Im Gespräch mit der APA sagte der weltweit erfolgreiche und mit sämtlichen Auszeichnungen seines Genres geehrte Musiker: „Ich glaube, dass der heutige Mann aufpassen muss, nicht zum mehr oder weniger überflüssigen Anhängsel der Frauen zu werden. Ich weiß, früher war es ungerechterweise umgekehrt. Aber heute ist es Zeit für die Männer wieder Flagge zu zeigen.“

Auch die einfachen klaren Balladen und Liebeslieder fehlen nicht auf „Es lebe das Laster“: Im Duett mit der jungen deutschen Sängerin Kerstin Ibald – sie ist zur Zeit im Theater an der Wien zu hören – hat Jürgens das Duett „Alle Macht den Gefühlen“ aufgenommen. Besonders geradlinig gelangen „Die Leichtigkeit des Seins“ und „Engel einer Nacht“, in dem Jürgens klar zu stellen versucht, dass eine kurze Beziehung nicht unbedingt oberflächlich sein muss.

Musikalisch steht die neue Jürgens-CD in der Tradition des anspruchsvollen Schlagers mit rockiger Instrumentierung, wenig kitschigen und meist geschmackvollen Arrangements. So gesehen nichts Neues von Jürgens, dessen Affinität zum Jazz und dessen Variationsmöglichkeiten wohl einer der Gründe sein könnte, warum er nunmehr gut 800 Lieder auf hohem kompositorischen Niveau zu Stande gebracht hat. Viele davon sind Welthits geworden, obwohl – oder gerade weil – Jürgens einfaches musikalisches Material stets melodisch geschickt arrangiert und variiert, ohne je durch harmonische Erweiterungen sein Massenpublikum überfordert zu haben. „Dennoch, es zieht mich zum Jazz zurück. Vielleicht wird meine nächste Platte ein Trio mit Bass und Schlagzeug, aber ich habe ja noch so viel Zeit“, erzählte der Auslandsösterreicher augenzwinkernd.

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