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„Er ging mit dem Messer auf mich los!“

Sarah* (Name von der Redaktion geändert) hat den Schritt mit ihren vier Kindern gewagt und ist vor ihrem gewalttätigen Mann geflohen.
Sarah* (Name von der Redaktion geändert) hat den Schritt mit ihren vier Kindern gewagt und ist vor ihrem gewalttätigen Mann geflohen. ©MiK
 Sarah* (29) flüchtete mit ihren vier Kindern vor ihrem gewalttätigen Ehemann aus Kassel zurück in ihre Heimat Vorarlberg. Im Interview mit W&W erzählt sie von den Übergriffen und den nicht enden wollenden Problemen.

WANN & WO: Du bist im Februar 2011 mit deinen zwei ältesten Kindern von Vorarlberg nach Kassel gezogen. Weshalb?

Sarah: Mein Mann und seine Familie stammen aus Kassel. Im Sommer 2009 lernten wir uns kennen, ein Jahr später heirateten wir und 2011 bekamen wir unser erstes gemeinsames Kind – die Liebe führte mich also weg. Zu Beginn war alles perfekt, bis sich das dann Anfang 2012 änderte …

WANN & WO: Was passierte dann?

Sarah: Mein Mann kam mit den falschen Menschen in Kontakt, flüchtete sich aufgrund anderer Probleme wie z.B. seiner Arbeitslosigkeit in Alkohol und Drogen.

WANN & WO: Wie äußerte sich das dir gegenüber?

Sarah: Er wurde aggressiv und ging mit einem Messer auf mich los. Mein ältester Sohn, der mittlerweile elf Jahre alt ist, ging dazwischen. Es führte soweit, dass die Polizei kam und ihn abführen musste.

WANN & WO: Wurde er auch gegen die Kinder handgreiflich?

Sarah: Nein, zum Glück ließ er sie immer aus dem Spiel. Die zwei Ältes­ten haben natürlich trotzdem mitbekommen, was passiert und hatten auch große Angst um mich.

WANN & WO: Wie ging es anschließend weiter?

Sarah: Da ich zudem Zeitpunkt wieder schwanger war, versuchten wir es wieder hinzubiegen. Anfangs klappte dies auch ganz gut. Bis es leider wieder zu einem Vorfall kam, bei dem die Polizei einschreiten musste. Trotzdem ist man gutgläubig, sieht alles durch die rosarote Brille und baut sich eine heile Welt. Ich blendete einfach all das Schlechte aus – alleine schon wegen den Kindern.

WANN & WO: Das heißt, du bist auch danach weiterhin bei ihm geblieben?

Sarah: Ja, bis es vor drei Wochen zu einem erneuten Zwischenfall kam. Ich wollte seinen Aggressionen aus dem Weg gehen und schloss mich mit meinen Kindern im Schlafzimmer ein. Er trat sogar die Türe ein. Als ich mit der Polizei gedroht habe, ist er dann gegangen. Danach war einfach fertig!

WANN & WO: Wie hast du dich aus dieser Situation befreit?

Sarah: Mein Bruder sagte, dass es so nicht weitergehen kann und zu gefährlich ist. Er holte mich mit samt den Kindern ab und brachte mich nach Vorarlberg, wo ich momentan mit ihm, seiner Familie und meinen Kindern in einer Drei-Zimmer-Wohnung lebe.

WANN & WO: Hat zuvor nie jemand etwas davon mitbekommen? Die Eltern deines Mannes, Nachbarn, Freunde, …

Sarah: Mitbekommen haben es viele, doch die Hilfe blieb aus. Die einzigen, die sich eingemischt haben, waren seine Eltern. Diese haben versucht, dass wir zusammen bleiben, wollten, dass er eine Therapie macht. Allerdings sträubte er sich dagegen. Mit ihnen habe ich jetzt immer noch Kontakt. Auch die Polizei hat mich zum Glück immer ernst genommen.

WANN & WO: Bist du im Nachhinein froh, dass du gegangen bist? Oder sind noch Gefühle im Spiel?

Sarah: Ich bin schweren Herzens gegangen. Man hängt an der Person, denn man hat wirklich alles versucht. Mein Bruder hat mir die Augen geöffnet, ich konnte mittlerweile einen Schlussstrich ziehen.

WANN & WO: Wie geht es dir in deiner jetzigen Situation?

Sarah: Einerseits bin ich erleichtert in Vorarlberg zu sein, andererseits ist noch kein Ende der Probleme in Sicht. Die Schule in Kassel drohte mit einer Anzeige, da die beiden Ältesten momentan nicht am Unterricht teilnehmen. Hier können sie nicht zur Schule gehen, da es noch nicht möglich war, den Hauptwohnsitz umzumelden. Eine Wohnung habe ich bis jetzt noch keine gefunden, da es mit vier Kindern und der finanziellen Abhängigkeit vom Amt sehr schwierig ist. In den Frauennot-, sowie Krisenwohnungen ist leider kein Platz. In der Wohnung meines Bruders kann ich mich nicht melden, da diese von der Vogewosi ist.

WANN & WO: Was wünscht du dir für die Zukunft?

Sarah: Ich freue mich auf einen Neuanfang, hoffe dass ich eine Wohnung finde, finanziell alles in den Griff bekomme, die Kinder wieder in die Schule gehen können und Freunde finden. Ich kann jeder Frau, die Opfer häuslicher Gewalt wird, nur raten, gleich nach dem ersten Vorfall zu gehen.

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