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„Drogenbaron“ vor Gericht

Vor einem Salzburger Schöffengericht begann am Montag der für zwei Wochen anberaumte Prozesses um den Salzburger Drogenbaron Franz H. und weitere vier Angeklagten.

Die Verteidiger erklärten, dass sich ihre fünf Mandanten unschuldig bekannten.

Der Hauptangeklagte Franz H. soll seit 1983 rund 30 Kilo Heroin und Kokain sowie andere Drogen im Wert von angeblich drei Millionen Euro in Umlauf gebracht haben. Außerdem wirft ihm die Anklage vor, rund 3.000 Euro an Sozialhilfe erschlichen zu haben. Seine Freundin soll sogar über 70.000 Euro Sozialhilfe ergaunert haben.

Der Drogenbaron, der in einer Luxusvilla in Neumarkt am Wallersee gewohnt hatte, wurde im Sommer 2001 verhaftet und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Die vier weiteren Beschuldigten, zwei Männer und zwei Frauen, befanden sich bis zur Verhandlung auf freiem Fuß. Bis Ende nächster Woche sollen 45 Zeugen einvernommen.

Damit sich die fünf Angeklagten nicht miteinander absprechen können, beantragte Staatsanwalt Posch die gesonderte Einvernahme und ein Besuchsverbots des Franz Josef H. Am Nachmittag standen nur die Freundin des Hauptbeschuldigten, die 48-jährige schwer Krebs kranke Liane St. und deren Tochter Natascha S. (26) vor dem Schöffengericht. Vorgesehen ist, dass ab morgen, Dienstag, 9.00 Uhr der angeklagte Herbert Sch. (53) an der Reihe ist.

Zu Prozessbeginn warf der Staatsanwalt den Angeklagten bandenmäßigen Drogenhandel vor, der Stiefsohn des Hauptangeklagten, Mario H. (22) soll das Vergehen der Geldwäscherei begangen haben. Liane St. soll laut Anklage unter Mithilfe ihrer Tochter Natascha und dem Oberösterreicher Herbert Sch. seit den Achtzigern Drogen in Umlauf gebracht haben, darunter auch an die Salzburger Prominente Ursula L. Der Hauptangeklagte, Franz H., der bereits acht Mal verurteilt worden war, habe dabei hauptsächlich im Hintergrund die Fäden gezogen. Er wäre schon lange in der Drogenszene beschäftigt, hätte sich aber durch Verbindungen zur Polizeibehörde einer Strafverfolgung entziehen können. Derzeit laufe dazu eine Untersuchung im Innenministerium.

„Ich habe nie Drogen an Ursula L. weiter gegeben“, beteuerte die 26-jährige Telefonistin Natascha S. Sie sei unschuldig und habe die Zeugin auch nicht zu Zahlungen genötigt. Sie habe drei der insgesamt fünf Pkws (unter anderem einen Mercedes und Voyager) auf den Namen von Bekannten anmelden lassen, da ihre Mutter ja Sozialhilfe empfangen habe. Die Angestellte erläuterte dem Gericht genau, wie sie zu Geld für die Autos gekommen sei: Ihre Verwandten hätten ihr Beträge geschenkt.

Ihre 48-jährige Mutter Liana St. erklärte bei ihrer Einvernahme, dass gegen sie eine Verschwörung laufe. In den vergangenen acht Jahren habe ihre Tochter alle finanziellen Angelegenheiten geregelt. Sie sei dazu nicht mehr in der Lage gewesen. Die Beschuldigte bestätigte, dass das Geld für den Autokauf von Verwandten gekommen sei. Sie habe nicht mit Drogen gehandelt und auch nicht Frau L. gedroht, ihre Kinder zu entführen.

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