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„Die Menschen sind für die Todesstrafe“

Indien: Die Bevölkerung fordert härtere Strafe für Vergewaltiger.
Indien: Die Bevölkerung fordert härtere Strafe für Vergewaltiger. ©AP
Bizau, Mumbai - Gestern ging der Prozess um die Vergewaltiger einer Schweizerin in Indien weiter. Martin Gmeiner aus Bizau ist mit einer Inderin verheiratet und lebt seit drei Jahren in Mumbai. Im W&W-Interview spricht er über die indische Presse, die Mentalität und die fehlende Zivilcourage.
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WANN & WO: Im Dezember wurde eine Studentin von sechs Männern vergewaltigt – sie starb einige Tage darauf. Wie hast du von diesem Ereignis erfahren?

Martin Gmeiner: Wir bekamen das via Facebook mit. Vergewaltigungen und Gewalt gegenüber Frauen sind in Indien normal und gehören zum Alltag, darum wird auch in der Zeitung kaum darüber berichtet – eine Vergewaltigung ist keine Schlagzeile wert. Im Fall der Studentin in Delhi waren es die zahlreichen jungen Menschen, die auf die Straße gingen, um zu protestieren, da die Politiker der Studentin und ihrem Freund die Schuld an dem Vorfall gaben – erst dann nahm sich die Presse der Vergewaltigung an.

WANN & WO: Nach diesem Ereignis haben sich die Meldungen über Vergewaltigungen gehäuft, auf was führst du das zurück?

Martin Gmeiner: Die Vergewaltigungen häufen sich nicht, sondern vielmehr die medialen Berichte darüber. Ich glaube, das, was wir durch die Presse erfahren, ist nur die Spitze des Eisbergs.

WANN & WO: Wie würdest du die indische Mentalität beschreiben?

Martin Gmeiner: Ich würde sagen egoistisch oder eigennützig, familienbezogen und sehr religiös. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt immer noch nach den Regeln des Kastensystems, das offiziell eigentlich abgeschafft ist. Das Zeigen von Zuneigung in der Öffentlichkeit ist verpönt und wird bestraft – im TV sind Kuss- und Sexszenen zensiert, die Schule klärt kaum auf und für die meisten indischen Eltern sind die Themen Sex und Liebe tabu. Zu Hause wird auch nicht über mögliche Vergewaltigungen gesprochen oder wie sich die Töchter schützen können.

WANN & WO: Erst vor rund zwei Wochen wurde eine Schweizerin von mehreren Männern vergewaltigt – die örtliche Polizei gab den Touristen die Schuld. Hast du das Ganze verfolgt?

Martin Gmeiner: Die Aussagen der Behörden spalteten sich – der Vorfall ist wahnsinnig tragisch. Zu spekulieren, wer nun Schuld hat, finde ich unpassend – es ist passiert und ging um die Welt.

WANN & WO: Die Schweizerin ist gegen die Todesstrafe ihrer Peiniger – was sagst du zu diesem Statement?

Martin Gmeiner: Die Frage kann ich nicht beantworten. Die Frau hat aber meinen vollsten Respekt!

WANN & WO: Wie stehen Inder zur Todesstrafe im Allgemeinen?

Martin Gmeiner: Die Todesstrafe gehört in Indien schon lange dazu und wird auch von vielen Menschen befürwortet. Das habe ich auch in den vielen Kommentaren zu den Vergewaltigungsberichten gelesen, viele sind dafür, dass die Täter gehängt werden.

WANN & WO: Hast du selbst schon einmal Gewalt auf indischen Straßen erlebt?

Martin Gmeiner: Ja, das habe ich – Gewalt hat jeder meiner Freunde in irgendeiner Art schon erlebt. Dennoch fühle ich mich auf den Straßen dieser Metropole sicher. Nachts alleine auf der Straße zu sein, sollte jedoch vermieden werden. Für meine Frau und ihre Freundinnen ist es ganz normal, dass sie von Männern auf der Straße angestarrt, absichtlich angerempelt und dann begrapscht werden. Sie kennen es nicht anders.

WANN & WO: Wie sieht es mit der Zivilcourage in Indien aus?

Martin Gmeiner: Die gibt es nicht. Hier in Mumbai kann man auf der Straße in einem Gewaltfall keine Hilfe erwarten. Die Polizei ist korrupt und da kann es auch vorkommen, dass der Helfende sogleich beschuldigt wird, somit will sich niemand die Hände schmutzig machen. Es wird einfach weggeschaut.

Kommentar:

Hass, Wut und Trauer
Die Vergewaltungs-Vorfälle, die derzeit in Indien öffentlich werden, erfüllen mich mit Hass, Wut und Trauer. Ich habe zwei Monate in einem indischen Dorf gelebt und weiß, wie aufdringlich Männerblicke sind, besonders wenn man Weiß ist oder sich nicht „der Kultur entsprechend“ kleidet. Meine Freundin wurde während einer Busfahrt von einem Mann sexuell belästigt – nach den ganzen Vorfällen können wir eigentlich von Glück sprechen, dass uns der Busfahrer damals geholfen hat und die Menschen nicht weggesehen haben! Ich hoffe, die Peiniger der 23-jährigen Studentin und die der Schweizerin bekommen eine angemessene Strafe! Der tragische Tod dieser jungen Frau wird in Indien hoffentlich zu einem Umdenkprozess führen, denn Vergewaltigung ist ein Verbrechen und nicht ein Grund, um zu schweigen und wegzuschauen! Lisa Schmidinger, Redakteurin
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