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„Der Frankenkurs wird weiter hoch bleiben“

Den Anlegern empfiehlt Merino, breit aufgestellt zu sein und auf Vermögenserhalt zu setzen.
Den Anlegern empfiehlt Merino, breit aufgestellt zu sein und auf Vermögenserhalt zu setzen. ©EPA
Schwarzach (VN-ee) - Heute Zinsentscheid der Schweizer Nationalbank – Wechselkursgrenze dürfte bleiben.

„Ich erwarte, dass die Schweizer Nationalbank, die heute ihren Zinsentscheid treffen wird, sowohl die Zinsen als auch die Wechselkursgrenze des Frankens unverändert lassen wird.“ So zu den VN Dr. Sandro Merino, Leiter der Finanzanalyse in Europa bei der UBS AG in Zürich. Der Experte glaubt, dass auch in den kommenden Monaten der Franken stark bleiben wird (1,22 bis 1,25). Längerfristig hängt die Entwicklung stark von den Maßnahmen der Regierungschefs der Eurozone ab. Merino rechnet aber damit, dass die Untergrenze von 1,20 gehalten werden kann. Käme es zu Austritten stark verschuldeter Staaten aus der Eurozone, könnte der Franken nach Turbulenzen sogar Richtung 1,40 gegenüber dem Euro schwächer werden. Bei einer Fiskalunion würde der Franken eher stärker bleiben, würde aber auch in diesem Fall die Grenze von 1,20 nicht unterschreiten.

Euro bleibt Wertspeicher

„Wir glauben nicht, dass für einen Sparer in Deutschland oder in Österreich ein Szenario bevorsteht, in welchem der Euro als Wertspeicher unter Druck gerät.“ So als Gast in der VN-Redaktion Dr. Sandro Merino (47), Leiter der Finanzanalyse Europa in der UBS in Zürich. Und weiter: „Die Bewahrung der Geldwertstabilität ist ein derart hoher Wert für Deutschland, dass man hier Konzessionen, wenn überhaupt, nur sehr vorsichtig machen würde. Der US-Dollar hat auch fundamental an Stärke verloren, und deswegen glauben wir nicht, dass er kurzfristig signifikant stärker gegenüber dem Euro wird. Auf ein, zwei Jahre betrachtet glauben wir sogar, dass wir wieder einen Wechselkurs von über 1,40 sehen.“

Hoffnung bei Schwellenländern

Zurückhaltend ist Merino, was die Konjunkturerwartungen für 2012 betrifft, denn er meint: „Wir werden nicht in eine sehr tiefe globale Rezession abstürzen.“ Wenn man die größten Wirtschaftsräume anschaue, also Europa, die USA und die Schwellenländer, dann habe eigentlich nur Europa den Wachstums- pfad verlassen. Dort werde es in starken ­Ländern wie Deutsch- land und Österreich sehr tiefe Wachstumsraten, aber kein negatives Wachstum geben – zumindest nicht über das ganze Jahr hinaus. Die Schweiz dürfte wegen des Gegenwindes durch den hohen Franken tendenziell weniger wachsen als Deutschland und Österreich. Insgesamt sind die Aussichten für die Eurozone aber nicht sehr rosig. Denn europäische Länder mit einer schwächeren Konjunktur, die auch Sparprogramme umsetzen müssen, wie Italien, Spanien und wahrscheinlich Frankreich, könnten teilweise be- trächtliche negative Daten der Wirtschaftsleistung produzieren. Griechenland wird wahrscheinlich auch 2012 weiter stark schrumpfen.

Inflationsentwicklung

Keine dramatische Entwicklung steht uns laut Merino auch bei der Inflation bevor. Was nun die Gesamtinflation betrifft, so ist diese laut Merino seit März/April stark gestiegen. Darin sind aber die Preisschübe für Energie und Nahrungsmittel durch den „Arabischen Frühling“ und die Erdbebenkatastrophe in Japan enthalten. Betrachte man hingegen die „Kerninflation“, in der diese Effekte nicht enthalten sind, so hat diese in der Eurozone und den USA das Ziel der Preisstabilität nicht verlassen. Jüngste Daten zeigten sogar einen recht deutlichen Rückgang der Inflationstendenzen, das gilt auch für China. Merino: „Das ist hilfreich für die globale Konjunktur, weil China, ohne übermäßigen Inflationsdruck befürchten zu müssen, mit Konjunkturprogrammen auf die schwächere Konjunktur regieren kann. Damit kann es die globale Konjunktur etwas stützen.“ Die strukturellen Ursachen der Schuldenkrise sieht Merino in der unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeit der Mitglieder der Eurozone. Wenn nun der Ausgleichsmechanismus über die Währungen fehle, gibt es für Merino zwei Extremmöglichkeiten (bzw. eine Mischung) zur Lösung des Problems: die Einführung neuer Währungen oder Transferzahlungen im Rahmen einer Fiskalunion.

Nicht reif für Fiskalunion

Merino glaubt an eine „Mischlösung“, die sich abzeichnet: einerseits Transferzahlungen in Form der Hilfspakete und andererseits eine teilweise Redimensionierung der Eurozone mit möglichen Austritten von Griechenland und langfristig von Portugal, Spanien und Italien. Aber: „Wir befürchten, dass Europa für eine echte Fiskalunion politisch noch nicht reif ist.“

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