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„Das Fremde ist schön und exakt meins - also das Vertraute“

Barbara Vögel umgeben von ihren Collagen. Foto: Pilo Pichler
Barbara Vögel umgeben von ihren Collagen. Foto: Pilo Pichler ©Karin Lässer, Privat
Barbara Vögel

(kl) Ist es die gute Luft, die wunderschöne Landschaft, die Zufriedenheit der
Menschen oder die Ruhe? Aus dem Bregenzerwald kommen erstaunliche Talente. Zu
ihnen gehört auch die Mellauerin Barbara Vögel, die mit ihren Collagen an der
Sommerausstellung der Landeshauptstadt Bregenz „z’Breagaz“ teilnimmt – noch bis
19. August im Palais Thurn & Taxis.

Barbara kam am 20. Mai 1959 zur Welt und wuchs als Jüngste mit zwei Brüdern und einer
Schwester bei ihren Eltern Maria und Erwin in Mellau auf. Schon als Kind entwickelte
sie großes Interesse an Asien, allem Exotischen generell, Menschen, Sprachen,
Gegenständen, Filmen und eine besondere Obsession für asiatische Schriftzeichen. Von
klein auf zeichnete sie „wahnsinnig viel“. Barbara Vögel erzählt: „Viele Studentinnen aus
Asien und anderen Ländern waren in meinem Elternhaus zu Gast. Ich bin 100-prozentig sicher, dass diese Begegnungen mein weiteres Leben sehr beeinflusst haben. Aber noch mehr die Menschen selbst. Diese brachten kleine, ,exotische‘ Gastgeschenke mit, die
mich komplett bezauberten. Früh, noch bevor ich in die Schule kam, zeichnete
ich mit Hingabe verschiedene dieser Schriftzeichen aus Missionszeitungen und
aus Vaters Briefmarkensammlung ab. Klebte sie zu Collagen zusammen. Logisch,
dass ich alles Asiatische zu sammeln begann. Natürlich nicht die wertvolle
Ming-Vase, sondern Kleinzeug. Später hatte ich Regale in meinem Zimmer, wie in
einem Museum, da standen die Sachen drin und waren genau beschriftet. Und wehe
jemand sagte: oh, eine chinesische Schale, wenn´s doch eine japanische war …
Asiatisches, vor allem Japan, ist auch Thema vieler meiner Collagen.“ Durch die
vielen ausländischen Gäste, die Englisch sprachen, hat Barbara Vögel ein Faible
für diese Sprache, da sie ihr von klein auf vertraut ist. In der Schule liebte
sie Geographie, Geschichte, Englisch, Deutsch, Zeichnen, Kochen und hasste
Mathe. Wie eine Jägerin war sie hinter Zeitschriften her, schnitt
leidenschaftlich Bilder von SchauspielerInnen aus, vor allem sexy Brigitte
Bardot, klebte sie in Hefte und machte Collagen daraus. Die Pubertät erlebte
sie als „schöne, schreckliche, wilde, bewegende und spannende Zeit. Ein nicht
endendes lautes Krachen und eine Detonation auf die nächste. Am Ende: kein
Stein mehr auf dem anderen, dafür endlich: freier Blick auf die Weltkugel“. Mit
ihren sechs „ganz dicken“ Freundinnen ging sie leidenschaftlich gern in die
„Tenne“, Zusammen hörten sie die „Stones“, Janis Joplin, Ike & Tina Turner
und diskutierten viel.

Völkerkunde generell – speziell aber die Geschichte der Indianer Nordamerikas, die ja aus Asien einwanderten und endlich deren Aufbegehren aus Unterdrückung und Willkür in der
Gegenwart interessier(t)en sie sehr. „Über meine Schwester in Berlin, gelangte ich an kritische und von verschiedenen Stämmen herausgegebene Zeitschriften und war mit einigen Stammes-Organisationen in Kontakt. Gar nicht so einfach, weil es damals weder Fax und schon gar kein Internet gegeben hat“, erläutert die Künstlerin. „Ich unternahm sehr viel mit meinen FreundInnen, aber noch mehr mit mir allein. So konnte ich konsequent meinen Interessen folgen.“ 1972 begann sie Tagebuch zu schreiben und dies wurde zu einer Konstante in ihrem Leben. Nie ist sie ohne Heft unterwegs, schreibt jetzt bald 40 Jahre und hat über 500 dieser „Logbücher“, wie sie es nennt, daheim. „Ich schreibe nicht nur in die Hefte, sondern klebe alles Mögliche hinein. Einkaufslisten, Fundstücke, Bilder aus
Zeitschriften, und natürlich alles, was beim Reisen „so anfällt“. Seit jeher aber auch kleine Collagen. Heute läuft dies unter dem Begriff „scrap-book.“

Arbeit, Arbeit …

Nach ihrem Lehrabschluss zur Kauffrau – ihr Berufswunsch war eigentlich
Kriminalbeamtin – und  logische Folgerung durch ihre Vorgeschichte – durchstreifte Barbara ein halbes Jahr als Au-pair Paris.  Nach einem schönen Alpsommer bei
einer Familie in Bezau zog es sie im Herbst 1978 nach Wien. Dort arbeitete sie in sehr unterschiedlichen Sparten, stand etwa bei Wolfgang Ambros erster „Watzmann“-Tournee als „Bäuerin“ auf der Bühne. Ab 1986 durchgehend beim Film, zuerst als
Produktionsassistentin, anschließend acht Jahre lang als casting-director für die Dor-Film,(mehr dazu auf www.barbara-voegel.com). Sie unternahm etliche Reisen nach Asien. Damals noch „privat“ immer wieder Arbeit an verschiedenen Collagen. „2003 hatte ich
kaum noch Platz für fremde (Casting)-Gesichter in meinem Kopf und nahm Spuren-
und Fährtensuche(n) in eigener Sache wieder auf. Collagen brachen buchstäblich
aus mir heraus, innerhalb kurzer Zeit entstanden über hundert Arbeiten, wie immer ausschließlich aus bereits gesammelten Fundstücken und tief in der Nacht“, so die Künstlerin. „In diesem Jahr verkaufte ich die erste Collage. Und ich wollte endlich ins Eis – hinauf nach Grönland. Die Inuit sind ja auch von Asien her in den Norden eingewandert, „Nordmongolen“ wurden sie genannt“. Sie verwirklichte ihre Eis-Visionen am 30. Mai 2004 mit dem Aufbruch nach Grönland, wo sie drei Monate in einem Hotel arbeitete. Die Eindrücke, die sie neben viel Gesammelten mit nach Hause nahm, waren „Himmel & Hölle zugleich“. Sehr freundliche Menschen, eine kaum erlernbare Sprache, spannende Begegnungen und wilde Fahrten per Boot „ins Eis“. „Es ist unbeschreiblich, plötzlich die
Eisberge zu sehen – diese beeindruckenden, gigantischen Eiskathedralen – da hat
mein Herz schon laut geklopft!“ Begegnungen mit Seehunden und Walen – und
schreckliche Minuten im eiskalten Wasser mit glücklicher Rettung durch einen
Arktis-Jäger!

Zurück in Wien entstanden viele neuen Collagen, mit viel Grönland-Themen, aber auch
die Bilderserie„short pornos“. Verkauf etlicher Bilder im In- und Ausland. 2005 nach dem Tod ihres Bruders Wolfgang ein längerer Aufenthalt bei den Eltern in Mellau. Zurück in Wien volle Konzentration auf die Arbeit und Beginn der ersten Ausstellungen mit viel
Erfolg.

Inspiration

Barbara Vögel verwendet für ihre Collagen ausschließlich Gefundenes. Fundstücke in ihrem reinsten „Rohzustand“, nicht verändert, nicht gewaschen, nicht beschnitten, nicht
gefaltet. „Sie brauchen keine Manipulierungen dieser Art, tragen Geschichte ja
schon in sich.  In stillen Wiener Großstadtnächten werden daraus Bildkompositionen, die neue Geschichten erzählen. Papierfetzen werden zu Eisbär und Eisschollen, Papierflieger zu
Indianerzelten, Japanerinnen in Kimonos faszinieren. „Kreativ sein war und ist immer der größte Teil von mir, fast logisch, dass ich mich dahingehend einfach immer weiterentwickelt habe. Und immer noch dabei bin. Als ,Quereinsteigerin‘ auf  dem Kunstmarkt freue ich mich sehr über den Ankauf zahlreicher Collagen durch das ESSL-Museum in Klosterneuburg,
nachdem ich mit 15 anderen KünstlerInnen dort drei Monate in einer großen Ausstellung vertreten war“, so die Künstlerin.

Was noch bleibt sind neue Träume: Eine Reise und ein längerer Aufenthalt beim Blackfeet-Indianerstamm in Montana. Und Japan.

Zur Person

Geboren: 20. Mai 1959 in Mellau

Ausbildung: 9 Schuljahre, Lehre zur Kauffrau

Familienstand: heiraten und Kinderkriegen entspannt ausgelassen

Freut sich über: das nächste Flugticket nach Markokko oder sonst wohin, Reise zu den Indianern, stille Nächte beim Collagen-machen mitten in der Großstadt Wien und wenn wieder eine fertig ist, lange dasitzen und betrachten

Mag nicht: Intoleranz und Kleinkarriertheit, Fremdenhass, jeglichen Fundamentalismus

Wünscht sich: keinen Krieg mehr, das nicht ein einziger Mensch auf
der Welt mehr verhungert, viele ihrer Collagen an fremden Wänden

Weitere Infos: www.barbara-voegel.com

Ausstellungen (Auszug)

2012 – Palais Thurn & Taxis, Bregenz: „z’Breagaz“, Werke von
Künstlerinnen und Künstlern aus dem Bregenzerwald

2011 – Laternenmastbestrickung „KnitHerStory“  vor dem Burgtheater, Wien: Wolle-Fundstücke-Collage, in Kooperation mit Martina List und Kati Krusche

2010 – Wien: Gruppenausstellung „Wir leben und arbeiten in Wien“

2009 – ESSL-Museum, Klosterneuburg: „FundstückeVon2Seiten. Schal.“ Im Doppel mit Tamara Dakura, einer jungen behinderten Frau

2008/09 – ESSL-Museum, Klosterneuburg: „AUSTRIAconTEMPORARY“ im
Rahmen der Ausstellungsreihe „Emerging Artists“

2008 – Mican-Film: „Short Pornos“ – Einzelausstellung

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