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„Biolandwirtschaft“?

Kühe lassen sich nicht nur das frische Gras schmecken.
Kühe lassen sich nicht nur das frische Gras schmecken. ©Catherine Muther
Vor wenigen Tagen war ich zu Gast bei Irene und Wilhelm Schneller. Sie wohnen in Brunnenfeld und führen dort einen Bio-Hof. An einem großen Holztisch, im Schatten eines knorrigen Baumes hinter dem großen Stall haben wir es uns gemütlich gemacht. Gemeinsam erzählen sie mir von der Arbeit am Hof und was hinter dem Wort BIO steckt.

„Eigentlich wollte ich nie Bäuerin werden“, sagt Irene Schneller. Aber dann hat sie den Wilhelm getroffen und es kam anders als geplant. Gott sei Dank, denn der Hof der beiden ist ein richtiges Juwel mitten im kleinen Ortsteil von Bludenz. Den Eingang zieren bunte Blumen der unterschiedlichsten Art. Der Sitzplatz hinter dem Haus lädt zum gemütlichen Beisammensein während sich im angrenzenden Feld fünf Kälbchen um das frische Heu streiten. Aber wer denkt, dass es hier immer so ruhig und beschaulich ist, der kennt die anstrengende Arbeit der Bauern zu wenig.

 

Melkzeiten

„Morgens um sechs werden die Kühe gemolken. Dann reinige ich den Stall und die Geräte. Anschließend verarbeite ich einen Teil unserer Milch zu Joghurt, Frischkäse, Sauerrahm, Topfen oder Molke. Die restliche Milch verkaufen wir ab Hof oder an V-Milch“, beschreibt Irene die tägliche Routine. Wochentags ist die Hausfrau und Mutter von vier Kindern für diese Dinge zuständig, während Wilhelm Schneller seinem Beruf als Hauptschullehrer nachgeht.

 

Abends und an den freien Tagen erledigen sie die anstehenden Aufgaben gemeinsam, wobei Wilhelm für die schwere körperliche Arbeit zuständig ist. Dazu zählt beispielsweise das Misten oder das Schroten. Beim Schroten wird das Heu aus dem Heustock von Hand zerkleinert, damit es mit der Gabel entnommen werden kann. „Am Hof ist vieles Handarbeit und Viehhaltung ist besonders arbeitsintensiv.“

 

Kleinbetrieb

Um von dem Hof leben zu können, ist der Betrieb zu klein. Obwohl klein nicht ganz das richtige Wort ist, denn die Schnellers bewirtschaften insgesamt 10 ha, davon 6,5 ha mehrmädiges Grünland. Sie halten 15 Stück Vieh, pflanzen Obst und Gemüse zum Eigenverbrauch an und brennen einen eigenen Schnaps. „Das alles wäre ohne die Hilfe meiner Frau gar nicht möglich gewesen“, erzählt Wilhelm, der den Hof mit 19 Jahren von seiner Mutter übernommen hat.

 

BIO

Dass der Betrieb ein richtiger BIO-Hof geworden ist, liegt an der klaren Haltung der Familie Schneller im Umgang mit ihren Ressourcen. „Mineraldünger werden auf Basis von Erdöl hergestellt. Ein Kilo Kunstdünger verbraucht vier Liter Öl, das ist für mich ökologisch nicht vertretbar“, erläutert Wilhelm. Aber was genau steckt den hinter dem Wort BIO? „Wir dürfen nur kontrollierte, zertifizierte Getreidemischungen füttern. Heu und Gras, das die Tiere fressen, ist ohne Kunstdünger gewachsen. Auch Spritzmittel dürfen wir nicht verwenden. Ausnahmslos organische Dünger sind Jauche, Gülle oder Kompost.“

 

Frisch vom Hof

Wichtig ist den Schnellers auch das Prinzip der Regionalität. „BIO bedeutet ökologische Produktion, also möglichst umweltschonend. Kurze Transportwege sind Teil dieser Idee. Wir bieten unsere Produkte ab Hof zum Kauf an. So haben wir die Möglichkeit geschaffen, dass unsere Kunden unsere Erzeugnisse nicht nur zu den Stallzeiten abholen können, sondern während des ganzen Tages in Selbstbedienung. Das klappt gut und ist kundenfreundlich“, erzählt Irene. Dass es nicht nur den Menschen gut geht, sondern auch den Tieren, merkt man allen an. Das Vieh wird hier nur wenig Zeit, nämlich zum Melken abgebunden ansonsten hat es Auslauf. Nächste Woche werden die Tiere auf die Alp geführt.

 

Für die Schnellers beginnt dann eine ruhigere Zeit. „Die Alpe tut dem Vieh gut. Die Tiere kommen gestärkt und gesund zurück“, freut sich Wilhelm Schneller, dass es seinen Tieren gut geht. Ob man diesen respektvollen Umgang mit den Tieren den Produkten anmerkt? Dazu muss man einfach einen Schluck der frischen Milch oder das selbstgemachte Joghurt probieren und genießen.

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