„Unmöglich, ohne Blumen zu leben“

Gebhard Bechter (61) und Erika Nägele (63) nehmen heuer bereits zum 19. Mal an der Juryreise teil.

Der metallic-farbene VW-Bus mit großem Logo des Flora Blumen- und Gartenbewerbes ist wieder auf Tour. Mit dabei: die Juroren, vier Männer und eine Frau. Ihre Aufgabe: im  15-Minuten-Takt Gärten und Blumenschmuck begutachten. Und das eine ganze Woche lang, von 7.30 Uhr bis 19 Uhr. Danach sitzen die Jurymitglieder noch zusammen, vergleichen und diskutieren ihre Bewertungen.
Gebhard Bechter (62) aus Kennelbach und Erika Nägele (63) aus Fraxern sind zwei der Jurymitglieder. Beide Blumenliebhaber sind heuer zum 19. Mal mit von der Partie.

Der Pensionist war früher Gärtner. 1991 wechselte er als Referent und Berater in die Landwirtschaftskammer. Dadurch gelangte er in die Kommission des Blumenschmuckbewerbes. Die Pensionistin, Hausfrau und Mutter ist das einzige Jurymitglied, das nicht vom Fach ist. Sie kommt quasi von der anderen Seite: 1990 gewann sie den Landesbewerb. „Deshalb wurde ich dann wohl gefragt“, meint sie.

Teilnehmer verbessern sich
Schon viel haben die beiden in den 19 Jahren erlebt und gesehen. Besonders bemerkenswert sind die Begegnungen mit Teilnehmern, die die Jury auch oft über Jahre hindurch begleitet hat. „Wenn es die Zeit zulässt, geben wir den Leuten Tipps.
Besonders schön ist es, wenn sie dann jedes Jahr besser werden und schließlich gewinnen“, sagt Nägele. Schon so manch wertvolle Freundschaft sei mit Teilnehmern entstanden.
Eigentlich würden die Jurymitglieder ja von den meisten Menschen, deren Häuser sie begutachten, nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. Da die Zeit allerdings drängt, müssen die Fünf die angebotenen Köstlichkeiten gewöhnlicherweise stehen lassen. Doch nicht alle reagieren so positiv auf die Juroren. Als sie in Au etwa ein Haus anschauten, trat die Besitzerin aus der Eingangstüre und fragte barsch: „Was tut ihr hier?“ Die Jurymitglieder antworteten: „Wir sind vom Blumenschmuckwettbewerb. Wir bewerten euer Haus“. „Da mache ich nicht mit!“, bellte die Frau. „Aber ihr seid für den Bewerb angemeldet. Es kostet nichts, tut nicht weh, und Sekt wollen wir auch keinen“, versuchten die Blumenbewerter zu beschwichtigen. „Und sus no an Schilling Azg! An Sekt tät i ü gonz sechar ned gia!“
Bechter und Nägele lächeln beide, als er diese Anekdote zum besten gibt. In Fahrt gekommen, erzählt der Kennelbacher gleich noch eine: „Einmal kamen wir früher als angekündigt zu einem Teilnehmer“, beginnt er. „Der Mann des Hauses stand gerade auf einer Leiter und putzte die Blumen. Er war wohl zu dieser Arbeit verdonnert worden. Als er uns sah, rief er nämlich erleichtert: ‚Gott sei Dank seid ihr hier. Jetzt kann ich endlich aufhören.‘“ Diese Geschichte zeigt auch, dass die Blumenfreunde viel Arbeit in ihren Schmuck und die Gärten investieren. Aber auch die Jury des Blumenschmuckwettbewerbes nimmt einiges auf sich. Ehrenamtlich, wohlbemerkt. „Es ist schon streng“, meint Nägele. Bechter nickt bestätigend. Dennoch freuen sich beide auf die bevorstehende Woche. Die Freundschaft, die zwischen den Jurymitgliedern und sogar deren Partnern im Lauf der Jahre entstanden sei, entschädige nämlich für viel. „Wir sind wie eine Familie“, schwärmt Nägele.

Europas schönstes Dorf
„Ich finde es auch wunderbar, was der Bewerb alles bewirken kann“, bringt Bechter einen anderen Punkt ins Spiel. Die Gemeinde Lech etwa, die beim europäischen Blumenschmuckwettbewerb den Titel „Europas schönstes Dorf“ errang, wäre ohne den Vorarlberger Wettbewerb wohl nie so weit gekommen. „Erst auf unser Drängen und unseren Rat hin begannen die Lecher mit dem Blumenschmuck. Schließlich wurden sie Landessieger und nahmen dann am europäischen Wettkampf teil“, erzählt der ehemalige Gärtner erfreut. Und dann gibt es da noch etwas, das die beiden immer wieder anspornt: Ihre Liebe zu den Blumen. „Ein Leben ohne sie wäre unmöglich“, bringt es die Fraxnerin auf den Punkt.

(Text: Elisabeth Willi)

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