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„Teddy-Affäre“ finden auch viele Muslime beschämend

Die „Teddy-Affäre“ hat nicht nur Menschen im Westen fassungslos gemacht, sondern auch Muslime in aller Welt verärgert.

In arabischen Chat-Foren ist die Kontroverse um die zuerst verurteilte und dann begnadigte britische Lehrerin Gillian Gibbons derzeit Gegenstand hitziger Diskussionen. Dabei sind diejenigen Muslime, die die Aufregung um den Teddy namens Mohammed unsinnig und maßlos übertrieben finden, eindeutig in der Mehrheit. „Die Sudanesen sind rückschrittlich, sie haben uns Muslime der Lächerlichkeit preisgegeben“, schimpft ein Teilnehmer des Forums „Club der Denker“. „Mit so einem Quatsch machen wir uns zum Gespött“, ärgert sich ein anderer „Denker“.

Zwar gibt es auch Muslime, die der Lehrerin vorwerfen, sie habe einen Fehler gemacht, weil sie mit der Namensgebung auf die religiösen Gefühle der Menschen in ihrem Gastland keine Rücksicht genommen habe. Ein „Verbrechen“, das von der Justiz geahndet werden muss, mag darin aber – anders als damals im Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen – fast niemand zu sehen.

An dem Tag, an dem der sudanesische Präsident Omar al Bashir die 54-jährige Pädagogin begnadigt, erscheinen gleich in zwei der wichtigsten arabischen Regionalzeitungen Kommentare, in denen die Führung des Sudans heftig kritisiert wird. Der Kommentator von „Al-Hayat“ wirft der islamistischen Regierung in Khartum „Ignoranz“ vor und behauptet, sie habe die Affäre nur benutzt, um von den eigentlichen Problemen des Landes abzulenken. Auch der Kolumnist der zu einem großen saudischen Verlagshaus gehörenden Tageszeitung „Al-Sharq Al-Awsat“ wertet den Fall als Versuch, die Verhandlungsposition Khartums im Konflikt um die Gewalt in der Region Darfur zu verbessern. Die „Teddy-Affäre“ sei „beschämend, eine Schande und ein Verbrechen gegen die Muslime in aller Welt“, findet er. Das Verbrechen habe nicht die „unschuldige Lehrerin“ verübt, sondern ein „Regime, das die Justiz für seine Zwecke benutzt“.

Auch die Islamgelehrten können sich nicht ernsthaft darüber aufregen, dass eine Frau, die selbst nicht Muslimin ist, ihren Schülern erlaubt hat, einem Spielzeug den Namen des Propheten des Islam zu geben. Sie sind zwar einhellig der Meinung, ein Muslim solle diesen „ehrenvollen Namen“ nicht für einen Teddybären auswählen. Doch erstens betonen sie, nicht nur Mohammed, der für die Muslime „das Siegel der Propheten“ ist, müsse man Respekt entgegenbringen, sondern auch die Namen früherer Propheten wie Ibrahim (Abraham) oder Mussa (Moses) sollten nicht für ein Spielzeug verwendet werden.

Und noch in einem anderen Punkt sind sie sich einig: Der Name Mohammed ist aus ihrer Sicht – anders als der Name Gottes (Allahs) – nicht heilig. „Der Name ’Mohammed’ ist als solcher nicht heilig. Er war in der vorislamischen Zeit der Ignoranz schon bekannt. Außerdem werden Millionen von Muslimen Mohammed genannt, obwohl einige von ihnen sich nicht gemäß der Verantwortung verhalten, die ein derartiger Name beinhaltet“, heißt es beispielsweise in einem bei IslamOnline veröffentlichten Rechtsgutachten von Scheich Abdul Majid Subh, einem Gelehrten der einflussreichen islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo.

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