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„Sehe für die Festspiele noch sehr große Chancen“

Bregenz/VN - David Pountney steht für weitere Jahre in Bregenz mit zahlreichen Ideen und den dafür entsprechenden Künstlern parat.
Ausschreibung war notwendig
Neuer Intendant gesucht

Herr Pountney, die wichtigste Frage zuerst. Die Intendanz in Bregenz musste für die Zeit nach 2013 auf Grund gesetzlicher Vorgaben ausgeschrieben werden. Können wir davon ausgehen, dass Sie sich beworben haben?

David Pountney: Ja, das ist richtig.

Während der Bewerbungsfrist auf diese Frage zu antworten, wäre verständlicherweise schwierig gewesen. Sie meinten, Sie wollten sich alles noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Was hat nun zu diesem Schritt geführt?

David Pountney: Ich denke, wir haben den Festspielen in den letzten sieben Jahren an Bedeutung und Profil dazugegeben. Ich sehe für die Festspiele noch große Chancen. Ich würde es für wichtig erachten, hier kontinuierlich weiterzuarbeiten, um sie noch besser zu positionieren.

Was hat sich im Hinblick auf das Profil, das sie erwähnten, im Besondern erfüllt?

David Pountney: Ich glaube, das Konzept, dem Festival neben dem Spiel auf dem See eine besondere Bedeutung und Stringenz zu geben, das hat sich wirklich in erstaunlicher Weise erfüllt. Das war ein Programm, das wohl kaum ein anderes Festival in Europa gewagt hat. 22 Werke von einem so gut wie unbekannten Komponisten wie Weinberg zu spielen, das war im letzten Jahr nicht nur ein Erfolg, wir haben das Publikum erreicht und die Resonanz des Festivals in Europa und darüber hinaus erhöht. Das war für mich die Erfüllung eines schrittweise von 2004 bis 2010 geplanten Programmes. In diesem Jahr fangen wir eine neue Phase mit den Auftragswerken an.

Die Bregenzer Produktion der Weinberg-Oper „Die Passagierin“ wird in New York, London etc. aufgeführt. Wie war die Resonanz in Warschau, wo sie gerade gezeigt wurde?

David Pountney: Die Thematik ist dort natürlich sehr emotional aufgeladen, dazu kommt, dass wir Polen sozusagen einen zusätzlichen Komponisten zurückgebracht haben. Die Leute sind stolz auf Chopin, Penderecki und Lutoslawski. Dank Bregenz haben sie Weinberg wieder. Ich kann das nur als Außenseiter einschätzen, aber es ist auch ein Kompliment an die Bregenzer Festspiele, dass unser „König Roger“ in Warschau am 1. Juli zum Start der EU-Ratspräsidentschaft läuft.

Die Seebühne steht dennoch im Zentrum der Festspiele. Wie resümieren Sie da die letzten Produktionen?

David Pountney: Die „Aida“-Inszenierung war umstritten, das weiß ich und das finde ich auch positiv. Gerade dieses Schlussbild, wenn dieses Schiff in den Himmel fährt, hat aber etwas absolut Authentisches an diesem Ort. Das kann man nirgendwo sonst sehen und das kann man sich auch nirgendwo sonst vorstellen. Es gab auch andere Momente, die nur in Bregenz zu erleben sind, politische Bildinhalte, die keineswegs beliebig waren, sondern genau auf den Punkt gebracht wurden. Man sucht auf der Seebühne eine Erfahrung, die man sonst nirgendwo haben kann und trotzdem noch ein ernsthaftes künstlerisches Statement.

All das soll sich nun in einer weniger bekannten Oper erfüllen. Wie läuft es mit „André Chénier“?

David Pountney: Irgendwann muss man das Repertoire auf der Seebühne verbreitern, sonst wiederholt man fünf bis sechs Titel und das ist nicht gut. Wir haben den Leuten mit CDs einen musikalischen Vorgeschmack geliefert, die Verkaufsentwicklung ist bislang gut.

Mit „Show Boat“ machen Sie danach, ab 2013, noch einmal einen überraschenden Schwenk in Richtung eines Musicals. Was haben Sie für die Zeit danach vor?

David Pountney: Wenn ich dann in Bregenz weiter arbeite, wird die Seebühne nicht zur Musicalbühne, ich möchte zum Kern des Opernrepertoires zurückführen. Wir hätten es mit „André Chénier“ und „Show Boat“ geschafft, von Verdi und Puccini wegzukommen und haben auf jeden Fall viele weitere Möglichkeiten im Opernrepertoire eröffnet.

„Show Boat“ inszenieren Sie selbst. Danach hätten Sie wieder eine wesentliche Aufgabe eines Bregenzer Intendanten einzunehmen, nämlich geeignete Künstler, Regisseure und Bühnenbildner, für diese Herausforderung zu finden.

David Pountney: Das ist in der Tat keine leichte Wahl. Man braucht große Vorstellungskraft und Begabung, ernste Regieideen und einen gewissen Instinkt für das Showbusiness. Man muss mit dem großen Publikum sprechen und es auch an der Hand nehmen. Jemand der fix verankert ist im intellektuellen Niveau eines subventionierten Theaters ist vielleicht nicht ganz der oder die Richtige.

Sie haben den Kunst aus der Zeit-Teil mit Ihrem Team bzw. einer Mitarbeiterin weiterentwickelt. Der Teil wird aber wohl besonders beweglich bleiben müssen. Was haben Sie vor?

David Pountney: Da wir im Festspielhaus neue Opern machen, wird Kunst aus der Zeit eine neue Farbe erhalten. Die Hinwendung zu neuer Musik und neuen Werken ist aber von großer Wichtigkeit. Das bringt kein Geld ein, ist aber wesentlich. Damit sind wir wirklich Festspiele und kein Spektakel mit einem Rahmenprogramm.

Sie haben gerade in Berlin „Les Troyens“, eine große Oper von Berlioz, inszeniert und arbeiten nun in Leeds am „Porträt“ von Weinberg, das Sie für Bregenz wiederentdeckten. Was bringt das?

David Pountney: Es ist eindeutig, dass meine Präsenz als Regisseur an verschiedenen Bühnen vorteilhaft für die Bregenzer Festspiele ist. Ich bin in Berührung mit dem, was los ist in Europa. Ich glaube, keiner in Bregenz bzw. meiner Mitarbeiter denkt, dass ich nicht an Bregenz denke, wenn ich nicht da bin. Man hat entsprechende technische Mittel.

Fühlen Sie sich ein bisschen als Bregenzer?

David Pountney: Ja, natürlich. Meine Beziehung zu Bregenz begann vor über 20 Jahren, als ich als Regisseur kam. Stabilität ist den Leuten wichtig, aber ich bemerke hier Offenheit für neue Dinge. Man braucht nur das Festspielhaus selbst anzusehen, das beispielsweise ein positives Zeugnis für Kultur abgibt.

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