„Fehlt der Kick, geht fast nichts“

Deutlich mehr Erlebnispädagogik, Elternarbeit und Diagnostik: Mit diesen inhaltlichen Arbeitsschwerpunkten versucht der IfS -Fachbereich Sozialpädagogik, steigende Anforderungen und stagnierendes Budget für seine betreuten Wohngemeinschaften unter einen Hut zu bringen.

„Immer mehr und immer ‚schwierigere’ Jugendliche bei fast gleichbleibendem Budget und Personal.“ So bringt der Koordinator des Fachbereichs Sozialpädagogik beim Institut für Sozialdienste, Helmut Köpf, die Situation in seinem Bereich auf den Punkt. Begleitete die IfS Sozialpädagogik vor sieben Jahren erst 53 Jugendliche auf ihrem „Weg aus dem Abseits“, waren es 2003 bereits 226. „Der Druck ist enorm gestiegen, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Jugendliche bei uns aufzunehmen“, betont Köpf.

Die beiden betreuten Wohngemeinschaften des IfS in Lustenau und Bludenz bieten Platz für maximal 18 Mädchen und Burschen, nur jeweils ein Platz davon ist für Jugendliche in Krisensituationen vorgesehen. Köpf: „Tatsächlich sind allerdings zwei Drittel unserer Aufnahmen krisenbedingt und damit nicht aufschiebbar.“ Wenn die Situation zu Hause eskaliert, muss möglichst rasch ein vorläufiger Platz für das betroffene Kind gefunden werden.

Wartelisten für Jugendliche

Für vorgemerkte Jugendliche gibt es dagegen seit Jänner Wartelisten in den Wohngemeinschaften. „Der starke Zuwachs von Akutaufnahmen hat unsere Ausgangslage deutlich verändert. Jugendliche in der akuten Krise bringen ganz andere Probleme mit sich. Außerdem bleiben sie nur solange, bis abgeklärt ist, welcher Platz für sie weiterhin der beste ist. Das bringt viel Wechsel und Unruhe in die Wohngemeinschaften“, berichtet der Sozialpädagoge.

Gleichzeitig haben sich die Schwierigkeiten der betreuten Jugendlichen verstärkt. „Die Gewaltbereitschaft hat zugenommen, Jugendliche reagieren zunehmend verweigernd und unverbindlicher“, schildert Köpf. Normale pädagogische Arbeitsweisen funktionierten nur noch zum Teil, neue Projektmodelle seien gefordert.

Mehr Erlebnispädagogik

Deshalb wurde das freizeit- und erlebnispädagogische Angebot stark ausgebaut .Diese liefern den „Kick, den sich die Jugendlichen sonst anderswo suchen“.

Elterngruppe gegründet

Intensiviert wurde in der IfS -Sozialpädagogik auch die Arbeit mit Eltern. „Ohne die Eltern geht gar nichts“, weiß Köpf, „Nicht nur der Jugendliche muss sich verändern, sondern auch seine nächsten Bezugspersonen, sonst bleibt unsere Arbeit ein Tropfen auf dem heißen Stein.“

Deshalb wurde auch in jeder Wohngemeinschaft eine „Elterngruppe“ ins Leben gerufen, in der sich die Eltern der betreuten Jugendlichen einmal im Monat treffen. Bisher hatten sie nur wenige Möglichkeiten, ihre Ängste und ihre Scham, „es nicht geschafft zu haben“, auszudrücken. „Den Raum bieten wir jetzt und die Rückmeldungen sind überaus positiv“, so Helmut Köpf.

Zur besseren und rascheren Abklärung des Entwicklungsstands der betreuten Jugendlichen setzen die Sozialpädagogischen Wohngemeinschaften seit vergangenem Jahr versuchsweise psychologische Testverfahren ein. Köpf:„Bei der Menge an Zuweisungen müssen wir ziemlich rasch sehen, ob ein Jugendlicher bei uns überhaupt gut aufgehoben ist und wie wir einen guten Aktionsplan für ihn erstellen können.“

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