28. August 2012 07:18; Akt.: 28.08.2012 07:18

Zwangsarbeit: Opfer suchen späte Hilfe

In Schwaz in Tirol waren auch Vorarlberger Mädchen untergebracht. In Schwaz in Tirol waren auch Vorarlberger Mädchen untergebracht. - © APA
von Iris Burtscher - Feldkirch – Zwangsarbeit in Kinderheimen: Zehn Vorarlberger Betroffene meldeten sich.

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Dass Gewalt in Landesheimen in Vorarlberg und Tirol bis in die 1980er-Jahre an der Tagesordnung stand, ist gut belegt. Nun kommt ein anderer dunkler Aspekt der Heimgeschichte ans Licht: Ehemalige Zöglinge aus dem Tiroler Mädchenheim St. Martin berichteten Mitte August, für den Kristallhersteller Swarovski, den Marmeladenhersteller Darbo und die Beleuchtungsfirma EGLO in den 1960er-Jahren ohne Lohn gearbeitet zu haben. Auch in Vorarlberg mussten Jugendliche in der Landwirtschaft helfen.

Aufruf an Betroffene

Dem Aufruf von Landesrätin Greti Schmid (58) vor zehn Tagen, sich an die Opferschutzstelle in Feldkirch zu wenden, kamen zehn Vorarlberger Betroffene nach. Sie berichteten Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch (50) explizit von Kinderarbeit in Landesheimen. Sechs betreffen das Schlinser Heim Jagdberg, vier das Tiroler Mädchenheim St. Martin in Schwaz, wo viele Vorarlbergerinnen untergebracht waren. Dass noch andere Unternehmen Heimkinder für sich arbeiten ließen, sei bisher nicht bekannt.

In den kommenden Wochen wird Rauch persönliche Gespräche mit den Betroffenen führen. Ob der Fall noch größere Dimensionen annehmen wird, dazu traut sich der Kinder- und Jugendanwalt keine weitere Prognose zu machen. „Schließlich kommen immer neue Facetten zutage.“ Und mit jeder Facette meldeten sich wiederum weitere Betroffene.

Neun Gewaltopfer

So auch diesmal: Nach den Berichten zu Kinderarbeit in Vorarlberger und Tiroler Heimen haben sich in den vergangenen zehn Tagen auch neun weitere Opfer von Gewaltdelikten an Landesheimen bei der Opferschutzstelle gemeldet. Mittlerweile haben dort rund 200 Personen Hilfe gesucht. Über eine Million Euro Entschädigungen wurden vom Land bereits ausbezahlt. Zuletzt empfahl die Opferschutzkommission der Landesregierung Zahlungen in der Höhe von 54.000 Euro an weitere neun Betroffene.

In Tirol haben sich bislang neun von Heimarbeit Betroffene bei der dortigen Opferanlaufstelle gemeldet. Zudem wurde vom Land eine eigene Kommission ins Leben gerufen, die die Vorwürfe rund um Kinderarbeit in den Heimen klären soll. Der Marmeladenhersteller Darbo hat sich mittlerweile dazu entschlossen, die Löhne, die von der damaligen Heimleitung einbehalten wurden, noch einmal an die ehemaligen Zöglinge auszuzahlen.



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