Wo Kies zum Museum wurde

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Herrliche Landschaften und Kulturdenkmäler gibt es im Norden Spaniens zu bestaunen Herrliche Landschaften und Kulturdenkmäler gibt es im Norden Spaniens zu bestaunen - © VN/U.Uhlmann
Eine Reise mit dem Sonderzug Transcantábrico durch den Norden Spaniens bietet viel Gelegenheit, das Land kennenzulernen.

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Das Glöckchen heißt Barbara. Jeden Morgen gegen acht Uhr ist die putzmuntere, vielsprachige Reisebegleiterin in den sieben komfortablen Schlafwaggons des Transcantábrico Clásico unterwegs, um die Gäste auf diese freundliche Art zum Frühstück zu rufen. Die Nacht war kurz für die 54 Touristen, denn Bar und Diskowagen sorgen für spätabendliche Abwechslung.

Luxuszug nach Compostela

Seit 1983 verkehrt der Luxuszug, benannt nach der nordspanischen kantabrischen Gebirgskette, fast ganzjährig zwischen León und Ferrol unweit der spanischen Pilgerstadt Santiago de Compostela. Rund 1000 Schmalspurkilometer legt er dabei durch Kastilien-León, das Baskenland, Kantabrien, Asturien und Galizien zurück – bei einem Höhenunterschied von etwa eintausend Metern.

Der Transcantábrico Clásico beispielsweise, auch zu buchen über den Berliner Veranstalter Lernidee, beherbergt die Reisenden je Waggon in vier Suiten mit Schlafabteil und Wasch-/Duschraum. Im Transcantábrico Gran Lujo, ab diesem Jahr im Einsatz, geht es noch großzügiger zu, auch beim Preis: Hier sind je Waggon zwei Suiten untergebracht – für nur 28 Reisende insgesamt.

Busbegleitung für Ausflüge

Tagsüber geht die Tour entlang grüner Gebirgslandschaften, vorbei an Wiesen und Almen mit wohlgenährten Kühen, an idyllischen Dörfern, die ihr Aussehen seit Jahrzehnten beibehalten haben, bis hin zu den lebhaften Bade- und Fischerorten am Atlantik. Ein begleitender Bus fährt jeweils zu nahe gelegenen Ausflugszielen. Nachts steht der Zug abseits auf Bahnhöfen, um eine angenehme Nachtruhe zu garantieren.

Unerwartetes Erlebnis bei der kleinen Ortschaft Galdames. Der Bus schlängelt sich einen schmalen Bergweg empor. Schließlich eine Mauer, ein Turm – der Torre de Loizaga, rekonstruiert und aus dem 14. Jahrhundert als Überbleibsel einer Wehranlage. Hier hat vor Jahren der Kiesgrubenbesitzer Miguel aus Kies viel „Kies“ gemacht, jedenfalls so viel, um einer kostspieligen Leidenschaft zu frönen. Er kaufte Oldtimer. 75 an der Zahl, darunter vierzig Rolls-Royces aus den Anfangsjahren der Motorisierung. Vor zehn Jahren machte der spätere Bauunternehmer dann sein Hobby für ein symbolisches Eintrittsgeld der Allgemeinheit zugänglich. Stolz erklärt Mariano, der örtliche Mechaniker, dass das unterdessen wohl die größte Rolls-Royces-Sammlung der Welt sei. Anderntags führt der Ausflug nach Santillana del Mar, einem traumhaften Städtchen, das den Besucher ins Mittelalter versetzt. Kein supermodernes Bank- oder glasverkleidetes Bürogebäude versperrt in der Altstadt den Blick. Kopfsteingepflasterte enge Gassen führen bergan und bergab, begrenzt von blumenbunt geschmückten Häusern aus dem 15. bis 18. Jahrhundert.

Dreißig Adelspaläste

Allein an die dreißig Adelspaläste, in denen heute Souvenirshops oder Kunstgalerien untergebracht sind, finden sich an den beiden Hauptwegen. In Stein gemeißelte Wappen allerorts. Kein Wunder, dass Santillana bereits 1943 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Daniel, der örtliche Guide, erzählt, dass im 16. Jahrhundert 85 Prozent der Bewohner des kleinen Ortes Adelige waren, allerdings arm wie Don Quichotte und die Kirchenmäuse der romanischen Stiftskirche Colegiata. Nur am Plaza Mayor, dem Hauptplatz, scheint es ein bisschen wohlhabender zugegangen zu sein. Denn der klotzig-eindrucksvolle Wehrturm, der den Statthalter des Königs beherbergte, ist bis heute in Familienbesitz.

Santiago de Compostela

Nachdem Zug und Bus schon mehrfach den Jakobsweg gekreuzt haben – zu erkennen an dem in Hauswände oder Pflaster eingelassenen Muschelsymbol als Wegweiser – ist in Santiago de Compostela der Endpunkt der Transcantábrico-Reise erreicht. Die Besucher stehen auf der Praza do Obradoiro, dem Vorplatz der Kathedrale mit dem vermutlichen Grab des Apostels Jakobus, umringt von Prachtbauten der Jahrhunderte.

 

REISEINFOS

Allgemeine Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Walfischgasse 8/14, Tel. 1/5129580, E-Mail: vienna@tourspain.es, www. spain.info. Reiseveranstalter für den Transcantábrico ist Lernidee Erlebnisreisen, Eisenacher Str. 11, D-10777 Berlin; Tel. +49 30 7860000, E-Mail: team@lernidee.de, www.lernidee.de.
Reiseliteratur: DuMont Richtig Reisen „Nordspanien und der Jakobsweg“, DuMont Reiseverlag, 23,60 Euro; „Nordspanien“, Michael Müller Verlag, 23,50 Euro; Baedeker „Spanien Norden/Jakobsweg“, Verlag Karl Baedeker, 20,60 Euro; „Nordspanien und der Jakobsweg“, Reise Know-how Verlag, 20,50 Euro.

 

VN

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