Wirtschaftsbeziehungen: Türkischer Botschafter optimistisch

Mehmet Ferden Carikci sieht Kooperation nicht gefährdet
Mehmet Ferden Carikci sieht Kooperation nicht gefährdet - © APA (EXPA/Gruber)
Politische Spannungen hin oder her, der türkische Botschafter in Wien bleibt optimistisch, dass die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern intakt bleiben: “Viele österreichische Firmen sind über Jahrzehnte, manche über ein Jahrhundert in der Türkei. Das wird nicht so schnell zerstört”, glaubt Mehmet Ferden Carikci. Das gelte auch für türkische Investitionen in Österreich.

Österreichs Firmen haben etwa 9 Mrd. Euro in der Türkei investiert und waren in manchen Jahren überhaupt die stärksten Auslandsinvestoren in der Türkei. Aber auch türkische Unternehmen haben etwa 800 Mio. Euro in Österreich investiert, erinnert Carikci. Zu den bekannteren Investitionen zählen die Denizbank und die Vakifbank, die Übernahme von Elektra Bregenz durch Arcelik, aber auch die Celebi-Gruppe, die am Flughafen Wien in der Abfertigung aktiv ist.

Das Handelsvolumen von derzeit 3 Mrd. Euro zwischen den beiden Ländern könnte problemlos auf 5 Mrd. Euro steigen, “wenn bessere Rahmenbedingungen vorhanden sind”, so Carikci. Die Türkei bleibe als Markt für Europas Firmen interessant. Nicht nur, weil die Volkswirtschaft inzwischen (nach Kaufkraft) die Nummer 13 der Welt ist, sondern auch, weil die türkische Wirtschaft unter den OECD-Ländern jene mit dem stärksten Wachstum sei.

2016 gab es wegen des Putschversuchs im Juli einen Einbruch beim Wachstum auf für türkische Verhältnisse schwache 2,9 Prozent. Heuer und 2018 sollen es wieder 3,5 Prozent sein, erwartet die OECD. Die Turbulenzen nach dem Putschversuch haben die türkische Wirtschaft zwar zurückgeworfen, aber trotzdem flossen gut 10 Mrd. Euro an Investitionen ins Land, mehr als die Hälfte davon im zweiten Halbjahr, also nach dem Putschversuch. “Geplante Investitionen wurden nicht abgesagt”, betont Carikci. Auch heuer in den ersten fünf Monaten kamen wieder fast 4 Mrd. Euro (4,8 Mrd. Dollar) an Investitionen ins Land.

Im zweiten Quartal 2017 ist die türkische Wirtschaft um 5,2 Prozent gewachsen, stärker als vor dem Putsch und allen politischen Spannungen mit dem wichtigsten Handelspartner Europa zum Trotz. Noch ist Deutschland größter Investor, aber derzeit fließt viel Geld aus China. “Wenn Europas Firmen nicht mehr investieren, werden sie Marktanteile verlieren”, sagt Carikci. Immerhin gehe es in dem Land um riesige Infrastrukturprojekte, von den Hängebrücken in Istanbul und über die Dardanellen bis zum Mega-Flughafen in Istanbul. Auch bei der Kraftfahrzeugproduktion ist die Türkei inzwischen Nummer fünf in Europa.

(APA)

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