Akt.:

Wiener Zetteldichter zu sechs Wochen Haft verurteilt

Eine Million solcher Zettel hat Helmut Seethaler seit 1976 verteilt Eine Million solcher Zettel hat Helmut Seethaler seit 1976 verteilt - © H. Seethaler
von Paul Frühauf - Er ist einer der bekanntesten und erfolglosesten Dichter Wiens: Helmut Seethaler hat nach eigenen Angaben seit 1974 über eine Million Gedichte geschrieben und damit jede Menge Wände in der Stadt beklebt. Damit dürfte Schluss sein.

Korrektur melden

Die Redaktion von VIENNA.AT bekam am Montag etwas, das nur noch sehr selten vorkommt: ein Fax. Getippt mit einer mechanischen Schreibmaschine, versehen mit handschriftlichen Anmerkungen. Dazu eine Urteilsbegründung des Bezirksgerichtes Wien über ein Urteil gegen Helmut Seethaler, das ihn für sechs Wochen unbedingt hinter Gitter schickt. Der Grund dafür war eine Anzeige – er hat übrigens bisher nach eigenen Angaben über 4000 gesammelt – wegen Sachbeschädigung und Verstoß gegen das äußerst obskure Notzeichengesetz, weil er einen Brandmelder betätigt hat.

Seethaler ist Wiens Zetteldichter

“Ich kann diese sechs Wochen nicht überleben”, lässt Seethaler vermutlich sämtliche Redaktionen der Stadt wissen. Als freischaffender Künstler lebe er von rund 600 Euro im Monat und würde durch die Kosten des Verfahrens ‘vernichtet’. Doch wie kam es zu diesem Urteil?

Helmut Seethaler wurde 1953 geboren. Im Alter von 23 Jahren schien er seine poetische Ader entdeckt zu haben und begann, seine Gedichte ab 1976 an praktisch jeder verfügbaren Wand in Wien aufzukleben. Die Wiener Linien, deren Wände das meist waren, sahen dem Treiben relativ gelassen zu und entfernten die Zettel bei Bedarf. Eingeschritten wurde jedoch nur, wenn es Beschwerden von Fahrgästen gab. Doch am 17. September 2011 war es zu einer Eskalation gekommen. Während einer Klebeaktion in der Haltestelle der U1 am Schwedenplatz war Seethaler wegen der laufenden “Zerstörung” seiner Werke der Kragen geplatzt; es gab eine Auseinandersetzung mit einem Angestellten der Wiener Linien durch das Fenster der Stationsaufsicht hindurch. Seethaler soll die Aufhängung der Sprechöffnung beschädigt haben. Außerdem betätigte er einen Brandmelder, der jedoch – laut seiner Aussage – nicht mit der Feuerwehr verbunden war, aber trotzdem einen Einsatz auslöste.

Die Haftgründe

Das Bezirksgericht in Wien fand Seethaler der Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Notzeichengesetz schuldig. Dadurch wurde eine bedingte Haftstrafe aus dem Jahr 2010 ‘reaktiviert’. Die wurde zwar nicht drangehängt, sondern nur die Bewährung auf fünf Jahre verlängert, aber sie floß in das Strafmaß ein, ebenso wie eine weitere, länger zurückliegende Verurteilung. So kamen insgesamt sechs Wochen unbedingt zusammen. Der Zetteldichter, der übrigens auch im Internet aktiv ist, wird wohl eine Zeitlang nur Zellenwände verziehren können – auch wenn er selbstverständlich Berufung gegen das seiner Meinung nach unfaire Urteil eingelegt hat.

(PFR)

Werbung


Kommentare 0

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

 
noch 1000 Zeichen
 
Verkehr in Vorarlberg

Mehr auf vol.at
Schweizer Schauspielerin Franziska Kohlund ist tot
Die Schweizer Schauspielerin Franziska Kohlund ist am Dienstag nach längerer Krankheit gestorben, wie ihre [...] mehr »
Studie bestätigt triste soziale Lage für Künstler
Sechs Jahre nach dem Bericht zur sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler in Österreich hat eine Studie zum [...] mehr »
Drei Ö-Filme in Auswahl für Europäischen Filmpreis
Unter den 50 Filmen in der Vorauswahl für den 27. Europäischen Filmpreis befinden sich auch drei österreichische [...] mehr »
Musée de l’Elysée widmet Chaplin Ausstellung
Das Musée de l'Elysée in Lausanne widmet dem britischen Komiker, Schauspieler und Regisseur Charles Chaplin eine [...] mehr »
Belvedere widmet neue Ausstellung Josef Dobrowsky
Dem österreichische Maler Josef Dobrowsky (1889-1964) widmet sich eine Ausstellung, welche am Dienstagabend im Oberen [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Werbung
Jetzt meistgelesen auf VOL.AT
Werbung

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Anmelden - oder ohne Registrierung diskutieren

Als VOL.AT User anmelden:




Passwort vergessen?

Unregistrierter User:

Bei unregistrierten Benutzern wird der Kommentar erst nach einer Prüfung freigeschaltet. Beleidigende, rassistische, ausfällige oder nicht themenbezogene Kommentare werden nicht veröffentlicht. Kommentare von eingeloggten Usern werden sofort veröffentlicht.

Neu registrieren



Bitte Javascript aktivieren!