Akt.:

Wiener Verhütungsmuseum feiert fünfjähriges Bestehen

Im Verhütungsmuseum gibt es so manches zu bewundern, das froh macht, im Jahr 2012 zu leben Im Verhütungsmuseum gibt es so manches zu bewundern, das froh macht, im Jahr 2012 zu leben - © APA/HELMUT FOHRINGER
Wer sich nicht nur über aktuelle Verhütungsmethoden informieren sondern auch wissen möchte, welche Möglichkeiten man zu Verhütung und Schwangerschaftsabbruch früher so nutzte, sollten dem Wiener Verhütungsmuseum einmal einen Besuch abstatten. Vom Schafdarmkondom, der silbernen Muttermundkappe und Schwangerschaftstests mit Krallenförschen ist hier so manches heute eher Ungebräuchliche zu bewundern.

Korrektur melden

Das Wiener Verhütungsmuseum, oder korrekt gesagt Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, sorgt immer wieder für Kontroversen, genießt im Ausland hohe Anerkennung, wurde mehrfach international ausgezeichnet und wird von Besuchern regelrecht gestürmt.

So phantasievoll wurde früher verhütet

Das Museum thematisiert den Kampf der Frauen und Männer um ein unbeschwertes Sexualleben – ohne Schwangerschafts-risiko, aber auch die erstaunliche Bandbreite phantasievoller Verhütungs- und Abtreibungsmittel. Zu besichtigen ist etwa das Femidom, das beim Verkehr quietscht, wohl das Lustigste der neuzeitlichen Verhütungsmittel. Oder der Penisstöpsel zum Einführen in die männliche Harnröhre, die Schrecklichste aller Methoden. Auch Kondome vielfältiger Machart werden präsentiert: etwa aus feinem Schafsdarm oder Fischblasen.

Thematisiert wird auch das Leid der Frauen, die, nachdem sie sich bei einer Engelmacherin auf den Küchentisch gelegt hatten, oft qualvoll verstarben. Noch im Januar 1945 wurde in Wien an einer jener Engelmacherinnen die Todesstrafe vollstreckt.

15 Schwangerschaften waren normal

Durchschnittlich 15 Schwangerschaften pro Frauenleben waren in früheren Jahren “natürlich” – eine völlige Überforderung für die weibliche Gesundheit ebenso wie für das wirtschaftliche Überleben einer Familie, früher wie heute.

“Unser Museum zeigt drastisch, aufklärerisch und unterhaltsam die jahrhundertelangen Bemühungen der Menschheit nach Sex ohne ungewollter Schwangerschaft und die damit einhergehenden gesellschaftspolitischen Diskussionen, die bis heute andauern” sagt der Gynäkologe und Museumsgründer DDr. Christian Fiala.

Besucheransturm von Jugendlichen im Verhütungsmuseum

Seit der Eröffnung im März 2007 wurden fast 20.000 BesucherInnen gezählt, überwiegend bei Führungen. Gymnasiasten, Berufsschüler und Lehrlinge waren von der vielfältigen Schau ebenso angetan wie Wissenschaftler, Gynäkologen, Hebammen oder Vereinsausflügler. Die gesellschaftspolitische Bedeutung des MUVS zeigt auch der stets enorme Andrang im Rahmen der jährlichen Langen Nacht der Museen.

Das Durchschnittsalter der Besucher liegt deutlich unter zwanzig Jahren. Gerade bei Jugendlichen erfreut es sich großer Beliebtheit. Im Rahmen der einfühlsamen Museumsführungen sprechen sich die Heranwachsenden oft ihre intimen Verhütungsnöte von der Seele oder werden erstmals kompetent und sachlich aufgeklärt. Aber auch ältere Menschen werden von diesem sehr menschlichen Aspekt des Lebens angesprochen. Das MUVS ist weltweit einzigartig: Zum ersten Mal wird die Geschichte der Verhütung wissenschaftlich und umfassend aufgearbeitet. “Wirksame Verhütung ist ein modernes Phänomen. Die wichtigste kulturelle Errungenschaft für unbeschwerten und lustvollen Sex” so Fiala.

Schwangerschaftstest mittels Frosch

Auf der Homepage (in Deutsch und Englisch) können UserInnen auf alle Objekte, Publikationen, Filme und Beschreibungen kostenlos zugreifen. Täglich rufen rund 900 BesucherInnen der MUVS-Homepage Informationen aus den Datenbanken ab. Der stark ausgebaute online-Auftritt zeigt z.b. Videos eines Arztes, der noch “Froschtests” durchführte: einem lebenden Krallenfrosch wurde Harn der vermutlich schwangeren Frau unter die Haut gespritzt. Etwa drei Stunden später wurde Flüssigkeit aus dem Genitaltrakt entnommen und analysiert: waren Spermien nachweisbar, so war die Frau schwanger. Das war bis Mitte der 60er Jahre die einzig verlässliche Form des Schwangerschaftstests. Die einmalige Sammlung wird auch von Wissenschaftlern und Medien zunehmend als Informationsquelle genützt. SchülerInnen ebenso wie StudentInnen und Ärzte nützen die historischen Dokumente, Fotos und Filmmaterialien.

Das Museum beherbergt auch das umfangreichste Knaus-Dokumentationsarchiv weltweit: das ist jener österreichische Arzt, der erstmals den weiblichen Zyklus und Eisprung richtig beschrieben hat, zeitgleich mit dem Japaner Ogino. Ebenso liegen umfangreiche Dokumentationen der österreichischen Ärzte Otto Ottfried Fellner und Ludwig Haberlandt vor, die mit ihren Grundlagenforschungen die Erfindung der Pille ermöglichten. An wichtigen Themen mangelt es nicht, dafür aber an Platz und Geld: Derzeit sind Schausammlung, Archiv und Bibliothek auf achtzig Quadratmetern in der Nähe des Wiener Westbahnhofs zusammengedrängt. Schulklassen müssen häufig geteilt werden, weil der Platz für so viele BesucherInnen nicht ausreicht.

Eins ist klar: Das Verhütungsmuseum ist auch für ältere Semester mit kulturgeschichtlichem Interesse immer einen Besuch wert.

Werbung


Kommentare 0

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

 
noch 1000 Zeichen
 
Verkehr in Vorarlberg

Mehr auf vol.at
Gratis Hoden-Untersuchung für einen guten Zweck: Würdest Du es machen?
Washington - Lustiger "Video-Beifang" aus dem Netz. Die Jungs von "Simple Pickup" haben den Test gemacht: Wie viele [...] mehr »
Drei Omas rauchen Marihuana
Seattle - Ein "Klick-Hit" ist derzeit das Video von drei Großmüttern, die angeblich zum ersten Mal in ihrem Leben [...] mehr »
“Chick Chick”: Werden diese verrückten Hühner der neue “Gangnam-Style”?
Ein neuer Gaga-Song erobert das Netz. Titel: "Chick Chick". Herkunft: China. Und wie es sich für einen Klickhit [...] mehr »
Kanadier verschenkt „Around-The-World-Ticket“
Über Weihnachten und Silvester ein kurzer Abstecher in die Ferne – und das dazu noch gratis. Ein Kanadier sucht [...] mehr »
Mann parkte Kleinflugzeug vor Pub in Australien
Ein australischer Pilot hat sich mit einem waghalsigen Lokalbesuch Ärger mit der Polizei eingehandelt. "Vor dem 'Purple [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Werbung
Jetzt meistgelesen auf VOL.AT
Werbung

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Anmelden - oder ohne Registrierung diskutieren

Als VOL.AT User anmelden:




Passwort vergessen?

Unregistrierter User:

Bei unregistrierten Benutzern wird der Kommentar erst nach einer Prüfung freigeschaltet. Beleidigende, rassistische, ausfällige oder nicht themenbezogene Kommentare werden nicht veröffentlicht. Kommentare von eingeloggten Usern werden sofort veröffentlicht.

Neu registrieren



Bitte Javascript aktivieren!