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Wie die #MeToo-Bewegung die Golden Globes und die Oscars 2018 beeinflusst

Harvey Weinstein wird den Preisverleihungen fernbleiben.
Harvey Weinstein wird den Preisverleihungen fernbleiben. ©Jordan Strauss/Invision/AP
Die #MeToo-Bewegung wirbelt die Preisverleihungen der Golden Globes und auch der Oscars auf. Eines ist allerdings sicher - Harvey Weinstein wird beiden Events fernbleiben.
Verhaltenskodex der Academy
Golden Globes: Filmnominierungen
Golden Globes: Seriennominierungen
Belästigung durch Weinstein

Auf dem roten Teppich bei der Golden-Globe-Gala könnte es Anfang Jänner ungewöhnlich düster zugehen. Schwarze Abendkleider statt Glitter und Farbe werden am 7. Jänner wohl den Ton angeben, verlautete es aus Hollywood.

Golden Globes: Schwarze Abendkleider als Zeichen

Nicht aus modischen Gründen, sondern in Zeiten der #MeToo-Bewegung als Protest gegen sexuellen Missbrauch. Nominierte Schauspielerinnen und viele weibliche Stars, die auf der Bühne Auszeichnungen überreichen, wollten damit ein Zeichen setzen, brachten das Branchenblatt “Hollywood Reporter” und das “People”-Magazin vorab in Erfahrung.

Die Weinstein-Affäre wirbelt die bevorstehende Preis-Saison kräftig durcheinander. Die Lawine von Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs gegen den einst mächtigen Filmmogul Harvey Weinstein riss in den vergangenen Monaten Dutzende Filmschaffende mit in die Schlagzeilen. Männern wie Kevin Spacey, Dustin Hoffman, Brett Ratner und Jeffrey Tambor werden Übergriffe und Machtmissbrauch vorgeworfen. Sie werden sich auf dem roten Teppich wohl nicht blicken lassen. Weinstein wies über sein Sprecher-Team mehrfach Vorwürfe von “nicht einvernehmlichem Sex” zurück.

Harvey Weinstein und die Sexismus-Debatte

Normalerweise würde Weinstein jetzt die Werbekampagnen für Preisanwärter anheizen, nun ist der oscarprämierte Produzent die Persona non grata schlechthin. Sein rasanter Absturz und die weltweite Debatte über Sexismus lässt Frauen im Filmgeschäft hoffen, dass Hollywoods alte Machtstrukturen endlich aufbrechen. Bei der Verleihung der SAG-Awards (Screen Actors Guild Awards, am 21. Jänner) setzen die Veranstalter erstmals komplett auf Frauen-Power.

SAG-Awards 2018: Preise werden von Frauen überreicht

Alle 13 Preise, die Hollywoods Schauspielverband vergibt, sollen auf der Gala-Bühne von weiblichen Stars überreicht werden. Auch die Moderation übernimmt eine Frau, Schauspielerin Kristen Bell. In Hollywood habe man immer schon über Gleichberechtigung geredet, sagte Bell kürzlich der “New York Times”. “Jetzt sind Mega-Scheinwerfer darauf gerichtet und hinten geht das Feuerwerk ab.”

Nominiert sind unter anderem Schauspieler wie Frances McDormand, Saoirse Ronan, Judi Dench, Gary Oldman, James Franco und Denzel Washington. Die SAG-Awards gelten als Vorboten für die Anfang März anstehende Verleihung der Oscars, die Nominierungen für Hollywoods höchste Preise werden am 23. Jänner verkündet.

Auch Kevon Spacey mit Vorwürfen konfrontiert

Schon bei den Golden-Globe-Nominierungen Mitte Dezember waren Auswirkungen zu spüren: Kevin Spacey etwa musste seine Preis-Hoffnungen für “Alles Geld der Welt” begraben. Spacey, der in dem Entführungsdrama den Ölmilliardär Jean Paul Getty spielte, wurde von Christopher Plummer ersetzt. Regisseur Ridley Scott schnitt kurzfristig alle Szenen mit Spacey aus dem bereits fertigen Film heraus, nachdem Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den “House of Cards”-Star bekanntgeworden waren.

Der Schauspieler nehme sich “die nötige Zeit für eine Analyse und Behandlung”, hatte sein Sprecher Anfang November übermittelt. Zuvor hatte Spacey über soziale Medien eine recht vage Entschuldigung formuliert, in der er “unangemessenes betrunkenes Verhalten” einräumte und sich gleichzeitig als schwul outete.

Die Globe-Juroren würdigten “Alles Geld der Welt” mit drei Nominierungen – für Plummer als bester Nebendarsteller, Michelle Williams in einer Drama-Hauptrolle und für Regisseur Scott.

Bis zur Oscar-Vergabe sind es noch etwa zwei Monate, der Weinstein-Skandal wird bis dahin kaum vom Tisch sein. Er werde das auf der Oscar-Bühne wohl ansprechen, sagte Show-Moderator Jimmy Kimmel unlängst dem Entertainment-Portal “Vulture.com”. “Es ist wirklich nichts zum Lachen”, sagte der Komiker.

Anstandskodex der Oscars-Academy

Längst zerbricht sich die Oscar-Akademie über einen Anstandskodex für ihre mehr als 8000 Mitglieder den Kopf. Weinstein war im Oktober von dem ehrwürdigen Verband gefeuert worden, er wird nicht mehr über künftige Oscar-Gewinner abstimmen. Anfang Dezember gab die Academy eine “Verhaltens”-Erklärung heraus. In dem Verband gebe es keinen Platz für Menschen, “die ihren Status, Macht oder Einfluss” dazu missbrauchen, die Regeln des Anstands zu verletzen, hieß es unter anderem.

Ob nach dem Rauswurf Weinsteins vor der Oscar-Verleihung noch andere Köpfe rollen werden, bleibt abzuwarten. Bestimmt würde die Akademie nun schneller handeln. Weinsteins Ruf war in der Branche über Jahre Gesprächsstoff, auch Anlass für Witze. So flachste etwa der Schauspieler Seth MacFarlane (“Family Guy”) 2013 bei der Verkündung der Oscar-Nominierungen für die besten Nebendarstellerinnen: “Herzlichen Glückwunsch. Diese fünf Damen müssen nun nicht mehr so tun, als ob sie Harvey Weinstein attraktiv finden.”

(APA/Red)

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