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"War oft nahe daran, aufzugeben"

W&W sprach mit Zaker (20) und Aleksandar (24)
W&W sprach mit Zaker (20) und Aleksandar (24) ©Fotos: Sams, handout/Zaker Soltani
Mit Fleiß und ­Motivation ist alles möglich: W&W sprach mit Zaker (20) und ­Aleksandar (24), welche sich trotz ­Fluchthintergrund tolle Karrieren aufbauen.

„Von Afghanistan nach Österreich zu kommen, war kein bestimmter Plan – man kann das am besten als Zufall oder vielleicht sogar als Schicksal bezeichnen“, erzählt der 20-jährige Zaker. „Die politischen Zustände und die Unsicherheit haben mich veranlasst, mein Land zu verlassen. Mein Ziel war nur, an einem sicheren Ort leben zu dürfen, wo Demokratie, Sicherheit und Freiheit herrschen.“ Dafür hat Zaker eine beschwerliche Reise auf sich genommen: „Natürlich ist eine solche Flucht verbunden mit großen Gefahren, oft zwischen Leben und Tod. Damals, als ich diese Reise auf mich nahm, waren mir die Konsequenzen zuerst gar nicht bewusst, erst auf dem Weg erlebte ich, wie schrecklich alles war.“

„Vertrauensvorschuss“

Als der junge Afghane nach sechs Monaten schlussendlich in Traiskirchen ankam, wollte er möglichst bald Zugang zu einer österreichischen Schule haben. „Es war mir klar, dass ich zuerst die Sprache des Landes lernen musste“, erzählt Zaker. Auf über 1000 Menschen, welche im Flüchtlingslager lebten, konnte jedoch nur ein einziger Lehrer für einen Deutschkurs zur Verfügung gestellt werden. Dennoch gab der Afghane nicht auf: „Nach drei Monaten in Traiskirchen wurde ich nach Vorarl­berg transferiert“, erzählt Zaker. „Dort startete ich erneut mit einem Deutschkurs und habe es 2013 geschafft, im Gymnasium Schillerstraße in Feldkirch aufgenommen zu werden. Der Direktor hat mir quasi einen Vertrauensvorschuss gegeben.“ Die Gymnasialzeit war eine Herausforderung für den 20-Jährigen. „Manchmal war ich nahe daran, aufzugeben“, gibt er zu. Zaker hat es jedoch geschafft und bekam außerdem die Möglichkeit, ein „Start“-Stipendium in Anspruch zu nehmen. „Das war noch ein zusätzlicher Motivationsfaktor für mich und beweist erneut: Die Zivilgesellschaft zeigt der Politik, wie man es besser machen kann.“ Nun, studiert Zaker Kunstgeschichte an der Universität Wien. „Wenn man wirkliches Interesse und Freude an etwas hat, dann sind alle Schwierigkeiten und Hindernisse nur dazu da, überwunden zu werden!“, so der 20-Jährige.

„War total perplex“

Auch Aleksandar aus Bregenz hat einige Hindernisse überwunden und seine Matura an der HTL Rankweil absolviert. Die gesamte Familie des 24-Jährigen stammt aus Serbien und kam nacheinander aufgrund der schwierigen Arbeitssituation in ihrem Heimatland sowie auch wegen des damals herrschenden Krieges nach Österreich. „In meiner Kindheit wohnte ich bei meiner Oma und sprach kein Wort Deutsch“, erzählt er. Dennoch schaffte Aleksandar es, sich bestens anzupassen und lernte, fließend Deutsch zu sprechen. „In der HTL war ich im Jahre 2008 einer der wenigen Schüler mit Migrationshintergrund“, erzählt der 24-Jährige. „Eines Tages wurde ich mitten im Unterricht zum Direktor gerufen. Zuerst war ich total perplex. Doch dann erklärte man mir, dass es nun ein Programm für Menschen mit Migrationshintergrund sowie besonderen schulischen und außerschulischen Leistungen gäbe.“ Da Aleksandar ein fleißiger Schüler war und außerdem in einem Fußballverein spielte, trafen beide Voraussetzungen zu. „Vom Stipendienprogramm wurden mir Kosten für Bücher sowie Lizenzgebühren für Computerprogramme, Exkursionen und mehr bezahlt.“ Außerdem konnte er an Kursen wie „Rhetorik“ oder „Bewerbungstraining“ teilnehmen.

„Schaffa, schaffa, Hüsle baua“

Aleksandar hat die Schule im Jahr 2013 abgeschlossen und begann danach mit seiner Karriere bei der Firma „i+R“ in Lauterach als Bau- und Projektleiter. „Ein Studium hat mich damals nicht gereizt. Bereits während der HTL-Zeit wusste ich, dass mein Motto in den nächsten Jahren ‚Schaffa, schaffa, Hüsle baua‘ sein würde. Da kommt der Vorarlberger in mir zum Vorschein“, lacht er. „Inzwischen könnte ich mir jedoch ein berufsbegleitendes Studium im Baubereich vorstellen und werde voraussichtlich bald damit beginnen.“

Unterstützung für motivierte Jugendliche

Das „Start“-Schülerstipendienprogramm möchte engagierten jungen Menschen mit Migrationsgeschichte den Maturaabschluss ermöglichen. Damit sollen eine höhere Schulbildung und bessere Chancen für eine gelungene Integration erreicht werden. Bewerbungen für das neue Schuljahr sind ab dem Frühjahr wieder möglich. Infos gibt’s unter www.start-stipendium.at.

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