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Vorarlberg: Wirrer Raub- und Mordprozess wird heute fortgesetzt

Eine Verurteilung wegen versuchten schweren Raubes steht für alle vier Angeklagten im Raum.
Eine Verurteilung wegen versuchten schweren Raubes steht für alle vier Angeklagten im Raum. ©Eckert
Am Landesgericht Feldkirch wird heute der Prozess rund um versuchten schweren Raub und versuchten Mord vom September fortgesetzt. Es wird ein langer Tag für die Geschworenen, denn es gibt vier Angeklagte, diverse Verbrechen und eine Menge Widersprüche.

Um das geht’s: Im Oktober vergangenen Jahres finden sich drei türkische Männer in Feldkirch vor einem Haus ein. Ihr Plan: Ein vermeintliches Marihuanalager im Wert von 100.000 bis 200.000 Euro zu plündern. Eine 23-jährige Kosmetikerin soll ihnen den Tipp gegeben haben. Doch das vermeintlich leere Haus ist nicht verlassen. Das von einem Bewohner plötzlich eingeschaltete Licht vertreibt die Männer, sie türmen ohne Beute. Einer von ihnen hat eine Beretta F92, Kaliber neun Millimeter, dabei. Der Mann schießt aus dem Gebüsch drei Mal in Richtung eines neugierigen Nachbarn, was die Staatsanwaltschaft zu einer Anklage wegen versuchten Mordes veranlasste. Wegen versuchten schweren Raubes müssen sich alle vier verantworten.

Schwerverbrecher oder nur doof

Der Coup stand unter keinem guten Stern. Erst streikte die Benzinpumpe des Tatfahrzeuges, notgedrungen fuhr man mit dem Wunschkennzeichen-BMW eines Täters zum Tatort. Ein Komplize verschlief, ein anderer musste „einspringen“. Zwei Stunden hockten die Männer offenbar im Gebüsch, ehe sie versuchten, ins Haus einzudringen.

raneburger
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„Völlig dilettantisch, das sind doch keine Schwerverbrecher“, so Verteidiger Thomas Raneburger, der zwei der Ganoven vertritt. Die Verteidiger sind überzeugt, dass die vier wegen eines Einbruchsversuchs zu verurteilen sind, mehr aber auch nicht. Die Staatsanwaltschaft hat hingegen versuchten schweren Raub angeklagt.

Zeuge heute da

Zuletzt musste der Prozess wegen eines wichtigen Zeugen vertagt werden. Der Mann, dem drei Kugeln aus der Beretta um die Ohren flogen, ist heute am Wort. Dass sich auch die wegen Raubes Angeklagten vor dem Schwurgericht verantworten müssen, ist eine Ausnahme. Normalerweise ist dafür ein Schöffensenat zuständig. Da aber ein Zusammenhang zwischen den Schüssen und dem angeklagten Raub besteht, orientiert sich die Zuständigkeit an der schwereren Tat, somit am Mordversuch und somit an der Schwurgerichtshofzuständigkeit.

Mordversuch zentrales Thema

Heute geht es am Landesgericht Feldkirch vor allem um das Thema „Mordversuch“. Im ersten Prozessdurchgang stand der versuchte Raub, beziehungsweise der versuchte Einbruch im Zentrum. Einer der Männer, ein 36-jähriger Türke hat in jener Nacht drei Schüsse abgegeben. Ob diese gezielt waren oder nicht, steht heute im Mittelpunkt. Am Vormittag wurde das mutmaßliche Opfer einvernommen. Einige Lichtbilder wurden gezeigt, um die örtlichen Verhältnisse zu erklären. Der Beschuldigte erzählt, wie sich die Nacht aus seiner Sicht abgespielt hat und warum er die Schüsse aus der Beretta F92, neun Milimeter abfeuerte.

16 Fragen an die Geschworen

Vier Angeklagte, diverse Delikte stehen zur Auswahl, widersprüchliche Aussagen verwirren den Zuhörer. Und dennoch wurden die Geschworenen um 15.30 Uhr mit insgesamt 16 Fragen ins Beratungszimmer geschickt. Sie müssen erstens entscheiden, ob der 36-jährige Türke, der drei Schüsse abgab, sich zumindest mit dem Tod des Opfers abfand und damit einen Mordversuch zu verantworten hat. Dann gibt es noch den versuchten schwere Raub, der zu beurteilen ist. War die Aktion mit der Pistole ein versuchter Raub oder ein versuchter bewaffneter Einbruchsdiebstahl? Auch hier geht es um Details, die selbst für Juristen schwierig sind.

Eindrucksvoller Zeuge

Sichtlich um Aufklärung bemüht war der 41-jährige Zeuge, ein temperamentvoller Fitnesstrainer, dem in jener Nacht drei Kugeln um die Ohren flogen und der nur knapp schweren Verletzungen oder sogar dem Tod entging. Der Brasilianer war um Mitternacht vom Training gekommen, als er dunkle Gestalten bemerkte. Wenig später durchbrachen drei Schüsse die Stille der Nacht. Er sprang zur Seite, versuchte den Schüssen zu entkommen und hatte viel Glück. „Dennoch wollte mein Mandant niemanden töten, die Schüsse wurden nicht gezielt abgefeuert, so die Verteidigung“. Welche Rolle die drei Männer und die Feldkircherin bei dem angeklagten Raub spielten, müssen die Geschworenen entscheiden. Jedenfalls wird es eine ganze Weile dauern, bis sie alle 16 Fragen durch sind. Danach müssen sie noch gemeinsam mit den drei Richterin über die Höhe der Strafe entscheiden.
(Red.)

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