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Vorarlberg: Haller fordert Ausbau der stationären Psychiatrie

Reinhard Haller fordert, psychisch Kranke länger stationär zu behandeln.
Reinhard Haller fordert, psychisch Kranke länger stationär zu behandeln. ©VN/Hartinger
In einem Interview mit dem "ORF" fordert Psychiater Reinhard Haller einen Ausbau der stationären psychiatrischen Behandlungsmöglichkeiten. Au seiner Sicht geschehen viele Unglücke, ob Suizide oder Gewalt gegen andere, weil Psychiatrie-Patienten zu früh entlassen werden.
Debatte über Betretungsverbote
Familientragödie in Hohenems
Bruder tötet 14-Jährige in Wien

Zwar mach die Reduzierung sationärer Krankenhausaufenthalte in manchen körperbezogenen Abteilungen durchaus Sinn, im Bereich Psychiatrie sei dies hingegen kontraproduktiv. Ein gewisser Zeitgeist besage, dass stationäre Behandlungen immer kürzer sein müssten.

Patienten werden zu früh entlassen

Aber die Psyche des Menschen lasse sich nicht stauchen und kürzen, gibt Haller zu bedenken. Bei Depressionen oder aggressiven Verhaltensweisen brauche die Behandlung einfach eine gewisse Zeit. Weshalb es mehr Kapazitäten brauche, auch länger dauernde Behandlungen möglich zu machen.

Auch eine Reform des Unterbringungsgesetzes fordert Haller im Interview, diese sei “völlig zahnlos.” Das laut Unterbringungsgesetz Menschen nur schwer einzuweisen und noch schwerer dazubehalten sind, führe demnach oft zu Unglücken, gleich ob Suizide oder Gewalt gegen andere.

Frauen ähnlich oft gewalttätig

Die Familientragödie in Hohenems am vergangenen Wochenende und der Mord eines 18-Jährigen an seiner 14-jährigen Schwester in Wien veranlassen Haller auch über häusliche Gewalt zu sprechen. In beiden Fällen waren die Behörden bereits wegen häuslicher Gewalt aktiv. Insgesamt werde das Thema häusliche Gewalt tabuisiert, auch, dass auch Frauen häufig gewalttätig gegenüber ihren Männern seien.

Verschiedene Untersuchungen würden zeigen, dass der Anteil gewalttätiger Männer und Frauen in etwa gleich sei. Allerdings würden Männer oft viel brutaler zuschlagen, was viel öfter mit schweren Körperverletzungen und Tötungen enden würde. „Das ist etwas, was wir zur Kenntnis nehmen müssen: Männer, die nach außen hin cool und abgebrüht wirken, sind in Wirklichkeit unglaublich verletzlich, halten Kränkungen nicht aus, streben sofort nach radikalen Lösungen. Dem glaube ich müsste man auch schon in der Erziehung viel mehr Rechnung tragen“, so Haller.

Änderungen im Strafrecht

Haller habe den Eindruck, dass es zwar viele Hilfsangebote gäbe, viele aber den Weg dorthin nicht finden würden. Deshalb müsse sich auch das Strafrecht grundlegend ändern. Und zwar „in der Form, dass die Polizisten nicht mehr sagen müssen, wir können erst dann etwas machen, wenn etwas passiert ist, sondern schon vorher einschreiten müssen. Und dass man vielleicht auch über die Polizei den Weg zu den helfenden Institutionen ebnet“.

(red)

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