Volx/Margareten geht mit Ibrahim Amir “Heimwärts”

Volkstheaterdirektorin Anna Badora stellte Programm vor
Volkstheaterdirektorin Anna Badora stellte Programm vor - © APA
Ibrahim Amir, dessen Uraufführung “Homohalal” vom Volkstheater Wien 2016 kurzfristig abgesagt worden war, kehrt mit gleich zwei neuen Stücken an das Haus zurück: Direktorin Anna Badora kündigte heute die Österreichische Erstaufführung von “Heimwärts” für den 5. Jänner an der Nebenspielstätte Volx/Margareten an. In der nächsten Saison soll “Ein deutscher Junge” am Großen Haus uraufgeführt werden.

Während “Ein deutscher Junge” (Arbeitstitel) eine Auftragsarbeit für das Volkstheater ist, handelt es sich bei “Heimwärts” um einen Auftrag des Kölner Schauspiels, wo das Stück am 9. Dezember zur Uraufführung gebracht wird. “Vier Personen fahren von Wien nach Aleppo, denn der alte Onkel will noch einmal in die alte Heimat zurück. Unmengen von Flüchtlingen drängen nach Westen, sie nehmen die andere Richtung. Doch auf dem Weg stirbt der Onkel und die Gruppe bleibt an der griechisch-türkisch-bulgarischen Grenze bei Edirne stecken”, umriss Badora heute im Gespräch mit Journalisten den Inhalt des Stücks, in dem Amir die Balkan-Route umdreht, und das von Pinar Karabulut inszeniert wird.

Man sei mit dem Autor seit der Absage von “Homohalal” ständig im Gespräch geblieben und habe das Stück auch als Lesung in der Roten Bar zur Diskussion stellen wollen – was der Autor wegen der Unfertigkeit des Textes nicht gewollt habe. Die Reaktionen auf die Absage beschrieb die Direktorin als überaus heftig. “Es wurde aus allen Richtungen derartig auf uns gespuckt, wie ich es noch nie erlebt habe.” Man habe daraus und aus der eigenen “Verwundung und Verwunderung” ein Stadtprojekt machen wollen, diesmal habe aber Mitautorin Tina Leisch, die damals ihr “Traiskirchen”-Musical vorbereitete, ihr Veto eingelegt. “Wir haben das bedauert”, sagte Badora.

“Homohalal” ist mittlerweile in einer neuen Fassung erfolgreich in Dresden uraufgeführt worden. Die Arbeit daran habe ein Jahr gedauert, der dafür verantwortliche Dramaturg arbeitet mittlerweile am Volkstheater. “Es war eine sehr respektable Arbeit in Dresden – es ist aber durchaus ein anderes Stück, quasi ‘Homohalal 2’. Das macht ja auch Sinn”, sagte Chefdramaturgin Heike Müller-Merten.

Sehr stolz zeigten sich Direktorin und Dramaturgie-Team heute darüber, dass es in den ersten beiden Saisonen gelungen ist, das Volx/Margareten (den ehemaligen “Hundsturm”), der “ökonomisch auf der Streichliste gestanden” sei, sehr erfolgreich zu positionieren. Bisher 17 Ur- und Erstaufführungen seien Grund für “einen kleinen Stolzmoment”, sagte Chefdramaturg Roland Koberg. Es sei auch “ein sehr wichtiger Ort für das Ensemble geworden”, das mit großem persönlichem Einsatz und in seiner Freizeit gemeinsam mit dem künstlerischen Team und Mitgliedern der Technik den Spielort selbst renoviert habe.

Da die Vereinbarungen mit dem technischen Personal des Hauses bisher das Volx/Margareten nicht einbeziehen, ist der Betrieb aufgrund Anmietung hausfremden Personals relativ teuer. “70 Prozent Auslastung sollten es daher schon sein, sonst ist die Technik teurer als unsere Einnahmen”, meinte Koberg. Diese Vorgabe habe man jedoch mit zwischen 70 und 80 Prozent Auslastung in der vergangenen Spielzeit und insgesamt über 13.000 Besucher in den ersten zwei Saisonen übererfüllt, hieß es. Außerdem versuche man die Probenzeiten am Minimum zu halten.

Doch nur künstlerischer Erfolg könne bei allfälligen künftig wieder aufkeimenden Einsparungsdiskussionen – Badora mahnte erneut Budgetvalorisierungen ein, da man das Haupthaus nach seiner bevorstehenden Sanierung ja auch entsprechend bespielen müsse – den Erhalt der Spielstätte sichern helfen. Dabei zeigte sich das Leitungsteam jedoch sehr optimistisch. Mit etlichen partizipativen Projekten und Jugend-Spielklubs habe man das Volx/Margareten stark in der Umgebung verankert. Mit gleich 15 Koproduktionspartnern (“Von Kindergärten bis zu Seniorenklubs, vom Sportverein bis zu politischen Parteien”) entwickle man das Stadtprojekt “Wien 5 – Die Kunst der Nachbarschaft”, erläuterte Constance Cauers vom Jungen Volkstheater.

Spielzeitstart am Volx/Margareten ist am 30. September mit der Deutschsprachigen Erstaufführung von “Extremophil” von Alexandra Badea. Danach steht mit “Vereinte Nationen” von Clemens J. Setz ein auch in Deutschland erfolgreiches “super-spannendes Stück” (Koberg) auf dem Programm. Stolz ist man auch auf ein Projekt mit Georg Hobmeier, das sich mit der Realitätserweiterung um virtuelle Welten beschäftigt (“Vienna – All Tomorrows”).

Während der Sanierung des Haupthauses am Arthur-Schnitzler-Platz soll das Volx/Margareten besonders intensiv – und mit eigenem Technikpersonal – im Repertorebetrieb bespielt werden, während im Odeon en suite Bowies “Lazarus” für Einnahmen sorgen soll. Die Wiederöffnung des Haupthauses hat Badora “optimistischer Weise” für Ende Oktober 2018 angesetzt.

(APA)

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