Viennale 2017: Vorschau auf das Filmprogramm

Von Christoph Stachowetz
Ein erster Einblick in das Programm der diesjährigen Viennale in Wien
Ein erster Einblick in das Programm der diesjährigen Viennale in Wien - © Viennale
Mit großen Schritten nähert sich Österreichs größtes Filmfestival, die Viennale 2017 in Wien. Bereits am 19. Oktober befindet sich die Bundeshauptstadt wieder im Bann von Filmfans und Cineasten, wenn bis zum 2. November rund 200 aktuelle Filme aus aller Welt ihr Publikum finden werden.

Der Freude über den Start des Festivals mengt sich natürlich auch die Wehmut über den überraschend verstorbenen Viennale-Direktor Hans Hurch bei. In diesem Sinne steht die Veranstaltung auch im Zeichen Hurchs: Neben einer Hommage mit 14 Filmen von 14 Freunden, u.a. Tilda Swinton und Ed Lachmann, hat auch der diesjährige Viennale-Trailer von Abel Ferrara den langjährigen Direktor im Fokus.

Das Programm der Viennale 2017 im Überblick

Ein kleiner Ausblick auf Spiel- und Dokumentarfilme wird schon im Vorfeld der offiziellen Programmveröffentlichung am Dienstag, den 10. Oktober 2017 um 20 Uhr (Online, Pocketguide und Katalog erhältlich beim Schottentor), gewährt, um die Vorfreude weiter zu schüren.

• Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Regisseur Martin McDonagh hat bereits mit “In Bruge” bleibenden Eindruck hinterlassen, der schwarzhumorige Thriller-Drama-Mix “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” mit einer gewohnt großartigen  Frances McDormand gegenüber Woody Harrelson hat schon erste Oscar-Mutmaßungen bei US-Kritikern aufkommen lassen. Als Mutter einer vergewaltigten und danach ermordeten Tochter drängt McDormand im Film die ortsansässige Polizei zu einer längst überfälligen Aufklärung des Falls (Harrelson gibt den Sheriff, natürlich).

• Teheran Tabu

Das Debüt von Ali Soozandeh erzählt von drei selbstbewussten Frauen und einem jungen Künstler, deren Wege sich in der iranischen Hauptstadt Teheran kreuzen. Das geschickte Umgehen von Tabus in der restriktiven Gesellschaft ist hier der Fokus, das Drama wurde mit Beteiligung von Coop99, ORF und mehrerer österreichischer Förderinstitutionen verwirklicht.

• Lucky

Der Mitte September im hohen Alter von 90 Jahren verstorbenen Schauspiellegende Harry Dean Stanton hat John Carroll Lynch in seinem Regiedebüt ein Denkmal gesetzt: In “Lucky” darf sich Stanton als nicht auf den Mund gefallener Atheist in einem kleinen Wüstenkaff mit allerhand schräger Figuren duellieren. Besonders schön: Der Film wird die diesjährige Viennale eröffnen, Regisseur Lynch wird anwesend sein.

• Helle Nächte

Bei der diesjährigen Berlinale konnte “Helle Nächte” von Regisseur und Drehbuchautor Thomas Arslan für Begeisterung beim Publikum sorgen, der heimische Schauspielexport Georg Friedrich konnte zudem einen Silbernen Bären als bester Darsteller für sich ergattern. Das Drama rund um einen Bauingenieur (Friedrich), der mit seinem minderjährigen Sohn zur Beerdigung seines Vaters nach Norwegen fährt, stellt sicherlich ein filmisches Highlight auch auf der Viennale 2017 dar.

• Licht

Die österreichisch-deutsche Koproduktion “Licht” (oder auch etwas eleganter unter “Mademoiselle Paradis” bekannt) basiert auf Alissa Walsers Roman “Am Anfang war die Nacht Musik”, Barbara Alberts führt hier Regie. Der Film dreht sich um ein blindes Klavierwunderkind im Wiener Rokoko, die im Zuge einer medizinischen Behandlung langsam wieder zu sehen beginnt – und dabei auch bemerkt, wie ihre Virtuosität als Pianistin abnimmt.

• Sandome No Satsujin

“Sandome No Satsujin” bzw. “The Third Murder” verspricht einen fließenden Übergang von Krimi zu Gerichtsdrama zu sein, dessen Fokus moralphilosophischer Natur ist. Ein offensichtlicher Mordfall soll darin für den Angeklagten mit Vorstrafenregister doch nicht das Ende bedeuten.

• Ex Libris – New York Public Library

Als “kurzweilige dreistündige Dokumentation” wird “Ex Libris – New York Public Library” beschrieben. Wer Filme von Regisseur Frederick Wiseman (unlängst: “National Gallery”) kennt, wird den Widerspruch entsprechend aufnehmen und Vorfreude walten lassen.

• Golden Exits

Mit “Listen Up Philip” und “Queen of Earth” hat sich Indie-Regisseur Alex Ross Perry einen Namen gemacht und auch dafür gesorgt, das Schauspielerin Elisabeth Moss genau die Aufmerksamkeit erhält, die sich verdient hat. Nun folgt “Golden Exits”, in dem Perry erneut eine wortgewaltige Tragikomödie auf die Leinwand gezaubert hat, die mit großartigen Darbietungen einer klug gewählten Besetzung (u.a. Emily Browning, Jason Schwartzman und Chloë Sevigny) bereits beim Sundance Filmfestival zu überzeugen wusste.

• The Force

Peter Nicks brandaktuelle Dokumentation “The Force” setzt sich (nach einer erste Auseinandersetzung mit dem Gesundheitssystem in “The Waiting Room”) mit der US-amerikanische Strafverfolgungsbehörde im kalifornischen Oakland auseinander und beleuchtet dabei sowohl deren Schwierigkeiten als auch Skandale. Er geht dabei dem beschädigten Image der Polizei ebenso auf den Grund wie den Problemen, die durch beständigen Personalmangel und Polizeigewalt vor allem gegen die afroamerikanische Bevölkerung entstanden sind.

Special Programs des Filmfestival

Bei einer Viennale dürfen natürlich auch die zahlreichen Spezialprogramme nicht vergessen werden. In diesem Jahr findet sich neben der eingangs erwähnten Hommage an Hans Hurch zudem eine spannende Schiene rund um die Entstehung des Neuen Neapolitanischen Kinos (“Napoli! Napoli!“), die den gemeinsamen Nenner der vielschichtigen und formal überaus unterschiedlichen Werke der dortigen Filmemacher als Aufhänger für eine filmische Reise in die italienische Stadt nutzt.

Im Special Program namens “Duell im Osten” wird das Schaffen von Valeska Grisebach (“Mein Stern”) beleuchtet, die als Vertreterin der “Berliner Schule” das Kino als Forschungsinstrument verwendet. Bei der Werkschau wurde der Filmemacherin zudem Carte Blanche offeriert, drei Extrafilme durfte die Regisseurin daher selbst wählen. Eine weitere Werkschau stellt die österreichische Kinopionierin Carmen Cartellieri in den Mittelpunkt, deren vielfältiges Schaffen in allerlei Genres wohl nur von ihrem Talent überflügelt wurde.

Die Bedeutung des Viennale 2017-Sujets

Als Vorlage diente einen Einritzung im Inneren der romanische Kirche im Südwesten Frankreichs, die scheinbar einen untypisch gekleideten Harlekin darstellt. Diese Bühnenfigur der Commedia dell’Arte stellt eine vielschichtige, mythische Figur dar, die Widersprüche in sich vereint: “Gleichermaßen Gauner und Heiler, Schamane und derber Possenreißer, Priester und Teufel. Mit seinem emphatisch ausgestreckten und nach oben gebogenen Arm scheint der dämonische Spaßmacher zu seinem ritualisierten Auftritt, dem Harlekin sprung, anzusetzen: „Eccomi!“ – Hier bin ich. Das Spiel kann beginnen”, so die Beschreibung seitens des Filmfestivals.

Infos zur Veranstaltung

V17

Viennale – Vienna International Film Festival (V’17)

Wann: 19. Oktober bis 2. November 2017
Wo: Gartenbaukino, Stadtkino im Künstlerhaus, Urania, Metro, Filmmuseum
Start des VVK: Samstag, 14. Oktober um 10 Uhr
Programm: Online auf www. viennale.at am 10. Oktober um 20 Uhr
Link zur Homepage

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(Red.)

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