Vielen Frauen fehlt die Chance auf Vollzeit-Job

Von VN/Tobias Hämmerle
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Hälfte der erwerbstätigen Frauen sind nicht vollbeschäftigt. Hälfte der erwerbstätigen Frauen sind nicht vollbeschäftigt. - © Bilderbox
Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen in Vorarlberg stehen in einem atypischen Arbeitsverhältnis, sprich arbeiten Teilzeit, geringfügig, in Leiharbeit oder mit einem freien Dienstvertrag. Interessenvertreter fordern nun einen Ausbau der Kinderbetreuung.

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Die Zeiten sind definitiv vorbei, in denen noch eine feste Anstellung Grundstein für Glück und Gelassenheit war. Denn mittlerweile ist jeder dritte Beschäftigte in Österreich in einem atypischen Arbeitsverhältnis, sprich arbeitet Teilzeit, geringfügig, in Leiharbeit oder mit einem freien Dienstvertrag – Tendenz steigend. Zwischen 2008 und 2011 stieg die Anzahl der unselbstständig Beschäftigten um 46.000, zugleich sank jene der Normalarbeitsverhältnisse österreichweit um 51.000.

In Vorarlberg sieht es nicht anders aus. 31,58 Prozent aller Beschäftigten gehen hierzulande keiner Vollzeitarbeit nach. Für Rainer Keckeis, Direktor der Arbeiterkammer, ist dies besorgniserregend. „Das Problem ist, wenn Teilzeitarbeit zum Dauerzustand wird“, sagt Keckeis. Da Teilzeitarbeit oft schlecht bezahlt sei, würde sich das negativ auf die Pension auswirken. Die hohe Zahl derer, die nicht einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, führt er auch darauf zurück, dass viele neben ihrem Hauptberuf mittlerweile eine zweite Beschäftigung annehmen müssen, um über die Runden zu kommen.

Fehlende Kinderbetreuung

Während es bei den Männern gerade einmal elf Prozent sind, sind 54,8 Prozent aller beschäftigten Frauen in einem atypischen Arbeitsverhältnis – 5,8 Prozentpunkte über dem Österreich-Schnitt.

Vorarlberg ist das Land mit der höchsten Quote an teilzeitbeschäftigten Frauen. Keckeis appelliert dafür, eine Vollzeitbeschäftigung anzustreben, damit Frauen in der Pension nicht unter die Armutsgrenze fallen.

Es gibt aber auch diejenigen Frauen, die mehr arbeiten wollen, aber nicht mehr können. Grund: Fehlende Kinderbetreuung. „Für Frauen ist die Teilzeitarbeit ein guter Wiedereinstieg in die Berufswelt. Für solche, die aber wieder voll arbeiten wollen, fehlt die Kinderbetreuung“, sagt Evelyn Dorn, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Vorarlberg. Von den 554 Kinderbetreuungseinrichtungen würden lediglich 7 Prozent Ganztagesbetreuung anbieten. Für Andrea Kramer von der Caritas muss die Kinderbetreuung vor allem in punkto Flexibilität verbessert werden. „Viele geringfügig beschäftigten Frauen müssen am Abend arbeiten, da wäre eine flexible Kinderbetreuung wichtig“, sagt Kramer.

„Begrenzung der Leiharbeit“

Was bei Frauen nicht ausschlaggebend ist, aber ebenfalls zu den atypischen Beschäftigungen zählt, ist die Leiharbeit. Sie ist konjunkturabhängig und daher einem Risiko ausgesetzt. „Wir fordern deshalb schon lange eine Begrenzung der Leiharbeiter, dass Betriebe nicht permanent Leute in Leiharbeit halten“, so Keckeis.

Die Tendenz zu atypischen Arbeitsverhältnissen ist aber nicht nur bei Wiedereinsteigern spürbar, sondern auch schon bei Arbeitnehmern im Alter von 20 bis 24 Jahren, wie auch Keckeis bestätigt. „Die jungen Leute heutzutage suchen oft nicht nach was Fixem, sondern wollen flexibel bleiben. Auf der anderen Seite werden immer mehr Traineestellen und Praktikumsstellen angeboten, die eine Fixanstellung ersetzen“, sagt der AK-Direktor. Für ihn ist das eine „ganz schlechte Entwicklung in der Arbeitswelt“.

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