Viele US-Bürger halten globale Erwärmung für Gerücht

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Symbolbild. Symbolbild. - © bilderbox.at
Er habe noch nie an das "Gerücht der globalen Erwärmung" geglaubt, sagte der in den republikanischen Vorwahlen ausgeschiedene ehemalige Präsidentschaftsanwärter Rick Santorum zu Jahresanfang. Mit dieser Meinung ist er in den USA nicht allein. Wissenschafter versuchen nun mit Hilfe von Football die Botschaft an den Mann zu bringen.

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In Europa fällt es schwer zu verstehen, warum Investitionen in erneuerbare Energie einem Präsidenten so massiv zum Vorwurf gemacht werden, wie etwa erst jüngst in der ersten TV-Debatte Barack Obamas mit seinem Herausforderer Mitt Romney. Obama habe sich "für die Verlierer entschieden". Doch für den durchschnittlichen Amerikaner gilt der menschliche Einfluss auf Veränderungen des Klimas nicht unbedingt als Tatsache. In einer Umfrage der Yale University zeigten sich nur zwölf Prozent "alarmiert" wegen der Erderwärmung, fast die Hälfte der Befragten war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte.

Öffentlichkeit Großteils verwirrt

"Der Großteil der Öffentlichkeit ist verwirrt, jeder Zehnte hält den Klimawandel für Unfug", klagt der Ökologe Peter Frumhoff von der Union of Concerned Scientists. "Die Fakten fallen ganz einfach unter den Tisch." Das habe auch mit der politischen Kultur zu tun: "Die pragmatische Mitte verschwindet", betonte der Wissenschafter bei einer Veranstaltung der Library of Congress in Washington.

Demokraten glauben stärker an Klimawandel

Dabei lassen sich klare politische Trennlinien ausmachen: Befragte, die angaben, bei der kommenden Wahl Barack Obama wählen zu wollen, glauben mehrheitlich an die globale Erwärmung (86 Prozent), bei Romney-Wählern waren es dagegen nur 45 Prozent. Dass menschliche Einwirkung für die Klimaveränderung verantwortlich ist, hielten unter den Romney-Wählern nur 27 Prozent für wahr (Obama-Wähler: 65 Prozent). Nur 22 Prozent der republikanisch orientierten Wähler glaubten, dass sich die Wissenschaft über das Bestehen der globalen Erwärmung einig ist.

Infoveranstaltung beim Football

Bei der Union of Concerned Scientists, die sich darum bemüht, die Tradition der wissenschaftlichen, unparteiischen Politik-Beratung aufrechtzuerhalten, werden Wissenschafter für Auftritte in den Medien trainiert. "Wir wissen aus der Sozialwissenschaft, dass die Menschen Information filtern." Unter dem Motto: "Die Leute kümmern sich nicht um den Klimawandel, aber sie kümmern sich um Football" startete man deshalb eine Infokampagne über Gesundheitsschäden beim Highschool-Footballtraining während Hitzezeiten. "Die Reaktionen waren überwältigend." Dass es sich dabei um Folgen des Klimawandels handelt, wurde in einen Nebensatz verpackt.

Auch Gesundheitsschädlichkeit von Tabak war lange umstritten

Ingesamt zeigte sich Frumhoff optimistisch, dass sich das Thema Klimawandel in der US-Gesellschaft behaupten wird - und erinnert an einen ähnlichen Prozess rund um die Schädlichkeit von Tabak. "Da haben wir 30 Jahre gebraucht, von dem Punkt wo die Wissenschaft wusste, dass es Gesundheitsrisiken gibt, bis zu dem Punkt, wo die Öffentlichkeit der Tabakindustrie nicht mehr geglaubt hat, dass es nicht so ist."

(APA)

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