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Verpflichtender Sozialdienst kann Freiwilliges Soziales Jahr nicht ablösen

Gehört der Zivildienst bald der Vergangenheit an? Soziale Organisationen sorgen sich. Gehört der Zivildienst bald der Vergangenheit an? Soziale Organisationen sorgen sich. - © AP
von Sascha Schmidt (VOL.AT) - Schwarzach – Die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht und ein mögliches Berufsheer wirft viele Fragen auf. Soziale Organisationen stellen sich aus gutem Grund die Frage, was dann mit dem Zivildienst geschieht. Kommt ein verpflichtender Sozialdienst für Männer und Frauen oder wird gar dem Freiwilligen Sozialen Jahr die Freiwilligkeit geraubt?

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Diese und andere Fragen beschäftigen derzeit sowohl die Caritas Vorarlberg, als auch Claudio Tedeschi, Geschäftsführer der ARGE Soziale Berufsorientierung Vorarlberg. Letzterer fordert eine breitere und umfassendere Diskussion, bei der nicht ausschließlich das Geld im Mittelpunkt steht.

Warteliste für Freiwilliges Soziales Jahr

Weil der Fokus auf der Berufsorientierung für junge Menschen liegt, nennt sich das Freiwillige Soziale Jahr in Vorarlberg – im Gegensatz zu anderen Bundesländern – Soziale Berufsorientierung Vorarlberg. „Es kommt sehr gut an. Wir haben 105 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Und die Jugendlichen, die sich bei uns melden und aufgenommen werden, können aus einem Pool von 150 Einsatzstellen auswählen.“ Das Spektrum dieser Einsatzstellen reicht dabei von der Arbeit für Obdachlose oder Menschen mit Behinderung bis hin zum Pflegebereich. Den Freiwilligen eröffnet sich so ein Einblick in ein breites Spektrum an Berufen.

Mehr Gelder notwendig

Die Diskussion um einen verpflichtenden Sozialdienst für Männer und Frauen müsse von zwei Seiten betrachtet werden. Auf der einen Seite steht der direkte Ersatz für Zivildiener, die sehr wertvolle Arbeit leisten. „Das lässt sich sicher in irgendeiner Form regeln, schließlich wurde es auch in Deutschland möglich gemacht. Mit Sicherheit aber wird eine solche Neuregelung jene Mittel, die bislang für den Zivildienst zur Verfügung gestellt werden, übersteigen und damit wesentlich teurer kommen“, so Tedeschi. Auf politischer Ebene jedoch wird trotzdem heftig darüber diskutiert, ob eine Neuregelung nicht doch mit den bisherigen Mitteln finanzierbar wäre. Für Tedeschi, der aus der Praxis kommt, aber ist klar: Das wäre nicht machbar.

Auf der anderen Seite schließlich gilt es, jungen Menschen ein Verständnis für soziale Zusammenhänge in der Gesellschaft zu vermitteln. Dieser Punkt aber werde derzeit noch viel zu wenig diskutiert. „Wenn wir alles wegdelegieren und glauben, dass sich schon jemand darum kümmern wird – wo bleibt dann der soziale Zusammenhalt?“, gibt sich Tedeschi skeptisch.

Inhaltliche Diskussion gefordert

Der Idee, das Freiwillige Soziale Jahr in ein verpflichtendes Jahr umzuwandeln, kann Tedeschi wenig abgewinnen. „Das freiwillige Soziale Jahr gleicht einem Ausbildungverhältnis und genau das ist auch die Grundmotivation für Jugendliche“, erklärt Tedeschi. Die Diskussion darüber, ob nicht jeder in der Gesellschaft einen Beitrag für das Miteinander und den sozialen Zusammenhalt leisten sollte, halte er jedoch für wichtig.

„Es ist sehr schade, dass die gesamte Debatte momentan an der Frage ‚Berufsheer ja oder nein‘ aufgehängt wird“, so Tedeschi weiter. Diese Diskussion sei auch in Österreich nicht neu und solle nun auf breiterer Basis geführt werden. „Ich persönlich bin der Ansicht, dass ein verpflichtender Dienst, im Sinne von Zivilschutz, der sich von Aktivitäten die Umwelt betreffend, über den Katastrophenschutz, bis hin zu Sozialem, Kultur oder Sport spannt, durchaus eine Option wäre. Denn wenn wir in die Zukunft blicken und uns fragen, wie wir unsere sozialen Themen und Herausforderungen lösen können, dann glaube ich nicht, dass das nur mit Geld möglich ist“, ist Claudio Tedeschi überzeugt.

Freiwilliger spricht sich gegen Verpflichtung aus

Für Michael Brunner, der im vergangenen Turnus selbst ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert hat, steht fest, dass es keinen verpflichtenden Sozialdienst geben soll. „Ein freiwilliges Jahr, so wie ich eines absolviert habe, finde ich in Ordnung. Ein verpflichtendes Jahr jedoch finde ich nicht sinnvoll, weil noch vieles fehlt, um den Jugendlichen dazu die nötige Unterstützung zu geben“, so Brunner. Auch glaubt er, dass durch die Verpflichtung die Motivation für diese Aufgabe wegfällt. „Ich finde, die Jugendlichen brauchen einen größeren Einblick in den Sozialbereich, aber man muss die finanzielle Abgeltung verbessern“, glaubt Brunner. Er habe das Glück gehabt, während seines Sozialjahres von zu Hause Unterstützung erhalten zu haben und dort wohnen konnte. Diese Möglichkeit stehe aber nicht jedem zur Verfügung, hier müssen die notwendigen Strukturen geschaffen werden.

Es stimmt nicht, dass Freiwillige nur putzen müssen

“Ich glaube, dass gerade der Arbeitsbereich und die Möglichkeiten sehr groß sind, seinen Freiwilligen Dienst zu versehen. Es ist einfach eine sehr schöne Aufgabe und man lernt viele tolle neue Menschen kennen“, weiß Brunner aus Erfahrung. Es mache einfach Spaß und – im Gegensatz zu mancher Behauptung – entspreche es nicht der Wahrheit, dass Freiwillige nur zum Putzen abgestellt würden.

Für Michael Brunner, gelernter Automechaniker, hat sich durch sein Freiwilliges Soziales Jahr viel verändert. Ihm wurde nach seiner Lehre schnell klar, dass er in seinem Arbeitsfeld nicht glücklich werden wird. Genau das habe ihn schließlich dazu bewegt, ein Freiwilliges Jahr zu absolvieren. Brunner hat inzwischen die Lager gewechselt und beginnt im Oktober eine Ausbildung zum diplomierten Familienbetreuer. Ein praktikables und nicht unbedingt seltenes Beispiel dafür, dass die Möglichkeit für junge Menschen in den Sozialbereich hinein zu schnuppern positive Auswirkungen auf ihre Persönlichkeit und sogar auf ihre beruflichen Ziele hat.

Vom Land finanziell unterstützt

Die Soziale Berufsorientierung wird seit Beginn 1997 von Seite des Landes finanziell unterstützt. Dies ermöglicht die erforderliche Qualität in Begleitung der TeilnehmerInnen – nur so wird das Jahr wirklich zu einer Berufsorientierun und wertvollen persönlichen Lebensschule.

Claudio Tedeschi im Interview:

Michael Brunner im Gespräch:

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