28. Januar 2009 11:04; Akt.: 28.01.2009 11:04

Vatikan gerät unter Druck

Vatikan gerät unter Druck © AP
Israels Großrabbinat bricht die offiziellen Beziehungen zum Vatikan ab. Der Grund: Papst Benedikt XVI. hat die Aufhebung der Exkommunikation des traditionalistischen Bischofs Richard Williamson beschlossen, der den Holocaust leugnet. Bischof Fischer nimmt Stellung | [Video im Artikel] (27 Kommentare)

Das Großrabbinat als höchste religiöse Instanz des Landes steht unter der Leitung von zwei Großrabbinern, die der sephardischen (orientalischen) bzw. der aschkenasischen Richtung vorstehen. Es hat auch ein im März geplantes Treffen mit der Kommission des Heiligen Stuhls für die Beziehungen zu den Juden abgesagt.

In einem Brief an den Präsidenten der Kommission, Kurienkardinal Walter Kasper, schrieb der Generaldirektor des Rabbinats, Oded Weiner, dass eine Fortsetzung des Dialogs ohne eine öffentliche Entschuldigung vom Vatikan schwierig sei. Laut italienischen Medien sei der Brief über die israelische Presse an die Öffentlichkeit gelangt, was die Beziehungen zwischen dem Rabbinat und die katholische Kirche noch mehr erschweren könnte.

Bei einer früheren Zusammenkunft mit den Großrabbinern von Israel, Yona Metzger und Shlomo Amar, hatte der Papst für Irritationen gesorgt, indem er auf die unbefriedigende Lage der Christen im Heiligen Land hinwies. Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel waren im Sommer 2005 auf einem Tiefpunkt, nachdem die damalige Regierung von Premier Ariel Sharon dem Papst vorgeworfen hatte, nicht israelischer Terroropfer gedacht zu haben. Der Vatikan verwies seinerseits auf israelische Völkerrechtsverstöße in besetzten Gebieten. Der verstorbene Papst Johannes Paul II. hatte den Bau der israelischen Sperranlage im besetzten Westjordanland kritisiert, der damalige Lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, hatte den Sperrwall als “unmoralisch” und “zerstörerisch” bezeichnet. Der Heilige Stuhl hat immer wieder eine internationale Garantie für den Schutz der heiligen Stätten in Jerusalem gefordert.

Angesichts weltweiter Entrüstung wegen der Äußerungen Williamsons hat der Vatikan am Dienstag die klare Verurteilung von Antisemitismus und Holocaust durch Benedikt XVI. betont. Radio Vatikan sendete am Dienstag einen langen Beitrag anlässlich des Holocaust-Gedenktages, in dem an den Besuch des Papstes im Konzentrationslager Auschwitz und in der Kölner Synagoge erinnert wurde. Der Papst habe die unmenschliche und rassistische Ideologie, die zum Holocaust führte, mehrfach deutlich verurteilt, hieß es.

Video: Weihbischof Williamson im schwedischen Fernsehen: “Ich glaube, es gab keine Gaskammern” (21.1.2009)



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