Van der Bellen und Hofer krachten im letzten Duell zusammen

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Vor einem Millionenpublikum sind die Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer am Donnerstag im ORF zum letzten TV-Duell aufeinandergetroffen.

Drei Tage vor der Bundespräsidentenwahl lagen die Nerven auf beiden Seiten blank. Die zwei Kandidaten lieferten sich einen harten Schlagabtausch, der auch Politik- und Kommunikationsexperten teils überraschte.

Ost-Spionage

FPÖ-Kandidat Hofer stellte den ehemaligen Grünen-Chef unter Verweis auf ein Buch des früheren Generaldirektors für die öffentliche Sicherheit, Michael Sika, in die Nähe der Spionage. Eine von Van der Bellen beauftragte Rüstungsstudie könnte demnach der Ost-Spionage gedient haben, meinte Hofer sinngemäß. “In dem Buch steht dreimal der Name Van der Bellen”, so Hofer, der Van der Bellen auch neuerlich der Sympathie für den Kommunismus bezichtigte.

“Das tut man einfach nicht”

“Sie lügen schon wieder. Das ist ja lachhaft”, erwiderte Van der Bellen. Spionage sei ein Kapitalverbrechen. “Das ist das Mieseste, was ich seit langem erlebt habe.” Van der Bellen warf dem FPÖ-Kandidaten und seiner “Wahlhelferin” Ursula Stenzel die Diffamierung seines Vaters vor. Es habe ihn “in diesem Wahlkampf wirklich getroffen”, dass sein Vater als Nazi-affin bezeichnet worden sei. “Das tut man einfach nicht”, so Van der Bellen, der dabei ein Foto seines Vaters in die Kamera hielt.

“Das ist ein schweres Foul”, replizierte der FPÖ-Kandidat. Auch sein Vater sei als Nazi diffamiert worden. “Ich habe kein Foto meines Vaters mitgebracht, aber ich habe eines hier im Herzen”, meinte Hofer, der danach gegen ihn gerichtete Postings aus sozialen Netzwerken verlas. “Hören sie auf, auf diese Art und Weise Mitleid erregen zu wollen, es geht mir genauso.”

“Nicht die Vereinigten Staaten von Europa”

Auch beim Thema EU krachten die beiden Bewerber zusammen und warfen einander vor, die Unwahrheit zu sagen. Van der Bellen betonte, dass Hofer für einen Austritt aus der EU stehe. Der ehemalige Grüne plädierte für eine Vertiefung der Europäischen Union. Hofer wies zurück, für einen EU-Austritt zu sein und sprach sich gegen eine Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips in der EU aus. “Wir sind nicht die Vereinigten Staaten von Europa”, so Hofer.

Angriffig ging es danach weiter: Van der Bellen warf Hofer vor, mit der Parteichefin der rechtsnationalistischen Front National, Marine Le Pen, Beziehungen zu pflegen, Hofer konterte damit, dass Van der Bellen mit dem eben verstorbenen kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro Beziehungen pflege.

Abriss von Hitlers Geburtshaus

Hofer betonte neuerlich, dass er über die Todesstrafe auf gar keinen Fall eine Volksabstimmung abhalten wollen würde. “So schnell wie möglich schließen” würde Hofer das saudi-arabische König Abdullah-Zentrum in Wien. Van der Bellen würde es “nicht besuchen” und schauen, ob dort irgendetwas Nützliches passiert. Und beide würden Hitlers Geburtshaus abreißen lassen.

Beim Thema Sicherheit forderte Hofer, dass IS-Rückkehrer in Österreich die Staatsbürgerschaft verlieren sollten. Van der Bellen sprach sich gegen eine solche Maßnahme aus. Hofer warf Van der Bellen zugleich vor, für eine Abschaffung des Präsenz- und Zivildienstes zu sein, was dieser in Abrede stellte.

Am Schluss eines elfmonatigen Wahlkampfes ging es dann noch einmal um die Kompetenzen des Bundespräsidenten. “Der Präsident kann keine Ersatzregierung sein, aber sein Wort hat hohes Gewicht”, meinte Hofer. Für Van der Bellen muss der Bundespräsident “parteiübergreifend” agieren. Er sehe diesbezüglich eine “breite Allianz” hinter sich.

Das ORF-Duell vor der Stichwahl im Mai verfolgten 1,2 Millionen Österreicher, ähnlich viele dürften Donnerstagabend vor den TV-Geräten gesessen sein. 6,4 Millionen Österreicherinnen und Österreicher sind am Sonntag wahlberechtigt.

Politik- und Kommunikationsexperten haben sich teils überrascht über den unerwartet heftigen Schlagabtausch gezeigt. Der Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer sprach gegenüber der APA von einer “etwas angriffigeren” Debatte. Aufgefallen sei vor allem der “inflationäre Gebrauch des Wortes Lüge und Unwahrheit”. Van der Bellen “hat diesen Kampf mit dem Bild seines toten Vaters eröffnet – danach wurde es emotional”, so Bachmayer.

Bei den emotionsstarken Themen habe Hofer immer wieder besser und geschickter formuliert, während sich Van der Bellen manchmal im “Professorenhaften” verloren habe, etwa bei der Diskussion über die Aberkennung der Staatsbürgerschaft für IS-Kämpfer. “Bei einer TV-Debatte geht es aber darum, die Zuschauer im Bauch zu erreichen.” Hofers Grundstrategie sei es gewesen, “Van der Bellen als Wendehals zu skizzieren und die Glaubwürdigkeit des Konkurrenten zu beschädigen”. Der OGM-Chef erwartet allerdings keine großen Auswirkungen auf das Wahlergebnis am Sonntag.

Der Politologe Peter Filzmaier sprach in der “Zeit im Bild 2” von einem offensiven Gespräch beider Kandidaten, in dem vor allem Hofer nicht mit dem “Florett”, sondern “mit der Panzerfaust” beziehungsweise dem “Dreschflegel” agiert habe. Die Rolle des Staatsmännischen wurde laut Filzmaier verlassen, und die beiden Kandidaten hätten gezeigt, dass auch eine Diskussion mit Moderator entgleisen könne. Die Schlüsselfrage sei, ob das bei den Wählern wirke. “Für den eigenen Kandidaten bringt das gar nichts, wenn man den Begriff der Lüge und Unwahrheit so oft verwendet”, meinte Filzmaier. Hofer sei es vor allem um die Demobilisierung von möglichen Wählern Van der Bellens gegangen. Eine riskante Vorgangsweise, weil dies auch potenzielle unentschlossene Wähler Hofers abschrecken könne.

Der Kommunikationsexperte Georg Wawschinek zeigte sich vom Strategiewechsel Hofers, der zuletzt meist im Ton zurückhaltend und mit einem Lächeln im Gesicht aufgetreten war, überrascht. Hofer sei im ORF-Duell “angriffig” gewesen und “so richtig auf die Tube gestiegen”, was die Härte und den Vorwurf der Lüge betreffe. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Kandidaten hätten ihn mitunter an Kindergarten-Streitereien erinnert. Es könnte sein, dass dies manche Wähler “sogar ein wenig abschreckt”, meinte Wawschinek in der “ZiB 2”.

(APA)

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