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Ursuppe verwürzt: Godsim Spore

Verschenktes Potential: Godsim Spore. Verschenktes Potential: Godsim Spore. - © Waibel

Sechs Jahren hat der neue vermeintliche Geniestreich von Will Wright, dem Schöpfer der Sims, auf dem Buckel. Auf den Release folgt Ernüchterung.  

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Es hätte so schön werden können. Will Wright ist einer der Gameentwickler-Götter im Daddel-Olymp und zeichnet für die Gelddruckmaschine „Sims“ verantwortlich, nachdem er Jahre zuvor mit Sim City den Grundstein für das Sim-Universum gelegt hat. Spore, von dem man nun einige Jahre immer wieder leckere Einzelhappen zu Gesicht bekam, schmeckt als Gesamtmenü leider nur leidlich. Nach dem Motto: Ich wird davon satt, gegessen hab ich aber schon besser macht das Game in einigen Spielabschnitten sogar Spaß.

Zu Beginn der ersten der 5 verschiedenen Phasen sieht man wie ein Asteroid auf einen Planeten einschlägt und mitten in einen Ozean platscht. Aus einem Bruchstück des Megakiesels lösen sich Teilchen - daraus entsteht ein putziger Einzeller - oder gar mehrere? Das Game übergibt die Steuerkontrolle an den Spieler, ich kann nach der Entscheidung Fleisch oder Fi… äh Pflanzenkost den Winzling selbst in der Ursuppe herumsteuern. Durch Fressen von Pflanzenteilchen, oder aber je nach Wahl eben auch anderen Viechern gewinnt der Kleine an Größe und DNA-Punkten. Letztere lassen sich in zusätzliche Körperteile investieren, die man nach einer putzigen Paarungsszene zwischen zwei Knubbelviechern im Kreaturen-Editor an den Einzeller bastelt: Verteidigungswerkzeuge, zusätzliche Gliedmaßen um schneller in der Ursuppe herumpaddeln zu können oder optischer Zierrat, der keine Punkte kostet. Auch die Hautfarbe des Kleinen kann hier festgelegt werden. Einige solcher Sequenzen später ist das quasi „Level“ Ursuppe abgeschlossen, das trotz einfachem Prinzip irgendwie Laune macht.

In der nun folgenden Kreaturenphase erhebt sich der Einzeller aus dem Wasser und wird zu einem einfachen vorevolutionären Urviech, das mit Beinen und Händen an Land Nestbau und Art- und Selbsterhaltung betreibt. Je nach Ausrichtung werden Nester anderer Spezies, die dieselbe Idee haben, geplündert oder deren Stämme durch soziale Interaktion gewonnen. Herumliegende Gerippe enthalten neue Bausteine für den Editor. Wer brav sozial agiert, gewinnt nebst DNA-Punkten andere Stämme und Tiere für sich, mit deren zusätzlichen Möglichkeiten es leichter wird, neue Stämme zu bekehren. Wer es natürlich gerne kriegerisch mag, kann sich eine brandgefährliche Bestie zusammenbasteln, die alles totbeisst, andere Spezies lieber verspeist, als mit ihnen zu interagieren und sonst auch eher die Gewalt sprechen lässt, als lange rumzufackeln. Ein Fortschrittsbalken am unteren Bildrand zeigt auch hier wieder an, wie lange die Kreaturenphase noch dauert.

Ist das Level voll und somit abgeschlossen, erhebt sich die primitive Kreatur in die Stammesphase. Hier besteht mein Haufen bereits aus mehreren cleveren Kreaturen, gespielt wird ab sofort in der isometrischen Perspektive. Die Racker wollen auch Identität in Form von Kleidung, ansonsten geht es wieder darum, andere Stämme zu bekehren oder ganz einfach auszurotten. Pazifistische Naturen greifen zu Instrumenten, auf denen dem anderen Stamm was gegeigt wird, woraufhin sich alle glücklich in die Arme, Tentakel oder auch Pranken fallen. Ungeduldige Naturen metzeln sich einfach durch die Gegend, weil das Bekehren sich als sehr gemütlich, um nicht zu sagen zäh und langwierig gestaltet.

Die Stammesphase will man schnell beenden, um endlich zur Zivilisationsphase zu kommen, in der das Spiel an Fahrt gewinnt. Es darf ein Rathaus und Fahrzeuge designt werden, letztere erweisen sich im Kampf als nützlich. Einflüsse von Simcity werden spürbar, sogar Häuser zur Unterhaltung und Fabriken können und müssen gebaut werden. Die Währung ist, wie es sich für ein ordentlich patriotisches Ami-Entwicklerteam gehört, nicht Euro oder Yen, sondern Spore-Dollars. Zu hoffen bleibt, dass diese stabiler sind, als ihr reales Vorbild. Mit den gesammelten Scheinchen lassen sich andere Städte beschenken, oder Kriegsmaterial anschaffen, um andere Gemeinden auszurotten. Im wesentlichen also wie in den beiden vorhergehenden Phasen, nur mit mehr Möglichkeiten auch und besonders im Editor.

Am Beginn der folgenden Weltraum-Phase erheben sich die einstigen Einzeller schon in die unendlichen Weiten des Weltalls. Hier nimmt Spore endlich Fahrt auf, es gibt die Möglichkeit, Aufträge anzunehmen, von Planet zu Planet zu fliegen, um Handel zu treiben und Kohle zu scheffeln. Spielziel gibt es ab hier keines mehr, einzig die Dominanz über andere Völker, da man sonst Gefahr läuft von Aliens überrannt zu werden.

Von der technischen Seite her merkt man Spore die lange Entwicklungszeit an. Die Grafik ist unterdurchschnittlich, aber zweckmäßig.  Matschige Texturen und fehlende Effekte machen es möglich, dass Spore auch auf schwächeren Systemen läuft. Der Sound ist überzeugend. Die Unterhaltungen zwischen den Kreaturen haben Sims-Niveau, die Hintergrundmusik gefällt.

Damit kommen wir zum größten Kritikpunkt für ehrliche Käufer: Der DRM-Kopierschutz. Das Spiel kann nur auf Rechnern mit Internetanbindung und da nur maximal dreimal installiert werden, danach muss mit Hilfe einer kostenpflichtigen Hotline nachgewiesen werden, dass man das Game legal erworben hat. Ergebnis dieser rigorosen Verkaufspolitik seitens Electronic Arts: Spore ist bereits jetzt eines der am meisten illegal aus dem Internet heruntergeladenen und gecrackten Games, – auf Amazon hagelt es schlechte Bewertungen. Die illegale weil raubkopierte Version hat den kundenfeindlichen DRM Kopierschutz nicht, weswegen auch Leute zu dieser Version greifen, die ansonsten das Spiel kaufen würden. Da muss EA zurückrudern, auch im Hinblick auf kommende Produkte, sonst könnte das ein gewaltiger Schuss in den Ofen im Hinblick auf den Erfolg von EA-Produkten werden.

 

Fazit:

In Spore wird jeder seine lustigen Momente finden, die einen nur in der Ursuppe, Strategen im recht fordernden Weltall-Modus, der auch durch die Online-Anbindung einige spannende Überraschungen bereithält. Vermutlich sehr viele werden im Editor viele lustige Stunden verbringen, wo nämlich jeder Spieler nicht nur seine Kreaturen, sondern auch Gebäude und Fahrzeuge sowie Raumschiffe nach eigenen Vorstellungen designen kann. Letztlich fehlt Spore aber in vielen Bereichen ein roter Faden, eine Storyline, eine Motivation, es weiterzuspielen. Man gewinnt auch den Eindruck, etwas mehr Feintuning sei notwendig gewesen, die Balance schwankt von öde bis knackig schwer. Die größte Ohrfeige und möglicherweise der Todesstoß für das Spielprinzip von Spore ist aber der absolut kundenfeindliche Kopierschutz. Ich wusste anfangs noch nicht davon, und habe das Game auf zwei verschiedenen Rechnern installiert und auch wieder deinstalliert. Mit dem Ergebnis, dass ich es maximal noch einmal wo installieren kann und dann ist Schluss mit Lustig. Wenn man davon ausgeht, dass das Spore-Universum auch und besonders von den Schöpfungen anderer Spieler lebt, die das Game legal spielen, dann sehe ich jetzt schon schwarz. Laut Gamernode.com scheint Spore nämlich bereits über 500.000 mal illegal heruntergeladen worden zu sein. Damit ist die Gott-Simulation von Will Wright auf dem Weg, dass am meisten illegal heruntergeladene Spiel der Geschichte zu werden. Derweil bleibt EA hart: Trotz der Kritik der Community am Spore-DRM, hält EA weiterhin daran fest. Mariam Sughayer von EA erklärte, dass weniger als 25% der PC-Benutzer ihre Spiele mehr als ein Mal installieren. Weniger als 1% der Spieler versuchen ihr Spiel mehr als dreimal zu installieren. Es gebe also laut Sughayer keinen Grund das bestehende DRM-System zu ändern.

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