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Termin in Bonn

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Tod um Tod. Todestage um Todestage erscheinen in den Medien. Einmal ist es der 50ste, einmal der 100ste, einmal der 25ste. Tagtäglich warten die Newsfabriken darauf gefüllt zu werden. Tote sind begehrtes Futter. Ich fühle mich als Sargwächter, eine durchaus zeitnahe Rolle. Dieser Tage steigt vor mir Paul Lafargue (+1911) im Sarg aus und ein. Die Bühnenfassung „Recht auf Faulheit“ ist als Groteske im Theater „Wagabunt“ in Dornbirn gelandet. Nächste Woche nehmen sich die schicken Mainstream-Saloneure in Lech dieses Themas an. „Ihr breitgestirnten Philosophen, die ihr nur die alte abgelebte Moral wiederzukäuen wisst …“ würde Lafargue sagen. Vor ein paar Tagen sah ich die Corleones fallen, weil ich mir einmal mehr die Paten-Trilogie auf Sat3 angesehen habe. „Macht besiegt die Machtlosen“.

Am Dienstag wird der Tod Heiner Geißlers gemeldet. Sein Geist trifft mich. Der Mittwoch beginnt wieder mit einem Toten. Philippe K. Dick hat den 35sten Todestag. Ö1 Radiokolleg: Vom Trash zur Transzendenz. Dick zwischen Pulp fiction, philosophischer Sinnsuche, Drogenexzessen und religiösen Visionen: Spraydosen, die Gott enthalten. Jesus, der einem Astronauten den Kopf abbeißt. Das Leben im Sinnesweltensturm ist anstrengend.

„Wiegen Gotteszweifel im Alter besonders schwer?“, fragte DIE ZEIT Heiner Geißler im März 2017.

Seine Antwort: „Von 100 Leuten sterben 100. Ich habe keine Angst.“ Mir fällt ein, dass ich einmal bei ihm im Büro war. Ich hatte einen Termin bei ihm, in Bonn, bei einem der letzten Bundestage im alten Bundeshaus. Aber wann war das? Die letzte Sitzung hat dort am 1. Juli 1999 stattgefunden, vor 18 Jahren, stell ich fest. Ich suche die alten Kalenderbücher heraus, finde sie aufgestapelt in einem der Fächer, die ich fast nie öffne. Tatsächlich ist 1999 dabei. 1. Juli nichts. Ich blättere zurück. Tatsächlich entdecke ich am 24. Juni 1999: 11 Uhr Bonn Büro Dr. Geißler. Auf derselben Seite steht noch Poetry International. War das Maastricht oder Dornbirn? Erinnerungsfäden laufen ins Nichts. Bin ich damals mit dem R19 gefahren oder mit dem Zug? Egal.
Heiner Geißler, ich kannte ihn vom Laboratorium der Aktion MitArbeit in St. Gerold, hat mir damals so imponiert, dass ich ihn aufgesucht habe, um eine Idee zu besprechen. Ich wollte mit ihm überlegen, ein Gegen-Davos zu gründen, kein Weltwirtschafts- sondern ein Weltsozialforum. Er hielt die Idee für gut, machbar und wichtig und nannte gleich etliche große Partner, die dafür zu gewinnen wären, bzw. gewonnen werden müssten. Nach dem Gespräch zeigte er mir den alten Bundestag , denn es war eine der letzten Sitzungen vor dem Umzug nach Berlin. Jetzt, wo er gestorben ist: Könnte bitte jemand anderer das Gegen-Davos gründen?

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