29. September 2009 09:45; Akt.: 29.09.2009 09:45

"Tatort Frastanz": Für den guten Zweck im Einsatz

Die Kölner Tatort-Kommissare Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt waren am Sonntag in Frastanz zu Gast Die Kölner Tatort-Kommissare Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt waren am Sonntag in Frastanz zu Gast - © VMH/ Roland Paulitsch
Frastanz – Die beiden Tatort-Kommissare Klaus J. ­Behrendt (49) und Dietmar Bär (48) stehen nicht nur gemeinsam vor der Kamera. Sie sind auch privat seit Jahren ein Team.

Ehrenamtlich setzen sich die Schauspieler für philippinische Straßenkinder ein. Zum 25-jährigen Jubiläum des Frastanzer Weltladens kamen sie am Sonntag gleich nach der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in Köln nach Vorarlberg.

NEUE:

Sie setzen sich mit Ihrem Verein „Tatort - Straßen der Welt e.V.“ für philippinische Straßenkinder ein. Wie kam es dazu?

Bär:

Wir drehten 1997 eine Tatort-Folge über das Thema Sextourismus in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Was in den Slums vor sich geht, begreift man erst, wenn man vor Ort ist. Wir haben den ganzen Tag gedreht und saßen dann abends in unserem schönen Hotel an der Bar. Es war wie in einer anderen Welt. An diesem Abend haben wir beschlossen, dass wir etwas unternehmen müssen. Im Frühjahr 1998 gründeten wir gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Tatort-Teams dann den Verein.

Behrendt:

Eine Betroffenheit verspürt jeder Mensch. Wir leben in einem gewissen Luxus, den wir genießen. Aber das hat ein gewisses Maß an Selbstverständlichkeit bekommen. Wenn man mit eigenen Augen sieht, wie Menschen in Pappkartons von der Größe einer Waschmaschine leben, wird einem das wieder bewusst. Wie kam es überhaupt zu der Tatort-Folge in Manila?

Bär:

Es war ja eine Premiere, dass in Asien gedreht wurde. Die Folge hat aber einen realen Hintergrund. Ein junges philippinisches Mädchen, Malin, wurde nach Deutschland gebracht. Sie wurde in einem Sexring vermietet und hat mehrere Monate irgendwo im Untergrund verbracht. Sie wurde in einem Haus festgehalten und missbraucht, ehe sie gefunden wurde. Die Prozesse um diesen Fall haben unseren Regisseur Niki Stein, auf die Idee gebracht, das Problem zu thematisieren. Er hat dann damals den Tatort-Film „Manila“ gedreht. Die Geschichte der Folge startete in Deutschland, der Showdown passierte dann in Asien, in Manila. Was uns besonders freut: Malin, mittlerweile eine junge Frau, arbeitet als Sozialarbeiterin in einem unserer Sozialzentren und hilft Mädchen, die das gleiche Schicksal erleiden mussten. Welcher Art ist Ihre Unterstützung?

Behrendt:

Wir sind nur ein kleiner Verein und können dadurch natürlich nicht allen gleichzeitig helfen. Wir setzen uns vor allem für philippinische Gefängniskinder ein. Dort werden Kinder für Bagatelldelikte monatelange eingesperrt. Sie leben dort auf engstem Raum in Käfige gesperrt, drei Etagen übereinander. Keiner kann aufrecht stehen und es gibt nicht einmal soviel Platz, dass alle gleichzeitig liegen könnten. Es ist düster und feucht. Das ist Käfighaltung - aber mit Kindern! Die Kinder werden nach dem Erwachsenenstrafrecht behandelt. Ein Junge hatte einen Kupferdraht geklaut und kam dafür sechs Monate in dieses furchtbare Gefängnis. Wir wollen diese Kinder rauskriegen und ihnen eine Ausbildung geben. Wie helfen Sie den Menschen genau?

Behrendt:

Das Ganze ist ein Kreislauf. Es kommen viele Menschen aus ländlichen Regionen in die Hauptstadt Manila und landen auf der Straße. Wenn man diesen Kreis am Anfang durchbrechen und einem normalen Bauern faire Preise bezahlen würde, dann würde er auch auf seinem Hof bleiben. Dann könnte dieser Bauer seine Kinder ernähren. Wenn man ihm keinen fairen Preis zahlt, schmeißt er seine Arbeit am Bauernhof hin im Glauben, in der Großstadt etwas besseres zu finden. Das passiert aber nicht. Es endet meistens so, dass die Kinder in der großen Stadt irgendwann verschwinden. Wir versuchen, das Problem an der Wurzel zu packen.

Bär:

Wir kooperieren mit den Weltläden. Durch die fair gehandelten Produkte, wie etwa die Fruchtgummiäffchen „Mango Monkeys“ bekommen die philippinischen Bauern eine anständige Entlohnung. Zudem sammeln wir Spenden, versuchen die Kinder aus den Gefängnissen zu holen und bauen Häuser, in denen die Kinder betreut werden. Wir arbeiten eng mit der Organisation PREDA auf den Philippinen zusammen, damit wir den Gefängniskindern eine Zukunft geben können. Organisieren Sie das alles selbst?

Behrendt:

Wir haben als Schauspieler natürlich einen vollen Terminplan. Ohne unsere Geschäftsführerin Ulrike Thönniges und Pater Shay Cullen, der für PREDA unermüdlich im Einsatz ist, würde das nicht funktionieren. Aber wir gehen - sozusagen als Leuchtreklame - vorneweg. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass es uns sehr gut geht und wir davon etwas abgeben können. Für uns ist es wichtig, immer wieder vor Ort zu sein und zu sehen, wo die Gelder hinfließen. So wissen wir, dass sie auch wirklich ankommen. Was hat sich in den letzten zwölf Jahren getan?

Behrendt:

Mit den Spenden für unseren Verein wurde ein Ausbildungszentrum gebaut. Es wird im Dezember eröffnet. Ich fliege dann auch wieder hin. Außerdem gibt es eine Ausstellungswerkstatt und es wurde ein Wohnhaus für 100 Jungen gebaut.

Bär:

Das habe ich letztes Jahr eröffnet. Das war wirklich alles mit den Mitteln des Tatort-Vereins. Es wird gerade auch noch ein Haus für Mädchen gebaut. Auf den Philippinen ist man ja sehr katholisch, da muss alles streng getrennt sein. Frastanz ist ja nicht gleich ums Eck. Wieso sind sie hier?

Behrendt:

Der Frastanzer Welt- laden hat für unseren Verein Spenden gesammelt und uns zu seinem 25-jährigen Jubiläum eingeladen. Da dachten wir: Okay, dann stehen wir eben ein bisschen früher auf und fliegen hinunter. Unser Verein ist ja in den letzten Jahren um einiges gewachsen, aber wir hoffen natürlich, noch mehr erreichen zu können. Wir wünschen, dass es noch viel weitere Kreise zieht.

ZUR PERSON

Bär als Tatort-Kommissar Freddy Schenk und Behrendt als Max Ballauf stehen seit 1997 gemeinsam vor der Kamera. Insgesamt haben sie 42 Folgen für den Kölner Tatort miteinander gedreht. Bär wohnt mit seiner Lebensgefährtin in Berlin. Behrendt lebt mit seiner zweiten Frau auch in Berlin. Er hat drei Kinder aus erster Ehe.

TV-TIPP

Sonntag, 4. Oktober, 20.15 Uhr, ORF 2: Neue Tatort-Folge „Platt gemacht“ Kommenden Sonntag sind die beiden Kommissare wieder auf Verbrecherjagd. Ballauf und Schenk müssen den Mord an einem Obdachlosen aufklären.


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