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Talent mit sozialer Ader

Im "Haus Abraham" in Feldkirch bringt Neven Trobonjaca Asylwerbern das Schreinern bei. Im "Haus Abraham" in Feldkirch bringt Neven Trobonjaca Asylwerbern das Schreinern bei. - © VN/WP
Feldkirch – Neven Trobonjaca gibt sein handwerkliches Können an Flüchtlinge weiter. Studiert hat er Philosophie.

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Zwei Gegensätze, die Liebe und der Krieg, verschlugen Neven Trobonjaca im Jahr 1996 von Kroatien nach Vorarlberg. Seit mittlerweile neun Jahren arbeitet er als Flüchtlingsbetreuer in Feldkirch. In der Tischlerei im Flüchtlingshaus „Haus Abraham“ baut er gemeinsam mit den Asylwerbern Kommoden, Tische, Betten und andere Möbel für die Caritas. Sein Geschick im Umgang mit Holz hat er sich selbst beigebracht. Aber der Reihe nach: Der heutige Sozialarbeiter studierte an der Universität von Zadar Philosophie und Soziologie. Seinen Beruf konnte Neven dort nie ausüben – als er promovierte, begann der Krieg in Jugoslawien. „Ich gehöre einer Minderheit an. Deshalb, und weil meine Frau Natascha bereits in Vorarlberg lebte, verließ ich Kroatien.“ Neven sieht sich trotzdem nicht als Flüchtling. Aus seiner Heimat ging er mit dem Gedanken fort, in ein bis zwei Jahren wieder zurückzukehren. Es kam anders.

Schwerer Anfang

Mittlerweile lebt der 47-Jährige seit gut 16 Jahren in Vorarlberg. „Seitdem lebte ich immer in Bregenz – der Anblick des Bodensees beruhigte mich nach meiner Ankunft sehr. Ich bin den Anblick des Meers gewohnt, da ich in der Stadt Sibenik an der wunderschönen Küste Dalmatiens aufgewachsen bin.“ Mit seiner Frau Natascha hat er heute drei gemeinsame Kinder – Pavle (9), Maksim (7) und Konstantin (7). Fuß zu fassen sei zu Beginn schwer gewesen. „Mit meiner brotlosen Ausbildung und ohne Deutschkenntnisse blieb eben nur ein ‚realer‘ Beruf übrig“, erklärt Neven lachend. Also begann er als Hausdiener im Bregenzer Nobel-Hotel „Weisses Kreuz“ zu arbeiten.

Die Liebe zur Tischlerei

In seiner Freizeit entdeckte Neven seine Liebe zur Tischlerei. „Wir haben in Dalmatien nicht so viel Holz wie in Vorarlberg. Im Grunde gibt es dort nur Wasser und Steine. Holz als Material, beziehungsweise den kreativen Umgang damit, habe ich hier schnell entdeckt.“ Er kaufte sich eine Bohrmaschine und begann, andere Handwerker zu beobachten und sich deren Kniffe anzueignen. Auf die Frage, was einen Geisteswissenschafter am Tischlern interessiert, sagt Neven: „Die Philosophie ist dem Tischlerhandwerk sehr ähnlich. Eine Kommode oder einen Schrank aus einem Baumstamm zu bauen, ist für mich vergleichbar mit dem Auswählen von Fakten aus einem Meer von Details. Außerdem war meine Situation damals sprichwörtlich beschissen.“ Das Schreinern sei eine Art Brücke zwischen der Philosophie und der existenziellen Notwendigkeit, sein Brot verdienen zu müssen.

Dankbarkeit

2003 bekam Neven die Möglichkeit, als Sozialarbeiter bei der Caritas anzufangen. „Ich hatte zuvor nie etwas mit Sozialarbeit zu tun, aber in den neun Jahren habe ich sehr viel gelernt.“ Weil die Bewohner nicht länger in den alten Armeebetten schlafen wollten, entstand die Idee, Flüchtlingen das Schreinern beizubringen. „Wir betreuen und verpflegen hier Menschen, die unfreiwillig Unterstützung beziehen. Sie dürfen nicht arbeiten – ein Systemfehler, der viele kaputtmacht. Die Beschäftigung gibt ihnen das Gefühl, etwas wert zu sein – genau wie mir damals.“ Seine Erfahrungen als Soziologe und Sozialarbeiter gibt er in Vorträgen weiter. „Ich bin dankbar für das, was ich hier erreichen konnte.“ Momentan wartet der Familienvater auf seinen österreichischen Pass. Denn: „Die Staatsbürgerschaft ist für mich eine emotionale Bindung – das ist nicht kitschig gemeint. Ich möchte einfach mitreden können …“

Zur Person

Neven Trobonjaca Geboren: 16.4.1964 Wohnort: Bregenz Familie: verheiratet, drei Kinder Ausbildung: Promotion in Soziologie und Philosophie Beruf: Flüchtlingsbetreuer bei der Caritas Vorarlberg

(VN/wp)

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