“Sugar Mamas”: Ältere Österreicherinnen halten sich junge Flüchtlinge für Sex

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Auch in Österreich wird das Phänomen der "Sugar-Mamas" diskutiert.
Auch in Österreich wird das Phänomen der "Sugar-Mamas" diskutiert. - © AFP
Sie wollen Sex – im Gegenzug gibt es Geld und Geschenke: Immer mehr junge, gutaussehende Flüchtlinge haben Verhältnisse mit Sugar Mamas. Die jungen Männer begeben sich damit oft in Abhängigkeitsverhältnisse.

Sogenannte “Sugar Mamas”, dieser Begriff war bislang mit einem Sextourismus-Phänomen verknüpft. Der Film “Paradies: Liebe” griff im Jahr 2012 die Thematik auf: Ältere, alleinreisende Frauen, die in ein Urlaubsresort nach Kenia fliegen, um dort für Geld die körperliche Nähe von “Beach Boys” zu gewinnen.

Doch auch in Österreich wird das Phänomen nun diskutiert: Mit der Flüchtlingswelle 2015 kamen viele alleinstehende, junge Männer nach Österreich. Immer mehr von ihnen landen aber in Abhängigkeitsverhältnissen. Wie das Magazin “Biber” sowie ZiB2 berichten, sollen immer mehr junge Flüchtlinge Verhältnisse mit “Sugar Mamas” haben. Heißt: Wesentlich ältere Frauen unterstützen junge, gutaussehende Flüchtlingsmänner mit Geschenken oder finanziellen Zuwendungen – und erwarten sich dafür Sex. Auch Flüchtlingshelferinnen würden sich darunter befinden.

Im ORF-Beitrag erklärt “biber”-Chefreporterin Melisa Erkurt, dass sie schon die Sorge hatte, dass alle Flüchtlingshelferinnen nun damit in Verbindung gebracht werden könnten. Aber angesichts der teilweise tragischen Schilderungen der jungen Männer hätte sie es für falsch gehalten, das Thema totzuschweigen. Denn für viele Flüchtlinge ist die Situation äußerst belastend.

“Sie will viermal am Tag Sex mit mir”

So erzählt etwa Hasan* dem “biber“: “Sie will viermal am Tag Sex mit mir, ich bin eine Sexmaschine für sie, mehr nicht.“ Der 24-jährige Iraker ist vor drei Jahren nach Österreich geflohen. In seiner Heimat war er ein professioneller Bodybuilder, in Österreich fühlt er sich wie ein Niemand, wie ein Kleinkind. Vor acht Monaten, berichtet der “biber”, habe ihn eine Frau um die Fünfzig in einer Bar angesprochen. “Du bist so sexy, willst du mit zu mir?“, hätte sie ihn nach ein paar Drinks gefragt. Hasan* teilte sich zu dem Zeitpunkt eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit acht anderen Flüchtlingen. Als die Frau ihm schließlich anbietet, zu ihr zu ziehen, zögert er deshalb nicht lange. Dass die Frau ihn liebt, glaubt Hasan* jedenfalls nicht: “Sie möchte nicht, dass ihr Umfeld von mir erfährt, sie will nur Sex von mir, sonst nichts”. Dafür bezahlt sie ihm seinen Fitnessstudio-Beitrag, Kleidung und seine Handyrechnungen. Der Preis dafür ist totale Abhängigkeit. “Sie will, dass ich nur ihr allein ständig zur Verfügung stehe”, klagt der Iraker.

Melisa Erkurt und Bilal Albeirouti recherchierten für “Biber” – Screenshot/ORF ©

“Es herrscht große Abhängigkeit”

Manfred Buchner vom Männergesundheitszentrum (MEN) kennt den Grund, wieso Hasan* bleibt: “Es herrscht eine große Abhängigkeit. Nicht nur psychisch, sondern auch materiell. Vielen dieser Männer droht die Obdachlosigkeit, der Verlust eines Bezugspunktes, wenn sie gehen.”

“Es handelt sich um Missbrauch”

Peter Stippl, der Präsident des österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie, stellt gegenüber “Biber” auch klar, dass Männer wie Hasan* keine klassischen Opfer sind, da sie jederzeit gehen könnten: “Die Männer werden materiell verführt und nicht vergewaltigt. Es handelt sich hier aber sehr wohl um Missbrauch, der immer dann stattfindet, wenn Not und große materielle Unterschiede zur Befriedigung sexueller Bedürfnisse der Reichen eingesetzt werden.”

“Scheinbar normal”

Das Beispiel von Behar* (22) zeigt, dass die Flüchtlinge, die in Abhängigkeitsverhältnisse geraten, teilweise noch minderjährig sind. Behar lernt als damals 17-Jähriger auf einer Party eine 33-Jährige kennen. Sie nimmt ihn zu sich nach Hause, sie zeigt ihm einen Porno. Es kommt zu Sex. Ein 16-jähriger Freund, der ebenfalls aus Afghanistan geflohen ist, sagt ihm, dass das scheinbar normal ist. Wenige Monate später landet Behar wegen einer Verletzung im Krankenhaus. Die 40-jährige behandelnde Ärztin lädt ihn zu ihr nach Hause ein. Dort haben sie Sex. Was sich anhöre wie klischeebehaftete Männerphantasien, sei für Behar, der als Model durchgehen könnte, nichts Ungewöhnliches, lautet es im “Biber”-Bericht.

Stalking und Drohungen

Ein weiterer Fall – jener von Tarek* (26) – zeigt, dass diese Beziehungen aus einem weiteren Punkt äußerst problematisch sein können. Er lernt eine Frau im Deutschkurs kennen – sie ist 51 und gibt ihm und anderen Flüchtlingen Deutsch-Unterricht. Die Frau fragt ihn, ob er zu ihr, ihrem Mann und ihrer 20-jährigen Tochter ziehen möchte. Zuerst sieht er die Frau als Mutter-Figur an. Doch sie wird immer anhänglicher. Tarek* spürt, dass die Frau mehr will. “Als ich schließlich gesagt habe, dass ich ausziehen möchte, hat Petra* gedroht, wenn ich ausziehe, dafür zu sorgen, dass mein 17-jähriger Bruder abgeschoben wird.“ Geld, dass Tarek* durch Schwarzarbeit in einer Firma verdient, zahlt die Frau nur in Form von Geschenken und Kleidung aus. Tarek* ist mittlerweile ausgezogen – und wird noch immer von der Frau gestalkt.

Psychotherapeut warnt

Stippl sieht in dem Phänomen auf Anfrage vom “biber” eine ernste Gefahr. Bezahlter Sex kann psychische Folgen haben und zu einer Abwertung des Frauenbildes führen. “Für diese Männer ist das doppelt erniedrigend, weil sie aus einer Kultur kommen, in der der Mann das Sagen hat und jetzt müssen sie auf einmal einer Frau folgen”, warnt Stippl.

Vorarlberg: Bis dato noch keine Fälle bekannt

Wir haben bei der Caritas Vorarlberg nachgefragt, ob es Fälle wie die beschriebenen auch in Vorarlberg gibt. Elke Kager von der Caritas-Kommunikationsabteilung sagt, ihr seien bis Dato noch keine derartigen Fälle in Vorarlberg bekannt. Man werde der Sache aber nachgehen.

*Namen geändert, Anm.

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