24. Juni 2010 15:10; Akt.: 24.06.2010 15:10

Südafrika greift hart durch

Südafrika greift hart durch
Schnellgerichten und drakonischen Strafen sollen in Südafrika während der Fussball-WM die hohe Kriminalität vor Ort bekämpfen. Die Einheimischen sind beeindruckt.

Barbara Castelein und Mirthe Nieuwpoort hatten Glück im Unglück. Die Anklage gegen die beiden «Beer Babes» aus Holland wegen «”Schleichwerbung” wurde am Dienstag fallen gelassen. Sie hatten im Stadion ein oranges Kleid getragen, das von einer Bierbrauerei gesponsert wurde, die nicht zu den FIFA-Sponsoren gehört. Nun hat eines jener Schnellgerichte sie frei gesprochen.

56 Sondertribunale mit 110 Richtern, 260 Staatsanwälten und 200 Übersetzern wurden eingesetzt. Sie sollen ein Zeichen in der Bekämpfung der grassierenden Kriminalität setzen. Von gravierenden Fällen blieb man bislang verschont. Allerdings wurden mehrere Journalisten ausgeraubt, darunter auch den Moderator der Schweizer Nachrichten Matthias Hüppi. Die berichtete 20min.ch.

Fünf Jahre Strafe für Handydiebstahl

Der schwerste Fall betraf drei Reporter aus Portugal und Spanien. Sie wurden vor Turnierbeginn in ihren Hotelzimmern überfallen und ausgeraubt. Das Gericht urteilte schnell und hart. Die Räuber - zwei Simbabwer - wurden mit 15 Jahren Haft bestraft, ein nigerianischer Komplize mit vier Jahren. Auch in anderen Fällen zögerte die südafrikanische Justiz nicht mit drakonische Strafen: Ein Handy-Dieb erhielt fünf Jahre, ein Nigerianer, der mit gestohlenen WM-Tickets handelte, drei Jahre.

Die Einheimischen sind vom Tempo und der Härte faszinieren. Sie sind ein notorisch überlastetes Justizsystem gewohnt. “Wenn wir es auf solcher Geschwindigkeit halten könnten, wäre das wohl die beste Hinterlassenschaft dieser WM”, meinte die Oppositionspolitikerin Dianne Kohler-Barnard.

Alles nur Show?

Es gibt auch Skeptiker. Sie bemängeln , dass die Verfahren zu schnell abgewickelt würden und fünf Jahre Haft für den Diebstahl eines Handys unverhältnismässig seien. Andere glauben laut New York Times, dass die Schnellgerichte verschwinden, sobald die WM vorbei ist und die medienwirksam verurteilen Kriminellen bald freigelassen werden.

Weitere Kritiker bemängeln, dass nur die Symptome und nicht die Ursachen der hohen Kriminalität in Südafrika bekämpft werden. Allerdings verweisen Sicherheitsexperten darauf, dass die Verbrechensrate im ganzen Land bereits einen bemerkbaren Rückgang erfahren hat und das nicht nur an den WM-Standorten.

Auch Hooligans werden verurteilt

Die Arbeit der Schnellgerichten wirdaber weitergehen, da sie auch für ausländische Hooligans zuständig sind. Zu diesen zählt auch der englische Fan Pavlos Joseph, der am letzten Freitag nach dem miesen 0:0 gegen Algerien angeblich in die Kabine der “Three Lions” vordrang und damit Sicherheitsmängel aufzeigte. Er muss am Freitag vor dem Richter erscheinen, ihm droht bis zu einem Jahr Gefängnis.


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