"Darabos war selbst Olympia-Tourist"

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Unstimmigkeiten zwischen Norbert Darabos (li.) und ÖOC-Präsident Stoss (re.) Unstimmigkeiten zwischen Norbert Darabos (li.) und ÖOC-Präsident Stoss (re.) - © APA
ÖOC-Präsident Stoss ärgert sich über Sportmi­nister: “Das ist schon sehr an­maßend.” Auch ein vermeintlicher Geheimplan um Peter Schröcks­nadel stößt bei ihm auf Unverständnis.

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Die auch drei Tage vor Schluss für Österreich noch medaillenlosen Sommerspiele in London lassen die Reformaufrufe immer lauter werden. Sportminister Norbert Darabos, der sich schon in der ersten Woche in London kritisch geäußert hatte, wiederholt im "Kurier" (Freitagausgabe) seine Forderung nach einer Totalreform des Sportfördermodells. Auf den Darabos-Vorwurf, dass das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) die Ergebnisse schönrede, reagierte ÖOC-Präsident Karl Stoss noch am Donnerstagabend im Londoner ORF-Olympiastudio. "So etwas ist schon sehr anmaßend", sagte Stoss.

Stoss bedauerte am Tag, an dem mit den Kanutinnen Yvonne Schuring/Viktoria Schwarz die letzten ganz großen Medaillenhoffnungen nur auf Rang fünf gelandet waren, die Darabos-Aussagen speziell deshalb, "weil er selbst als Tourist hier war und gesehen hat, was wir tun." Stoss betonte deshalb: "Wir geben uns sicher nicht zufrieden mit fünften Plätzen. Wir sollten stattdessen vernünftig diskutieren. Ich habe paar Vorschläge, die werde ich auf den Tisch legen."

Dabei verfolgt das ÖOC offenbar prinzipiell ohnehin ähnliche Ideen. "Man muss alle Aktivitäten im Spitzensport in eine Verantwortung geben. Das ist bis jetzt nicht der Fall", hielt Stoss fest. Allerdings sei zu bedenken, dass das ÖOC keinen Einfluss auf die Fachverbände habe. "Wir bekommen die Sportler erst einige Tage vor Olympia. Wir können nur Rahmenbedingungen schaffen, Außenquartiere organisieren, Akkreditierungen bereitstellen, Ruhezonen und ein ordentliches Österreich-Haus organisieren."

"Die anderen schlafen auch nicht"

Die bisherige Medaillenlosigkeit kommentierte Stoss so: "Die anderen schlafen auch nicht. Wir müssen daraus lernen und Anleihe nehmen, was die Konkurrenten im Aufbau gemacht haben." Dass sich die schlechtesten Sommerspiele seit Tokio 1964 abzeichnen, ist laut Stoss "natürlich bitter." Dennoch verwies der ÖOC-Präsident auch noch am Donnerstagabend darauf: "Bilanz ziehen wir am Schluss. Dann werden wir ordentlich Bilanz ziehen müssen. Wir werden mit Athleten und Betreuern Resümee ziehen und auch darüber reden, was wir im Aufbau für Großereignisse machen können."

Geheimplan mit Peter Schröcksnadel

Dass laut Kronenzeitung (Freitagausgabe) ein "Geheimakt Rio" in der Schublade des Sportministers liege, wonach eine kleine, von Skiverbands-Präsident Peter Schröcksnadel angeführte Gruppe von Top-Athleten für Rio 2016 aufgebaut werden soll, erzeugte bei Stoss insofern "Belustigung", als dies vom aktuellen Stil zeuge. "Da werden Dinge =geheim= besprochen statt in Gremien."

Austeilen über Medien sei jedenfalls nicht sein Stil. "Meine erste Tätigkeit im ÖOC war, Peter Schröcksnadel als meinen Vizepräsidenten vorzuschlagen, denn der ÖSV ist der erfolgreichste Fachverband den wir haben. Aber wer in einer Arbeitsgruppe etwas übernimmt, entscheiden wir schon selbst. Dafür brauchen wir keine ministeriale Order."

Dass - wie übrigens auch in Deutschland - die Medaillenbilanz in Österreich klar nach unten gehe, wollte Stoss nicht explizit so sehen. "Athen (7 Medaillen/Anm.) war ein angenehmer, überraschender Ausreißer. Im langjährigen Schnitt hat Österreich (im Sommer/Anm.) immer drei Medaillen gemacht. Dass einiges nicht so gelaufen ist, steht außer Zweifel, da gibt es nichts zu beschönigen", sagte Stoss. "Wir werden das daher in den Gremien besprechen und dann die Öffentlichkeit informieren."

(APA)

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