Stöger sieht Anzeichen der Stabilisierung des Arbeitsmarkts

Stöger: "Für echte Trendwende braucht es weitere Anstrengungen"
Stöger: "Für echte Trendwende braucht es weitere Anstrengungen" - © APA
Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) sieht Anzeichen einer Stabilisierung des Arbeitsmarkts. “Schon in den letzten Monaten hat sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit spürbar verringert. Ich rechne in den nächsten Monaten mit Schwankungen zwischen minimalen Anstiegen und leichten Rückgängen. Für eine echte Trendwende braucht es aber weitere Anstrengungen und Impulse”, erklärte er in einer Aussendung.

Stöger verweist auf die Qualifizierungsoffensive und das Wirtschafts- und Arbeitsmarktpaket. Die jüngst beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung, die im Jahr 2017 in Kraft treten, sollen 30.000 zusätzliche Ausbildungsplätze bringen, 20.000 Arbeitsplätze sichern und 10.000 neue Jobs schaffen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der auch international noch immer gedämpften Wirtschaftsentwicklung seien auch in Zukunft weitere Maßnahmen nötig. “Die Zahlen geben keinen Anlass zur Freude und noch weniger ist es angebracht, die Hände in den Schoß zu legen. Im Gegenteil, die gute und gemeinsame Arbeit der Koalition in den letzten Wochen muss uns jetzt weiter anspornen”, meint der Minister.

Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske fordert einmal mehr eine Arbeitsmarktoffensive: Öffentliche Investitionen, faire Verteilung der Arbeit und ein Ausbau der Aus- und Weiterbildung sollen die hohe Arbeitslosigkeit bekämpfen. Von der Umsetzung dieses Plans erwartet sich der AK-Präsident bis 2020 eine Reduktion der Arbeitslosigkeit um 100.000 Betroffene. Zudem drohe eine wachsende Zahl von Arbeitnehmern, dauerhaft an den Rand des Arbeitsmarktes gedrängt zu werden. Für sie brauche es neben der Lösung der individuellen sozialen Probleme auch eine Beschäftigungsgarantie in Form dauerhaft geförderter Arbeitsplätze, etwa für Arbeitsuchende über 50. Das Arbeitsmarktpaket der Bundesregierung – Aufstockung des AMS-Personals um 400 Vollzeitstellen, mehr Mittel für Personal in den Bereichen Migration, Integration, Sicherheit und Bildung sowie mehr Mittel für öffentliche Investitionen – bilde zwar für Kaske durchaus Schritte in die richtige Richtung, sei aber zu wenig. Zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit, aber auch wegen der Herausforderungen durch die Digitalisierung führe kein Weg an einer Arbeitszeitverkürzung vorbei.

Die Wirtschaftskammer sieht trotz der jüngsten erfreulichen Entwicklung ebenfalls noch keine Entwarnung am Arbeitsmarkt. “Trotz nur moderatem Wachstum haben die Unternehmen ihren Personalstand kräftig aufgestockt. Das bedeutet aber noch keine Entwarnung, zumal das Arbeitskräfteangebot auch infolge der Asylzuwanderung noch kräftig steigen wird”, kommentiert Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer (WKÖ). Daher müsse man jetzt die Beschäftigung “effektiv anfeuern”: Eine nachhaltige Senkung der Lohnnebenkosten, mehr regionale Mobilität am Arbeitsmarkt und Ausbau der betriebsnahen Weiterbildungen stehen auf der WKÖ-Wunschliste. Gerade im Tourismus gebe es strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt. So stünden im Bezirk Pongau 398 offenen Stellen nur sechs vermittelbare Köche gegenüber, in Wien hingegen sei das Verhältnis 226 offene Stellen zu 1.019 vermittelbaren Köchen, die offenbar allesamt nicht bereit seien, in anderen Bundesländern Jobs anzunehmen. Das AMS sollte stärker überregional vermitteln.

Auch der ÖGB sieht bei weitem noch keine Trendumkehr. Kurzfristig können wir nun hoffen, dass das Arbeitsmarktpaket der Bundesregierung mit der personellen AMS-Aufstockung wirkt. Langfristig werden wir aber über verstärkte öffentliche Investitionen und eine Arbeitszeitverkürzung nicht herumkommen, wenn wir Österreich wieder in Richtung Vollbeschäftigung bewegen wollen”, erklärt der Leitende Sekretär des ÖGB, Bernhard Achitz. Die Gewerkschaft tritt für eine Arbeitszeitverkürzung ein, die vorhandene Arbeit müsse gerechter verteilt werden. Während einerseits die Arbeitslosigkeit Rekordhöhen erreich, würden sich andererseits Menschen mit überlangen Arbeitszeiten krankarbeiten. Laut der aktuellen Ausgabe des FORBA-Trendreport liegt die durchschnittlich geleistete Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in Österreich mit 41,5 Stunden an der Spitze, nur noch übertroffen von Großbritannien. Es gebe viele Möglichkeiten, etwa weniger Überstunden, niedrigere Wochenarbeitszeit oder die leichtere Erreichbarkeit der 6. Urlaubswoche.

(APA)

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