26. Februar 2010 13:28; Akt.: 26.02.2010 13:28

Stampfer kämpft trotz Start-Nachteil um Viererbob-Topresultat

Stampfer belegte im Training die Ränge acht und vier Stampfer belegte im Training die Ränge acht und vier - © APA
Nur drei Monate nach einer Bandscheibenoperation an der Halswirbelsäule kämpft Wolfgang Stampfer am Freitag und Samstag (jeweils 22.00 MEZ) um einen Spitzenplatz im olympischen Viererbob-Bewerb.

Der Tiroler gilt als einer der besten Piloten im Feld, er hat den nach zahlreichen Stürzen in der Zweierbob-Konkurrenz entschärften Eiskanal in Whistler im Griff. Das Manko am Start lässt sich allerdings nicht verleugnen, daher wäre ein Top-6-Rang für den 37-Jährigen schon ein Erfolg. Der Deutsche Andre Lange will wie in Turin 2006 das Gold-Double schaffen.

Der Triumph von Ingo Appelt mit dem Austria-Vierer bei den Winterspielen in Albertville liegt schon 18 Jahre zurück. In Kanada ist die Chance auf Edelmetall so wie bei den drei Winterspielen zuvor neuerlich gering. Das kommt nicht von ungefähr. Werden bei den Top-Nationen wie Deutschland und der Schweiz Millionenbeträge eingesetzt, so wird der Bobsport in Österreich von Idealisten getragen. Dennoch gibt’s immer wieder Achtungserfolge.

Etwa beim Bob-Bau. Stampfer verfügt über einen der schnellsten Schlitten und ist stolz darauf. Er hat selbst unzählige Stunden Arbeit in den von Hannes Wallner konstruierten Bob mit Karbon-Schale (Wert ca. 75.000 Euro) investiert. Das Projekt geriet zum vollen Erfolg, so mancher versucht es zu kopieren. “Wenn man selbst beim Bau so stark involviert war, hat man eine besondere Verbindung zum Gerät”, sagte Österreichs bester Pilot gegenüber der APA, “in Deutschland und der Schweiz werden Millionen investiert, aber die bringen auch nicht mehr zusammen.”

Auswirkungen hat freilich die bessere Betreuung bei den Top-Nationen. Im kleinen Austria-Team schleifen Pilot und Hinterleute selbst die Kufen, Jürgen Loacker und Christian Hackl arbeiteten nach einem Zweier-Sturz am Abend vor dem Rennen in Ermangelung von Serviceleuten sechs Stunden, um den Schlitten fahrbereit zu machen.

Und auch die Gruppe der starken Männer, die den Bob am Start in Schwung bringen, ist in Österreich relativ klein. Ex-Leichtathlet Martin Lachkovics ist mit 35 Jahren immer noch der Beste. Er fehlt in Whistler als letzter Mann, der am längsten anschiebt, allerdings im Vierer nach einer beim Aufwärmen für den Zweier erlittenen Verletzung. Christian Hackl nimmt seinen Platz ein, die zwei anderen Positionen sind wie gewohnt besetzt. Johannes Wipplinger, am Dienstag kurzfristig als Ersatz eingeflogen, schiebt auf Position zwei vor Jürgen Mayer.

Im Mittwoch-Training, das als Renntest genützt wurde, lieferte dieses Quartett um bis zu acht Hundertstel schnellere Startzeiten als am Vortag mit Jürgen Loacker. Auf die Besten fehlten aber immer noch zwei Zehntelsekunden. Stampfer weiß um den Nachteil. “Wichtig ist, dass wir so gut starten und einsteigen, dass man aufholen kann.” Voraussetzung dafür ist auch seine Klasse an den Lenkseilen. Die Kurven vier bis sechs (“Die mag ich nicht gar so, die sind nach oben hin so flach”) gelangen im vierten Trainingslauf sehr gut, im unteren Teil ist Stampfer ohnehin immer bei den Schnellsten. In drei der ersten vier Trainingsläufe erreichte er mit mehr als 150 km/h jeweils die Top-Geschwindigkeit.

Über eine angepeilte Platzierung wollte der ausgebildete Sport-und Geografie-Lehrer, der noch nicht entschieden hat, ob er noch eine Saison anhängt, nicht reden. “Natürlich schaut man bei einem Großereignis Richtung Medaillenränge”, sagte er. Sie zu erreichen wäre ein Traum. Voraussetzung wäre bereits ein starker erster Lauf. Doch da haben die Österreicher den Nachteil einer hohen Nummer. Stampfer: “Hoffentlich lässt die Bahn noch eine gute Zeit zu, wenn uns eine gute Fahrt gelingt, ist viel möglich. Dann wird die Motivation noch größer und wir fahren die restlichen Läufe im Kreis der Besten.”

Topfavorit ist Andre Lange, der seine dritte Vierer-Goldmedaille in Serie anstrebt. Er hat in Turin beide Bewerbe gewonnen und ist mit viermal Gold der erfolgreichste Pilot bei Winterspielen. Gefordert wird er vor allem von Weltmeister Steven Holcomb (USA), dem in Turin 2006 zweitplatzierten Russen Alexander Subkow (er hat schon Zweier-Bronze), dem Schweizer Ivo Rüegg und nicht zuletzt Lokalmatador Lyndon Rush.


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