Staatsopern-Gala für Placido Domingo

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Placido Domingo wurde gefeiert
Placido Domingo wurde gefeiert - © APA
Zu einer gefühlsbetonten Angelegenheit wurde am Freitagabend das Galakonzert für Placido Domingo zum 50. Jahrestag seines Debüts an der Wiener Staatsoper. Nicht nur, weil die Beziehung des Weltstars zu seinem Publikum eine besonders intensive ist und viele Besucher dem Sänger wohl schon seit Jahrzehnten die Treue halten, sondern auch, weil im Programm auf Sentiment Wert gelegt worden war.

Mit einem konventionellen Arien-Abend wäre man nur jener kurzen Phase in der Karriere des 76-jährigen Spaniers gerecht geworden, in der er an der Seite von Luciano Pavarotti und José Carreras als einer der “Drei Tenöre” durch die Stadien Europas zog. Doch Domingo, mittlerweile im Baritonfach am weiteren Ausbau seines großen Repertoires arbeitend, hat sich seinen Status als Opernlegende nicht als Blender, sonder als blendender Gestalter erarbeitet. Und so ging es auch an diesem Galaabend nicht ums Brillieren, sondern ums gefühlvolle Modellieren von Figuren mittels einer Stimme, die nichts an ihrer Wärme, ihrem Wohlklang und ihrer Volltönigkeit eingebüßt hat.

Unter dem Dirigat von Marco Armiliato gab es nach der “Nabucco”-Ouvertüre keine Wagner-Partien und auch keinen Ausflug ins französische Fach, sondern einen reinen Verdi-Abend. Konzertante Auszüge aus drei Opern boten Gelegenheit zu differenzierter Charakter-Gestaltung. Quasi zum Aufwärmen sang Domingo erstmals den eifersüchtigen Grafen Ankarström im dritten Akt von “Un ballo in maschera”, bei dem ihm u.a. eine höhensichere Ana Maria Martinez als Amelia und ein bestens disponierter Ramon Vargas als Gustaf III. zur Seite standen.

Höhepunkt des dreistündigen Abends wurde jedoch das 1. Bild des 2. Akts von “La traviata”. Als Giorgio Germont, den er zuletzt vor einem Jahr an der Staatsoper gesungen hatte, bot Domingo zum Weinen schöne Duette mit seinem Sohn Alfredo (glänzend: Dmitry Korchak) und dessen Geliebter Violetta (herausragend: Sonya Yoncheva), die mit langem Beifall quittiert wurden. Auch der 3. Akt rund um den sterbenden “Simon Boccanegra” geriet naturgemäß dunkel und schwermütig.

Danach ebbten die Wogen der Emotion kaum ab. Nach rund siebeneinhalb Minuten Beifall bremste Staatsoperndirektor Dominique Meyer die Fans, die sich mittlerweile nicht nur deswegen von ihren Sitzen erhoben hatten, um bessere Handy-Fotos ihres Lieblings machen zu können und die auch ein Transparent mit der Aufschrift “Placido, wie lieben dich” entrollten. Meyer lieferte zum Gefühlsüberschwang u.a. ein paar nüchterne Zahlen (“253 Auftritte – wie eine ganze Spielzeit nur mit Domingo!”) und überreichte dem “ausdekorierten” Kammersänger und Staatsopern-Ehrenmitglied dessen Kostüm aus “Andrea Chénier” als Geschenk.

Domingo, dessen 50-jähriges Wirken an der Staatsoper in zwei Ausstellungen im Gustav Mahler-Saal und im Theatermuseum sowie in einer eigenen Sonderpublikation gewürdigt wird, bedankte sich, mit den Tränen kämpfend, für die 50-jährige Liebe des Publikums und bei Kollegen, Staatsopernorchester und Staatsopernchor für die langjährige tolle Zusammenarbeit.

Dies sei “ein unvergesslicher Tag”, versicherte Domingo – und warb sogleich für seinen nächsten Auftritt. Am 11. Juni wird er in jener Oper zu sehen sein, in der er am 19. Mai 1967 erstmals auf der Staatsopernbühne stand, in Verdis “Don Carlo”, diesmal jedoch nicht in der Titelrolle, sondern als Marquis von Posa. Den Don Carlo singt Ramon Vargas, der – wie zuvor auch Meyer – den Jubilar nicht nur als vorbildlichen Kollegen, sondern auch als unermüdlichen Nachwuchsförderer würdigte: “Ohne Domingo wäre ich heute nicht hier.”

(APA)

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