31. Juli 2012 17:14; Akt.: 31.07.2012 17:14

Seefahrer-Mythos: “Frauen und Kinder zuerst”

Die Costa Concordia: Zuletzt zeugten die Taten ihres Kapitäns, Francesco Schettino, von wenig männlicher Ritterlichkeit. Die Costa Concordia: Zuletzt zeugten die Taten ihres Kapitäns, Francesco Schettino, von wenig männlicher Ritterlichkeit. - © EPA
“Jeder ist sich selbst der nächste” statt “Frauen und Kinder zuerst” – so ließe sich das menschliche Verhalten bei Schiffskatastrophen umschreiben.

 (2 Kommentare)

alt Korrekturen melden

Wie eine Untersuchung bei insgesamt 18 untergegangenen Schiffen zeigt, haben Frauen grundsätzlich schlechtere Überlebenschancen als Männer, Kinder gar die schlechtesten. Die Untersuchung lässt an einem weiteren beliebten Glauben zweifeln: Dass Kapitän und Besatzung das sinkende Schiff zuletzt verlassen. Crewmitglieder überleben deutlich häufiger als Passagiere, berichten schwedische Forscher in den “Proceedings” der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Männliche Ritterlichkeit auf “Titanic” als Ausnahme?

Der Glaube an die männliche Ritterlichkeit auf See wird vor allem durch den Untergang der “Titanic” gestärkt. Bei der Katastrophe starben mehr als dreimal so viele Männer wie Frauen. Einige Männer, die sich dem “Frauen und Kinder zuerst”-Befehl des Kapitäns widersetzten, sollen von der Crew erschossen worden sein. Ob das “Titanic”-Unglück 1912 eine Ausnahme oder die Regel war, ist kaum untersucht. Nur bei einem weiteren Schiffsunglück, dem Untergang der “Lusitania” im Jahr 1915, wurde bisher ermittelt, ob das Geschlecht die Überlebenschancen beeinflusste.

Frauen und Kinder eher zuletzt

Mikael Elinder und Oscar Erixson von der Uppsala Universität werteten Daten von insgesamt 18 Schiffsunglücken aus, an denen mehr als 15.000 Menschen aus 30 Nationen beteiligt waren. Das Ergebnis ist eindeutig: Frauen haben bei maritimen Katastrophen nicht bessere, sondern schlechtere Überlebenschancen als Männer. Nur beim “Titanic”- und einem weiteren Untergang wurden anteilig mehr Frauen gerettet als Männer, bei elf Katastrophen war es genau anders herum.

Die Überlebenschancen der Frauen stiegen, wenn der Kapitän den ausdrücklichen Befehl “Frauen und Kinder zuerst” ausgesprochen hatte. Dies war bei fünf Untergängen der Fall. Seit dem ersten Weltkrieg schrumpft der Abstand bei den Überlebenschancen zwischen Frauen und Männern, berichten die Forscher weiter. Sie führen das auf das gestiegene soziale Ansehen der Frauen zurück und auf deren größere Selbstständigkeit. Die Geschwindigkeit des Untergangs oder die vorherige Länge der Reise beeinflussten die Überlebenschancen nicht.

Auf britischen Schiffen sterben besonders viele Frauen

Schließlich räumt die Untersuchung noch mit einem weiteren Irrglauben auf – dem, dass vor allem die Briten auf See den galanten Retter geben. Tatsächlich sterben auf britischen Schiffen, die von einem britischen Kapitän und überwiegend britischer Besatzung geführt werden, besonders viele Frauen im Vergleich zu Männern. “Auf Grundlage unserer Analyse wird deutlich, dass der Untergang der “Titanic” außergewöhnlich in vielerlei Hinsicht war und dass das, was auf der “Titanic” geschah, eine Reihe von falschen Vorstellungen des menschlichen Verhaltens in Katastrophenfällen befeuert zu haben scheint”, schließen die Wissenschafter.

(APA)



Kommentare 2

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

Neuen Kommentar schreiben

 
1000
/1000 Zeichen übrig
 

HTML-Version von diesem Artikel

Mehr auf vol.at
70-jähriger Kärntner verletzte Sohn mit Motorsäge
Ein Streit zwischen einem 70-jährigen Pensionisten und seinem 49-jährigen Sohn hat Samstagabend in Kärnten mit [...] mehr »
Riesiger Jackpot sorgt in den USA für Lottofieber
Ein riesiger Jackpot bringt die US-Bürger ins Träumen: 600 Millionen Dollar (467 Mio. Euro) warten in der Lotterie [...] mehr »
Auto raste in den USA in Wanderer-Parade
Im US-Bundesstaat Virginia ist am Samstag ein Auto in eine Parade von rund 1.000 Wanderern gerast. 50 bis 60 Menschen [...] mehr »
Dutzende Verletzte bei Zugsunglück bei New York
Bei einem Zugsunglück im US-Bundesstaat Connecticut nordöstlich von New York sind mindestens 60 Menschen verletzt [...] mehr »
Entführer im Jemen wurden angeblich zum Aufgeben gezwungen
Der Wiener Dominik N. und das Paar aus Finnland sollen nicht freigelassen worden sein, weil Lösegeld gezahlt wurde, [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Jetzt meistgelesen auf VOL.AT

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Anmelden - oder ohne Registrierung diskutieren

Als VOL.AT User anmelden:




Passwort vergessen?

Unregistrierter User:

Bei unregistrierten Benutzern wird der Kommentar erst nach einer Prüfung freigeschaltet. Beleidigende, rassistische, ausfällige oder nicht themenbezogene Kommentare werden nicht veröffentlicht. Kommentare von eingeloggten Usern werden sofort veröffentlicht.

Neu registrieren



Werbung
Werbung
Werbung
Werbung