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Schwimmende Hütte mit Wohlfühlqualitäten

Dass das Haus, das sich die vierköpfige Familie Gort von Benjamin Miatto in Lustenau hat bauen lassen, so ausschaut, wie es ausschaut, hat nicht zuletzt mit dem Bauplatz zu tun.
Haus Gort, Lustenau

Der Boden, auf dem das Haus Gort steht, ist schwierig, weil tonig und somit äußerst labil. Hier einen Keller zu bauen, wäre viel zu aufwendig gewesen, weshalb das Haus auf der Basis eines geologischen Gutachtens auf eine Betonplatte gestellt wurde, die wiederum auf einer leicht schwimmenden, verdichteten Schotterschicht steht. Allein schon des Gewichts wegen lag es auf der Hand, das Haus komplett aus Holz zu bauen. Als klassischen Holzständerbau mit vorgefertigten Wandelementen und außen vom Bauherrn samt Freunden zur Gänze mit Fichte verkleidet.

Dass man ausgerechnet auf einen so schwierigen Bauplatz sein Haus stellt, hat ganz pragmatische Gründe. Der 725 Quadratmeter große Grund war im Besitz der Familie des Bauherrn. Im Elternhaus daneben haben Mathias und Veronika Gort und ihre zwei Kinder bis zum Umzug gewohnt und eine Tante lebt auch gleich nebenan. Dass sie sich ihr Haus von Benjamin Miatto planen ließen, war klar. Sind sie doch nicht nur mit ihm seit Langem befreundet, den Hausherrn und den Architekten verbinden auch berufliche Bande. Gort als Biologe und Kurator und Miatto als Ausstellungsarchitekt der inatura Erlebnis Naturschau in Dornbirn.

Der Geologie ist es letztlich auch geschuldet, dass das Haus 22 Meter lang und nur 8,45 Meter breit ist. Es ist prinzipiell eingeschoßig und in seinem Inneren unter dem Satteldach komplett offen. Was besonders dem 56 Quadratmeter großen zentralen Wohnbereich mit seiner Höhe von mehr als fünf Metern bis zu dem von verzinktem Stahlsprengwerk gehaltenen Giebel angenehme Großzügigkeit verleiht. Genauso wie den Zimmern für Sofia und Felix, die jeweils mit einer Galerie versehen sind, wo geschlafen wird, wodurch die Einheiten für die Kinder fast zu kleinen Häusern im Haus werden. Mittig verbunden durch ein gemeinsames Bad.

Dieser Kindertrakt liegt im Nordwesten des Hauses, das andere Ende ist bis in fünfeinhalb Meter Tiefe offen, aufgeständert auf zwei Betonstützen und am Boden mit Betonsteinen belegt. Hier stehen das Auto und der Wohnwagen der Familie im Trockenen, hier gibt es aber auch eine Bank und einen Tischtennistisch, sind die Fahrräder geparkt, liegt das Spielzeug der Kinder. Formuliert als wunderbar multifunktionaler Filter zwischen Innen und Außen, dem Ort für die Straßen- bzw. jenem für die Hausschuhe.

Der Haupteingang liegt an der nordöstlichen Front des Hauses. An das kleine Foyer schließen sich linkerhand ein Stau- und Wirtschaftsraum, ein WC sowie das Elternschlafzimmer samt in dieses raffiniert integrierte Bad an. Über eine Treppe gelangt man in einen über einer Zwischendecke aus Holz liegenden Raum, wo nicht nur die notwendige Haustechnik untergebracht ist, sondern wo auch die Wäsche trocknet, auf einem Tisch eine Nähmaschine steht, ein Sofa zum Chillen einlädt.

„Herz“ des Hauses ist allerdings der annähernd quadratische Wohnbereich. Hier wird gekocht, an einem großen Tisch gegessen, steht eine gemütliche Sitzgarnitur. Als Boden genügt im ganzen Haus der geschliffene Estrich, was einen reizvollen Kontrast zum Holz des offenen Dachstuhls abgibt und ideal für die Fußbodenheizung ist. Sie wird von einem großen, aus grauen Schamottziegeln gebauten Ofen gespeist, der im Wohnbereich steht. Er wird ausschließlich mit Holz befeuert, das vor dem Haus aufgeschichtet ist. Ganze vier Kubikmeter davon haben die Gorts im vergangenen Winter gebraucht, was fast lächerlich niedrige jährliche Heizkosten von 300 Euro bedeutet. Das Holz des schönen, aber sehr alten Birnbaums, der für den Hausbau weichen musste, wird im kommenden Winter die Familie wärmen.

Ein ganz klarer Raster ist charakteristisch für das Haus. Das sich Richtung Südwesten durch fünf Fenstertüren zu einer großen holzbeplankten Terrasse öffnet. Sie soll noch ein Dach bekommen, darüber, wie dieses ausschauen soll, sind sich die Hausherrn und der Architekt allerdings noch nicht ganz einig.

Daten und Fakten

Objekt: Haus Gort, Lustenau

Eigentümer: Veronika und Mathias Gort

Architektur: Gmeiner & Miatto Architekten, Hard; gmeiner-miatto.com

Statik: Plan 3, Andelsbuch; plandrei.at

Planung: 4/2014–3/2015

Ausführung: 4/2015–12/2015

Grundstücksgröße: 725 m²

Wohnnutzfläche: 128 m²

Bauweise: Holzständerbauweise mit Mineralwolledämmung 30 cm, Fassade hinterlüfteter Fichtenschirm, Bodenplatte Stahlbeton, Bodenbelag geschliffener Estrich, Bäder Zementfliesen

Besonderheiten: Holzofenheizung im Wohnraum als Ganzhausheizung

Eigenarbeit: Fichtenschirm, Terrassenbelag

Ausführung:
Baumeister: Keckeis, Lustenau
Zimmerer: dr‘ Holzbauer, Andelsbuch
Fenster: Schwarzmann Fenster, Schoppernau
Trockenbau: Homik, Dornbirn
Möbel/Türen: Jodo, Lingenau
Böden: Ebner Estriche, Lustenau
Heizung/Lüftung: Bernd Langer, Wolfurt
Elektro: Elektro Lohs, Hohenems
Ofenbau: Müller Ofenbau, Ludesch

Energiekennwert: 39 kWh/m² im Jahr lt. Energieausweis
(HWB) 25 kWh/m² im Jahr tatsächlich

Baukosten: ca. 320.000 Euro 

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Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Autorin: Edith Schlocker | Fotos: Karin Nussbaumer

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
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