6. Juli 2012 20:01; Akt.: 6.07.2012 20:01

Schweizer SNB geht massiv gegen Franken-Aufwertung vor

Euro/Franken notiert knapp über Mindestkurs von 1,20 Euro/Franken notiert knapp über Mindestkurs von 1,20 - © EPA
Die Schweizer Notenbank hat im Juni erneut mit Milliardenbeträgen im Devisenmarkt interveniert, um eine Aufwertung der eigenen Währung zu verhindern. Wegen der Euro-Schuldenkrise hält die Flucht internationaler Anleger in den Franken an.

 (2 Kommentare)

alt Korrekturen melden

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) muss Euro kaufen, wenn sie die Einheitswährung nicht unter den im September festgelegten Mindestkurs von 1,20 Franken absacken lassen will.

Weitere Franken-Aufwertung würde zu Export-Verteuerungen führen

Im Juni stiegen die Devisenbestände der Schweiz nach SNB-Angaben vom Freitag um rund 59 Mrd. auf 365 Mrd. Franken (304 Mrd. Euro). Bereits im Mai waren die Devisen um rund 68 Mrd. Franken angestiegen. Der größte Teil der Zunahmen sei auf Devisenkäufe zurückzuführen, erläuterte ein Sprecher der SNB.

Eine weitere Aufwertung des nach SNB-Einschätzung bereits deutlich überbewerteten Frankens würde die Schweizer Ausfuhren nach Euroland verteuern. Das Land müsste mit einer Rezession und mit noch mehr Druck auf die Preise rechnen, was zu einem Deflationsproblem führen könnte. Im Juni sanken die Verbraucherpreise um 1,1 Prozent nach einem Rückgang von einem Prozent im Mai. Für den schlimmsten Fall – etwa wenn die Eurozone auseinanderbrechen und eine Fluchtwelle in den Franken einsetzen würde – will die SNB auch Kapitalverkehrskontrollen oder Negativzinsen auf Guthaben von Ausländern nicht ausschließen. Wegen der Wahlen in Griechenland und der Probleme spanischer Banken war die Unsicherheit in der Eurozone im Juni besonders groß.

Der EU-Gipfel Ende Juni brachte etwas Ruhe in die Märkte. In den kommenden Monaten sollte die SNB nicht mehr so stark intervenieren müssen, erklärte der ZKB-Volkswirt David Marmet. Aber der Aufwertungsdruck dürfte anhalten. “Solange sich die Krise hinzieht, wollen die Leute ihr Geld in die Schweiz bringen”, sagte der Sarasin-Volkswirt Alessandro Bee. Am Freitag wurde der Euro wie seit längerem knapp über der 1,20-Franken-Marke gehandelt.

Kritik am Mindestkurs verstummt

Ihre Devisen, die inzwischen rund zwei Drittel des Schweizer Bruttoinlandsproduktes betragen, legt die SNB zu einem großen Teil in ausländischen Staatsanleihen an. Rund die Hälfte hält sie in Euro, gut ein Viertel entfällt auf den Dollar und der Rest verteilt sich auf Yen, Pfund Sterling und andere Währungen, zu denen neuerdings auch der südkoreanische Won zählt. Vorschlägen, nach dem Vorbild Norwegens einen Staatsfonds zu gründen und sich sogar an ausländischen Firmen zu beteiligen, lehnt die SNB ab.

Kritik am Euro-Mindestkurs ist in der Schweiz inzwischen verstummt. Auch Politiker der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) stellten sich Mitte Juni in einer Parlamentsdebatte hinter die Notenbank. Davor hatten sie kritisiert, die Schweiz mache sich mit der Kursuntergrenze von der Wirtschaftspolitik in der EU abhängig und der hohe Devisenbestand berge ein Verlustrisiken für die SNB.

(APA)



Kommentare 2

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

Neuen Kommentar schreiben

 
1000
/1000 Zeichen übrig
 

HTML-Version von diesem Artikel

Mehr auf vol.at
Offenbar massiver Personalabbau bei Siemens
Beim Industrieanlagenbauer Siemens VAI in Linz drohen offenbar Kündigungen. Laut Medienberichten sollen bis zu 400 [...] mehr »
Düstere Aussichten für Europas Stahlkocher
Massive Überkapazitäten und kaum Hoffnung auf eine Konjunkturerholung noch in diesem Jahr - der Präsident des [...] mehr »
EU-Kommission verliert bei Glücksspiel Geduld
Die EU-Kommission hat zahlreiche Staaten wegen ihrer Glücksspielgesetzgebung im Visier. In 20 Mitgliedsländern laufen [...] mehr »
EU-Parlament lehnt US-Hormonfleisch ab
Hormonfleisch, Chlorhühner und genveränderte Lebensmittel aus den USA sollen nach dem Willen des EU-Parlaments auch in [...] mehr »
Bill Gates ist wieder der reichste Mensch
Microsoft-Gründer Bill Gates darf sich wieder guten Gewissens reichster Mensch der Welt nennen. Nach dem [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Jetzt meistgelesen auf VOL.AT

Sie sind bei Facebook? Wir haben etwas Besonderes für Sie ...

Wenn Sie jetzt Ihren Facebook-Account mit %s verknüpfen, haben Sie einfachen Zugang zur beliebten Kommentar-Funktion auf %s, können Artikel einfach mit Ihren Freunden teilen - und auch selbst Fotos und Artikel auf %s hochladen.

{username}


Passwort vergessen?
{username}

Bitte max. 32 Zeichen verwenden

Ihren Benutzernamen können Sie hier ändern. Wir schlagen vor, dass Sie Ihren richtigen Namen verwenden, um an Diskussionen teilzunehmen.

Muss eine gültige E-Mail-Adresse sein

Benachrichtigungen und Newsletter (falls gewollt) werden an diese Emailadresse versendet. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig

{username}%s antworten

OK, {username} - nun ist alles eingerichtet.

OK

Der Benutzer mit dem Sie sich einlochen wollen ist noch nicht aktiviert. Bitte klicken Sie auf den Aktivierungslink den wir Ihnen an %s gesendet haben. Aktivierungsmail erneut schicken OK

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neu registrieren

Anmelden - oder ohne Registrierung diskutieren

Als VOL.AT User anmelden:




Passwort vergessen?

Unregistrierter User:

Bei unregistrierten Benutzern wird der Kommentar erst nach einer Prüfung freigeschaltet. Beleidigende, rassistische, ausfällige oder nicht themenbezogene Kommentare werden nicht veröffentlicht. Kommentare von eingeloggten Usern werden sofort veröffentlicht.

Neu registrieren



Werbung
Werbung
Werbung
Werbung