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„Mein Job wird immer polarisieren“

Sport-Kommentator Oliver Polzer im Wann und Wo Interview.
Sport-Kommentator Oliver Polzer im Wann und Wo Interview. ©MiK
Seit fünf Jahren lebt ORF-Sportreporter Oliver Polzer (44) in Schwarzach. W&W-Sonntagstalk beim Cup-Halbfinale.

WANN & WO: Verfolgst du die Spiele des FC Schwarzach?

Oliver Polzer: Aufgrund meiner Arbeit habe ich den Verein heuer noch nicht allzu oft live gesehen. Ich verfolge die Ergebnisse des Clubs aber und weiß, dass sie heuer richtig gut unterwegs sind. Der Einzug ins Cup-Finale über den FC Dornbirn heute hat das nur bestätigt – ich drücke meinem Verein auf jeden Fall die Daumen!

WANN & WO: Wie verliefen deine beruflichen Anfänge?

Oliver Polzer: Vor mittlerweile 21 Jahren habe ich den damaligen ORF-Sport-Chef bei einem Tennis-Event kennen gelernt, bei einem Studenten-Job im Catering. Wir kamen ins Gespräch, weil ich immer schon sehr sportinteressiert war. Schließlich wurde ich zu einer Vorstellungsrunde eingeladen. Beim Aufnahmetest habe ich mir eigentlich keine großen Hoffnungen gemacht – schließlich habe ich als Zweitbester von rund 100 Teilnehmern abgeschnitten und wurde für die Sport-Redaktion engagiert.

WANN & WO: Wer waren deine Mentoren?

Oliver Polzer: Ich hatte das große Glück, noch mit den Zimmers, Bergmanns, Hubers oder Seegers zusammenzuarbeiten. Vor allem Hans Huber und Robert Seeger haben mir viel mit auf den Weg gegeben.

WANN & WO: Welche Rolle spielt Sport in deinem alltäglichen Leben?

Oliver Polzer: Angefangen habe ich mit Fußball, im Nachwuchs bei der Wiener Austria – was mir heute noch von vielen angekreidet wird. Ich bin aber so neutral wie man nur irgend sein kann (schmunzelt). Mit dem Tennis-Sport bin ich quasi aufgewachsen, als Tennislehrer bin ich auch viel um die Welt gekommen. Gerade auf dieser wunderschönen Anlage in Schwarzach spiele ich inzwischen wieder sehr oft. Interessanterweise war ich aber auch zweimaliger Wiener Meister im Wasserspringen. Außerdem war ich immer schon begeisterter Skifahrer, als Wiener zwar nicht so oft auf den zwei Brettern unterwegs, dafür aber mit umso mehr Enthusiasmus.

MiK
MiK ©MiK

WANN & WO: Hast du dein Wirtschaftsstudium aufgrund deiner Berufsaussichten an den Nagel gehängt?

Oliver Polzer: Als ordentlich anständiger ORF-Mitarbeiter bricht man ja sein Studium ab – das habe ich selbstverständlich ebenso gehalten (schmunzelt). Spaß beiseite, ich war ungefähr in der Hälfte des Studiums, habe aber einfach die Chance ergriffen, diesem Traum nachzugehen. Diese Entscheidung habe ich nie bereut.

WANN & WO: Fällt dir spontan eine witzige Anekdote aus deiner Karriere ein?

Oliver Polzer: Ich war sehr viel mit Robert Seeger unterwegs. Wenn wir im Ausland waren, blieb mir die Rolle des Fahrers im Mietauto, Robert saß daneben und übernahm die Navigation. Als eingespieltes Team wollten wir vor den Großereignissen immer die Atmosphäre der Städte einatmen – aber immer auf uns allein gestellt, nach dem Weg fragen war tabu, laut Robert: „Frogn is wos für Schisstla“. Wir waren dann zwar manchmal länger unterwegs, kamen aber schlussendlich immer ans Ziel. Mit Hans Huber habe ich bei der WM in Südkorea ebenfalls viel erlebt. Einmal feierten wir mit den heimischen Fans und ein Südkoreaner bediente sich in der Emotion am Bier meines Kollegen – eine eigentlich untragbare Majestätsbeleidigung. Später brachte der Übeltäter dann aber eine Runde (schmunzelt).

WANN & WO: Was waren für dich die eindrücklichsten Momente in der Kommentatorenrolle?

Oliver Polzer: Es gab viele tolle aber auch sehr schwierige Momente, wie z.B. die vielen schweren Unfälle in den letzten Jahren auf der Streif. In diesen bangen Sekunden versuche ich, ehrlich und authentisch zu bleiben. Hier hilft es, einfach mal nichts zu sagen – in diesen Momenten sind alle betroffen. Positiv in Erinnerung wird mir immer der 4:1-Auswärtserfolg des ÖFB-Teams in Schweden bleiben – unfassbare Emotionen, ich war ebenfalls sehr laut, was auch nicht immer jedem gefällt. Auch bei all den großen Siegen von Marcel Hirscher, oder Spiele von Dominic Thiem oder damals von Thomas Muster – jeder dieser Momente hat seine Einzigartigkeit.

WANN & WO: Wie schwierig sind Sportler in Interviewsituationen?

Oliver Polzer: Mein Zugang ist Ehrlichkeit und Verständnis für den Menschen hinter dem Sportler. Im Idealfall sollte die Frage auch sinnvoll sein. Natürlich bekommt man auch schnippische Antworten. Ich z.B. hatte nie Probleme mit Toni Polster, der sich sicherlich in solchen Situationen auch seine Bühne geschaffen hat. Natürlich gibt es schwierige Typen, die dann auch patzig werden können. Ich denke z.B. an Peter Pacult, Huub Stevens oder Didi Kühbauer. Der steht aber glücklicherweise inzwischen auf unserer Seite des Mikros.

WANN & WO: Wie gehst du mit Kritik um?

Oliver Polzer: Kritik kann auch gut tun. Kürzlich habe ich ein Interview mit Aksel Lund Svindal gelesen, aus dem ich viel für mich mitnehmen konnte. Er meinte, die wichtigsten Menschen in seiner Karriere seien jene, die ihm sagen, was er nicht gut mache. Wenn du zu den Besten gehören willst, und diesen Anspruch verfolge ich, dann musst du dir vor allem das anhören, was nicht gut funktioniert. Unser Publikum ist sehr breit gestreut. Als Kommentator kann man es nie allen recht machen. Ich versuche, ehrlich und objektiv zu bleiben, zu interpretieren und zu kommentieren. Mein Job wird aber immer polarisieren. Beim Spiel Real gegen Atlético hat mich beispielsweise ein Fan attackiert, was ich für einen Stuss reden würde. Ich saß daheim auf der Couch und habe ihm dann geantwortet, dass das Spiel von meinem Kollegen Boris Jirka kommentiert würde (schmunzelt). Grundsätzlich sind immer schon die beleidigt, deren Mannschaft verliert. Man sucht automatisch Schuldige. Und der Sprecher im TV ist ein dankbares Opfer, das nicht zurück redet.

WANN & WO: Auf Social Media kann Kritik aber dann schon auch untergriffig werden.

Oliver Polzer: Absolut. Einerseits kann Interaktion spannend werden. Andererseits dient es für viele als Plattform, um sich auskotzen zu können. Ich habe schon öfters mit dem Gedanken gespielt, meine Seite wieder zu schließen. Ich schätze die persönliche Kommunikation, von Angesicht zu Angesicht.

WANN & WO: Was sind deine Stärken, was deine Schwächen?

Oliver Polzer: Ich denke, dass ich mit gut in den Sport versetzen kann, weil ich meinen Beruf liebe und nach wie vor mit Herzblut jedes Event besuche, auch hier dieses Match in Schwarzach. Ein gutes Mundwerk ist sicher auch vorteilhaft. Meine größte Schwäche ist wahrscheinlich meine Ungeduld – leider in vielen Lebenslagen. Auch meine Kinder haben diesen Charakterzug von mir geerbt. Es gibt sicherlich noch weitere Schwächen, wobei es aber vernünftiger ist, diese nicht öffentlich zu machen (schmunzelt).

WANN & WO: Fühlst du dich mittlerweile angekommen in Vorarlberg?

Oliver Polzer: Wir leben nun seit fünf Jahren hier in Schwarzach. Mein Sohn wird im September acht Jahre alt. Er wurde zwar noch in Wien geboren, was man aber mit keiner Silbe mehr hört. Meine Tochter ist schon als waschechte Vorarlbergerin geboren. Ich finde das Land einfach großartig und möchte hier alt werden. Auch die sprachlichen Barrieren sind nahezu nicht mehr existent, außer wenn meine Kinder manchmal mit einem Ausdruck auftauchen, der mich dann schon vor Rätsel stellt.

WANN & WO: Wir gut fährt Oliver Polzer Ski?

Oliver Polzer: Da müsste man meinen Kollegen Hans Knauss fragen, mit ihm bin ich, so weit es der Job zulässt, immer gerne auf den Skiern unterwegs. Nach etlichen Jahren der Zusammenarbeit bleibt er inzwischen sogar stehen und gibt mir Tipps. Ich fahre gern schnell und viel, obwohl es wahrscheinlich stilistisch nicht unbedingt schön aussieht. Seit zwei Jahren trainiere ich sogar Slalom, mit Thomas Sykora. Ich bin inzwischen richtig süchtig nach den Kippstangen. Ich glaube in unserem Beruf ist es umso wichtiger, dass man weiß, worüber man spricht – auch wenn mein Niveau sicher nicht an die Weltklasse heranreicht. Ich kann aber behaupten, dass ich fast jede Weltcup-Strecke, die ich kommentieren durfte, selbst befahren habe. Auch Kitzbühel, Wengen oder Gröden – im Schneckentempo versteht sich.

WANN & WO: Welche Ziele hast du dir für die nächste Zeit gesteckt?

Oliver Polzer: Ich freue mich auf viele weitere Großereignisse wie die Fußball-WM in Russland, Olympia in Korea, Champions League, Ski-Weltcup uvm. Ich hoffe, das Niveau halten zu können. Privat möchte ich Beruf und Familie unter einen Hut bringen und die Zeit mit meinen Liebsten so viel wie möglich auskosten.

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