Politiker sollen ausmisten, nicht Mist hinterlassen

Von NEUE/Sonja Schlingensiepen
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Helmut Leite ist seit zwei Jahren in Pension. Um körperlich fit zu werden, ging der Pensionist unter die Handwerker und errichtet diese Mauer. Helmut Leite ist seit zwei Jahren in Pension. Um körperlich fit zu werden, ging der Pensionist unter die Handwerker und errichtet diese Mauer. - © Schlingensiepen
Schwarzach - Mehr als 31 Jahre "regierte" Bürgermeister Helmut Leite in Schwarzach. Seit zwei Jahren ist der passionierte Sportler in Pension. Im Interview kritisiert er die "Politik als Selbstbedienungsladen".

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Vor gut zwei Jahren haben Sie die Polit-Pension angetreten. Wie war die Umstellung?

Helmut Leite: Ich hatte mich darauf eingestellt, Zeit für Zeit zu haben und nicht mehr müssen müssen. Ich hatte aber auch das Ziel körperlich wieder fit zu werden und habe im Garten eine Steinmauer errichtet. Das traf sich gut, denn meine Frau wollte schon immer etwas, um ihre Blumenrabatte besser platzieren zu können.

Sie sind also unter die Handwerker gegangen?

Leite: Mehr oder weniger. Ich habe jeden Tag wie ein Schwerarbeiter gegraben, Steine aus dem Schwarzach­tobel verlegt. Die Nachbarn haben gelacht. Sie konnten nicht verstehen, dass ich es mir nicht gemütlich gemacht habe. Nachdem das Bauwerk vollendet war, war ich wirklich topfit, hatte mehr Kraft und stärkere Muskeln. Das war dann allerdings auch das Problem bei der Hüft-Operation im November 2011. Es gab Probleme, zudem habe ich mir noch einen Keim eingefangen. Sechs weitere Operationen folgten.

Kein sehr gelungener Pensionsantritt.

Leite: Es war eine Situation wie ich diese vom Sport her kenne. Nach Verletzungen muss man sich mühsam wieder nach oben kämpfen. Seit Mai kann ich wieder ohne Krücken laufen. Schwimmen und Radfahren funktioniert auch schon wieder ganz gut. Die Zwangspause hat mich gelehrt, dass das Leben auch Ruhezeiten hat. Ich kann mich wirklich hinsetzen und nichts tun.

Sie haben auch kein Ehrenamt inne?

Leite: Eigentlich wollte ich keine öffentlichen Aufgaben mehr übernehmen. Inzwischen bin ich Obmann des Krankenpflegevereins. Ein Amt, das ich gerne ausübe, weil ich dort Menschen helfen kann. Und das Heimathaus am Linzenberg, das im Besitz der Gemeinde ist und als Museum dient, ist mir auch ein großes Anliegen. Für die Berufsschullehrer habe ich neulich eine Führung veranstaltet.

Warum ist Ihnen dieses Haus so wichtig?

Leite: Der Schwarzacher Hermann Dür wollte mir das vererben. Zusammen mit 60 Ar Boden, Wald und Alp-Rechten im Bregenzerwald. Das wäre schon reizvoll gewesen. Aber ich wollte mich nicht bereichern und habe vorgeschlagen, das Haus als Heimathaus zu nutzen, in dem die Geschichte des Schliefergewerbes sichtbar gemacht wird. Hätten wir das Haus nicht, wäre vom Schwarzacher Wetzstein nicht mehr viel übrig geblieben. 1950 wurde die Produktion aufgelassen, die Mühlen abgebrochen.

Sie haben Ihr Amt 31 Jahre lang ausgeübt. Warum ist es in kleineren Gemeinden nicht so einfach, ein Gemeindeoberhaupt zu finden? Welche Qualifikationen muss ein Bürgermeister haben?

Leite: Ein Bürgermeister muss in jedem Fall ein Idealist sein. Wenn man nicht einmal eine Abfertigung bekommt, vergeht einem der Idealismus schnell.

Bürgermeister sollten also mehr verdienen?

Leite: Nicht unbedingt. Das Grundgehalt, das sich im Moment nach der Zahl der Einwohner richtet, ist angemessen. Ich würde ein leistungsbezogenes Gehalt sinnvoll finden. Leistung muss honoriert werden. Das ist bei privaten Betrieben auch so: Wer Ziele erreicht, etwas Besonderes vollbringt, der bekommt eine Prämie. Als Bürgermeister kann man beispielsweise günstig Liegenschaften erwerben, die Einnahmesituation der Gemeinde durch Betriebsansiedelungen verbessern, das Budget sanieren – Dinge, die Nutzen bringen und nachhaltige Wirkung haben. Die Frage ist allerdings, wer über die Leistungszahlungen befinden soll. Im Prinzip geht es aber nicht nur um Geld, sondern vor allem um Anerkennung und Wertschätzung der Arbeit.

Sie sind nie Mitglied einer Partei gewesen. War das – im Nachhinein betrachtet – die richtige Entscheidung?

Leite: Es gab nicht nur Angebote seitens der FPÖ, sondern auch von der ÖVP. In einigen Fällen hätte eine Parteizugehörigkeit meine Arbeit als Bürgermeister sicherlich erleichtert. Mir war es aber wichtig, parteilos zu bleiben, für alle da zu sein. Eine kleine Ausnahme habe ich 2008 gemacht, als ich auf der Liste Dinkhauser für den Nationalrat kandidiert habe. Wäre ich gewählt worden, hätte ich das Bürgermeisteramt zurückgelegt. In einer kleinen Gemeinde mit knapp 4000 Einwohnern und einer schlanken Verwaltung, ist es nicht möglich, im Nationalrat oder Landtag zu sitzen.

Ihnen wurde immer eine gewisse Affinität gegenüber der FPÖ nachgesagt. Wie faszinierend war denn ein Jörg Haider für Sie?

Leite: Jörg Haider hatte über Jahre hinweg eine ungemeine Wirkung, war voller Tatenkraft und hat kein Blatt vor den Mund genommen. In den Anfangsjahren fand ich seine Thesen gut. Vielleicht war er auch notwendig für die österreichische Innenpolitik. Mit zunehmenden Machteinfluss hat er aber an Vorbildwirkung verloren. Für mich war es sehr enttäuschend, dass die Partei, die eigentlich als Saubermacher-Partei anfing, so schlimme Dinge getan hat – speziell im Ursprungsland Kärnten. Ich bin insgesamt enttäuscht von den negativen Beispielen in der Politik. Nicht nur von den Freiheitlichen, sondern auch von den „Herren“ Strasser und Grasser. In der Politik braucht es Menschen, die Probleme lösen, nicht solche, die sie verursachen.

Was ist Ihrer Meinung nach von Frank Stronach zu erwarten?

Leite: Ich finde seinen Mut und sein Engagement bemerkenswert. Es ist toll, wenn er solche Ziele hat. Was er erreichen wird, wird sich weisen. Ich gebe ihm auf jeden Fall mehr Chancen als den Piraten.

Warum ist Fritz Dinkhauser bei den Nationalratswahlen gescheitert?

Leite: Zum einen waren die Sympathiewerte des Tirolers im Osten Österreichs nicht sehr hoch. Zum anderen war keine Struktur vorhanden. Diejenigen, die sich engagiert haben, hatten mehr damit zu tun ein System aufzubauen, als Wahlwerbung zu betreiben.

Was muss sich in der Politik ändern, damit die Menschen wieder mehr Vertrauen haben?

Leite: Die Politiker müssen ihr Ohr wieder näher am Volk haben. Die Verdoppelung der Parteienförderung spiegelt wider, wie weit weg Politiker von den Menschen und deren Problemen sind. Die Politik ist zum Selbstbedienungsladen geworden. Damit schließt sich der Kreis. Die Glaubwürdigkeit ist am Nullpunkt. Haider hat früher gesagt, dass man ausmisten muss und hat dann selbst den größten Mist hinterlassen.

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